Hauptversammlung
Post: Optimistisch für Aktie und Tarifrunde

An brisanten Themen mangelt es der Post-Hauptversammlung heute nicht. Wegen Warnstreiks sind in den vergangenen Tagen Millionen von Postsendungen liegengeblieben. Die Aktie "Gelb" ist seit dem Börsengang rund ein Drittel eingebrochen.

vwd/rtr KÖLN. Zu beiden Themen nimmt Konzernchef Klaus Zumwinkel auf der Hauptversammlung Stellung - und gibt sich Mühe, in jeder Hinsicht Optimismus zu verbreiten. Trotz der Warnstreiks setzt die Deutsche Post AG im Tarifkonflikt auf eine rasche Verhandlungslösung. Man gehe mit großer Zuversicht in die neue Lohnrunde in der kommenden Woche, sagte Zumwinkel in Köln. Ziel sei es, ein für alle tragfähiges Ergebnis zu erzielen.

Die seit Dienstag laufenden Warnstreiks bezeichnete der Vorstandsvorsitzende laut des vorab verbreiteten Redetexts als nicht nachvollziehbar, zumal die bisherigen Verhandlungen konstruktiv verlaufen seien. Sie schadeten den Kunden der Post und auch ihren Aktionären. "Wir wollen ein für alle tragfähiges Ergebnis erzielen und gehen mit großer Zuversicht in die Gespräche", sagte Zumwinkel mit Blick auf die Tarifrunde. "Gerade nach den Erfahrungen der bisherigen konstruktiven Verhandlungen war für uns der jüngste Aufruf zu Streikmaßnahmen nicht nachvollziehbar", fügte der Vorstandschef aber hinzu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte zuletzt die Warnstreiks bei der Post verstärkt. In den vergangenen Tagen wurden deshalb Millionen von Briefsendungen nicht bearbeitet. Auch die gesamte Postfracht ins und aus dem Ausland wurde um einen Tag verzögert.

Der Forderung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für rund 240 000 Beschäftigte erteilte Zumwinkel erneut eine Absage. Diese Zielsetzung sei unrealistisch. Verdi hatte bemängelt, dass die Post in den beiden vorherigen Verhandlungsrunden kein Angebot vorgelegt habe. Die Tarifgespräche waren am 25. April aufgenommen worden. Die Arbeitgeberseite hat bislang kein Angebot in der Tarifrunde vorgelegt, will dies jedoch Anfang kommender Woche tun. Die Post hat nach eigenen Angaben 240 000 Beschäftigte, darunter 69 000 Beamte, deren Einkommen vom laufenden Tarifkonflikt nicht berührt sind.

Kein Spielraum für sinkenden Preise

Über das vergangenen Geschäftsjahr und die Entwicklung der Post-Geschäfte zeigte sich Zumwinkel insgesamt zufrieden. Der Konzern habe sich in einem schwierigen Umfeld behauptet und Umsatz sowie Ergebnis gesteigert. Aus seiner Sicht hätten sich die Fundamentaldaten und Trends nicht geändert. Im Gegenteil sehe er wieder "Lichtblicke", sagte Zumwinkel. Dennoch sei es eine Herausforderung, 2002 das operative Ergebnis des Vorjahres zu übertreffen, bekräftigte er seine bisherige Prognose. Für das laufende Jahr sieht Zumwinkel ferner kaum Chancen für Preissenkungen bei Briefsendungen.

"Wir sehen angesichts der Inflation und der gestiegenen Löhne keinen Spielraum für Preissenkungen." Als eine der wichtigsten aktuellen und zukünftigen Aufgaben nannte der Post-Chef die stärkere Nutzung von Einsparpotenzialen innerhalb des Konzerns. Das dafür aufgelegte Programm "Star" zur Umsetzung von Synergie-Möglichkeiten werde derzeit konzipiert und im Laufe des Jahres vorgestellt. Auch bereite sich die Post auf die weitere Liberalisierung der europäischen Briefmärkte vor, auf die mit einer eigenen Strategie geantwortet werde. Sehr unzufrieden äußerte sich Zumwinkel indes über die Entwicklung der Post-Aktie, die am Donnerstagmorgen bei 15,15 Euro nahezu unverändert tendierte. Sie liegt damit weiter mehr als ein Viertel unter ihrem Ausgabepreis von vor gut eineinhalb Jahren. Dieser Kurs spiegele weder das Potenzial noch den wahren Wert der Post wider, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Den Aktionären machte Zumwinkel Hoffnung auf einen steigenden Aktienkurs. Seit 15 Monaten liegt die Aktie Gelb nun schon unter dem Ausgabepreis. Er sei sicher, dass die gegenwärtigen Notierungen, mit denen er nicht zufrieden sei, dem wahren Wert und dem Potenzial des Unternehmens nicht entsprächen, sagte Zumwinkel. Das Management werde mit aller Energie daran arbeiten, dass die "Aktie Gelb" und die Deutsche Post AG selbst am Finanzmarkt angemessen und besser bewertet würden.

Solide Fundamentaldaten sollen der Aktie helfen

Der Konzern habe noch "enormes Potenzial" bei Umsatz, Gewinn und Wertsteigerung, betonte Zumwinkel. Die Konzentration in der Kapitalmarkt-Kommunikation auf "solide und starke Fundamentaldaten" werde der Post auch an der Börse zu Gute kommen. Der Vorstandsvorsitzende unterstrich, dass sich die Aktie seit Januar in der Relation besser entwickelt habe als der Dax dem sie seit März vorigen Jahres angehört. Den mit der Aufnahme in das Premiumsegment einher gegangene Fall unter den Ausgabekurs vom Börsengang Ende 2000 führte Zumwinkel zum einen auf die allgemeine Baisse vor dem Hintergrund der Konjunkturschwäche zurück.

Kursbelastend hätten sich darüber hinaus Ende vorigen Jahres zahlreiche Berichte über mit Milzbranderregern verseuchte Briefe ausgewirkt sowie in den ersten Monaten dieses Jahres die Diskussion über das Umsatzsteuergebaren der Post. Zumwinkel sprach in diesem Zusammenhang von "unhaltbaren öffentlichen Angriffen" auf den Bonner Konzern, die zu Lasten des Eigentums seiner Aktionäre gingen. Seit dem Börsengang befindet sich knapp ein Drittel der Aktien in Streubesitz, den Rest hält weiter direkt und indirekt der Bund. Die "Aktie Gelb" war am 20. November 2000 zum Preis von 21 Euro emittiert worden.

Derzeit wird sie bei rund 15 Euro gehandelt. Dabei sei 2001 das elfte Jahr in Folge gewesen, in dem sich die Fundamentaldaten der Post verbessert hätten, betonte Zumwinkel. Von den Dax- Konzernen liege sie bei der Nettoverschuldung auf Platz sechs, beim Gewinn auf dem siebenten Rang und gemessen am Umsatz an elften Stelle. Für dieses Jahr bekräftigte er erneut die Prognose, den Umsatz von 33 Mrd auf über 40 Mrd Euro zu steigern. Das erste Quartal habe mit einem deutlichen Umsatzplus und einem leichten Gewinnrückgang den eigenen Erwartungen entsprochen, sagte Zumwinkel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%