Hauptversammlung
Münchener Rück hält HVB die Treue

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück will sich ungeachtet seiner durch die Börsenkrise geschwächten Kapitalbasis nicht von Anteilen an der Hypo-Vereinsbank (HVB) oder der Erstversicherungstochter Ergo trennen.

Reuters MÜNCHEN. Der Anteil seines Unternehmens von 25 % an der zweitgrößten deutschen Bank HVB sei zwar nicht sakrosankt, sagte Hans-Jürgen Schinzler am Mittwoch auf seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef der Münchener. "Allerdings haben wir angesichts des Aktienkurses der HVB, der weit unter dem (...) Vermögenswert liegt, derzeit keinen Anlass, über einen Verkauf nachzudenken", bekräftigte er seinen Kurs. Sein Vorhaben, 2004 an die Spitze des Aufsichtsrats zu wechseln, verteidigte er indes gegen die Kririk von Aktionärsvertretern, die vor Interessenkonflikten warnten. "Ich bin Profi genug, um zu wissen, was ich zu tun und was ich zu lassen habe", sagte er.

Die Spekulationen im Markt über einen möglichen weiteren HVB-Anteilsverkauf zur Stärkung der angekratzten Kapitalbasis hatte Schinzler selbst vor wenigen Wochen angefacht. Er hatte gesagt, auch eine Beteiligung von fünf bis zehn Prozent an der HVB sei ausreichend, um die Kooperation der beiden Finanzhäuser zu untermauern. Die Münchener Rück hatte in den ersten drei Monaten 2003 wegen hoher Abschreibungen auf Wertpapiere erneut rote Zahlen geschrieben und damit das vierte Verlustquartal in Folge verzeichnet. Das Minus belief sich auf 238 Mill. ? nach einem Verlust von sogar rund 2,16 Mrd. ? im Quartal davor. Eine Ertragsprognose für das laufende Jahr blieb der Konzern auch auf der Hauptversammlung schuldig.

Zur Zukunft der Erstversicherungstochter Ergo sagte Schinzler, die Strategie, sich mit Ergo ein zweites Standbein neben der Rückversicherung zu schaffen, sei nach wie vor richtig. "Wir haben uns dabei was gedacht, als wir die Ergo übernommen haben", sagte er. Mit Blick auf die von der Börsenkrise verschärfte Ertragsschwäche der deutschen Lebensversicherer fügte er hinzu: "Es wäre völlig falsch, aus einer einmaligen Situation heraus zu sagen: Das verkaufen wir jetzt." Schinzlers designierter Nachfolger Nikolaus von Bomhard, der zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz übernehmen soll, hatte Reuters im Mai gesagt, Spekulationen über eine Trennung von Ergo seien "absolut verfrüht".

Den wegen der aktuellen Börsenschwäche mehrmals gesenkten Aktienanteil in seinen Portfolios hält der Konzern, der mit rund 150 Mrd. ? Aktienbesitz zu den größten institutionellen Investoren Europas zählt, inzwischen für angemessen. Der Konzern hatte seine Aktienquote von noch 29 % Ende 2001 bis auf 14 % Ende März 2003 zurückgefahren. Das Unternehmen wolle an einem künftigen Börsenaufschwung teilhaben, sagte Vorstandschef Schinzler. Allerdings stelle sich sein Haus auch für 2003 auf Kursschwankungen an den Börsen ein.

Wenige Monate vor dem geplanten Wechsel an der Konzernspitze scheidet unterdessen der für Unternehmensplanung zuständige Vorstand Clement Booth aus. Der seit 1999 amtierende Manager galt als Verbindungsmann des Konzerns zu den internationalen Großanlegern. In Branchenkreisen hieß es, der Südafrikaner gehe nicht auf Grund von Differenzen mit dem neuen Vorstandschef. Er verlasse München mit Rücksicht auf seine in London lebende Familie.

Aktionärsvertreter kritisierten vor allem die Anlagepolitik des Konzerns, der seit 2002 mehrere Mrd. ? auf seine Wertpapierdepots hat abschrieben müssen. Thomas Körfgen von der Fondsgesellschaft SEB Invest bemängelte, dass die Münchener Rück mit über 25 % an der HVB, zehn Prozent an der Commerzbank und indirekt 15 % an der Allianz-Tochter Dresdner Bank zu stark bei den in Schwierigkeiten geratenen deutschen Großbanken engagiert sei. "Hielten sie jetzt noch einen Anteil an der Deutsche Bank, wäre das Klumpenrisiko perfekt", sagte er.

Die Aktie der Münchener Rück lag am Nachmittag in einem freundlichen Gesamtmarkt 1,6 % höher bei 97,30 ?.

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