Hauptversammlung muss Plänen für den Abbau der Schulden zustimmen
Schmid lässt Mobilcom zappeln

Zwischen der finanziell angeschlagenen Mobilcom AG und France Télécom S.A. (FT) bahnt sich offenbar eine Lösung an: Die Vorstände des Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmens und des 28,5-prozentigen Pariser Großaktionärs wollen bis Ende Oktober ein "Memorandum of understanding" unterzeichnen.

lip HAMBURG. Es sieht vor, dass die Franzosen Mobilcom Schulden in Milliardenhöhe erlassen. Die Vereinbarung muss zunächst durch die Aufsichtsräte, dann soll sie voraussichtlich Mitte Dezember von einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt werden.

Wie das Handelsblatt aus Firmenkreisen von Mobilcom erfuhr, sieht der Vertragsentwurf vor, dass der Pariser Staatskonzern von den Büdelsdorfern Verbindlichkeiten von rund 7,5 Mrd. Euro übernimmt. Davon entfallen 485 Mill. Euro auf die Kosten, die Mobilcom für das Einfrieren des UMTS-Geschäfts entstehen. Der französische Telefonriese ist nicht bereit, den Aufbau des neuen Mobilfunk-Systems in Deutschland weiter zu verfolgen.

Ferner beinhaltet der angestrebte Schuldenerlass der Franzosen ein Darlehen von 4,7 Mrd. Euro, das die Banken Mobilcom für die Finanzierung des Erwerbs der UMTS-Lizenz gewährt haben. Zudem soll FT für die offenen Forderungen gegenüber den Netzausrüsters Nokia (775 Mill. Euro) und Ericsson (448 Mill. Euro) aufkommen. Hinzu kommt noch ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 1,01 Mrd. Euro. Im Gegenzug verpflichtet sich die am Neuen Markt notierte Gesellschaft, keine Schadenersatzansprüche oder andere Geldforderungen gegen den Pariser Staatskonzern aus dem Kooperationsvertrag (CFA) zu stellen.

Der angeblich weitgehend zwischen France Télécom und Mobilcom ausgehandelte Vertrag hat aber noch einige Tücken: So muss Ex-Vorstandschef Gerhard Schmid, der zusammen mit seiner Frau mehr als 50 % der Anteile an Mobilcom besitzt, dem Schuldenerlass auf der Aktionärsversammlung zustimmen. Ob der Firmengründer hier aber sein Plazet gibt, ist fraglich. Der Grund: In den neuen Vertragsbedingungen zwischen den Franzosen und Mobilcom, die seit Anfang dieser Woche auch der Bundesregierung vorliegen, findet sich bislang keine Regelung über die Höhe einer Abfindung für Schmids Aktienpaket.

Die Franzosen sind nach Informationen aus Bankenkreisen bislang auch nicht bereit, Schmids Beteiligung zu übernehmen. Sie hoffen, dass Dieter Vogel auf Schmid einwirkt, um eine Lösung mit dem Manager herbeizuführen. Doch davon ist der Ex-Thyssen-Manager, der im Auftrag der Bundesregierung die Verhandlungen zwischen Mobilcom und den Franzosen führt, noch weit entfernt.

So zögert der frühere Mobilcom-Boss nach Informationen des Handelsblatts seit Wochen, sein Aktienpaket einem Treuhänder zu überlassen. Schmid hatte Vogel diese Maßnahme angeboten, um die Verhandlungen zwischen ihm und den Franzosen nicht zu gefährden. Seit Wochen bringt der Firmengründer das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim als Kandidaten ins Gespräch. Doch die Privatbank hat kein Interesse, das Mandat zu übernehmen. "Herr Schmid will jetzt einen Notar als Treuhänder bestellen", wiegelt ein Sprecher des Firmengründers ab. Wann dies erfolgt, ist aber noch offen.

Mobilcom hingegen drücken noch weitere Probleme: Vorstandschef Thorsten Grenz, der aus dem UMTS-Geschäft aussteigen will, versucht derzeit, mit der Konkurrenz von E-Plus einen Vergleich auszuhandeln. Dessen Ziel: die Auflösung des Roaming-Vertrags mit E-Plus für UMTS. Dessen Ziel war es, den Kunden beider Unternehmen ein bundesweites UMTS-Angebot zu ermöglichen, ohne dass jeder selbst ein komplettes Netz hätte aufbauen müssen. Nun ist Mobilcom offenbar bereit, einen Euro-Betrag in dreistelliger Millionenhöhe an E-Plus zu zahlen - nur um aus dem Vertrag herauszukommen. Sollten sich die Vertragsparteien hier nicht einigen, ist offenbar Mobilcom bereit, E-plus die aufgebaute UMTS-Infrastruktur zu überlassen.

Parallel dazu bemüht sich Mobilcom um weitere Finanzspritzen. Sollte sich das Unternehmen mit France Télécom und E-Plus einigen, hat das Unternehmen nach Informationen des Handelsblatts bis Ende 2003 einen Finanzierungsbedarf von 162 Mill. Euro. Das Geld benötigt Mobilcom unter anderem für die Sanierung und Erneuerung seines Kerngeschäfts als Mobilfunk-Anbieter sowie für den Abbau von 1 850 Vollzeit-Arbeitskräften. Zwar hat das Büdelsdorfer Unternehmen von Bund und Land finanzielle Zusagen über 400 Mill. Euro erhalten. Doch bislang sind davon lediglich 50 Mill. Euro ausgezahlt worden.

Quelle: Handelsblatt

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