Hauptversammlung von Vivendi Universal
Messier zieht Kopf nochmals aus der Schlinge

Vivendi Universal-Chef Jean-Marie Messier hält nach der aufreibendsten Woche seiner Amtszeit die Macht noch in den Händen - im Gegensatz zum gefallenen deutschen Medienmogul Leo Kirch.

WiWo/AP/dpa PARIS. Die Hauptversammlung des weltweit zweitgrößten Medienkonzerns in Paris begann turbulent mit Protesten von Beschäftigten des Pay-TV-Ablegers Canal Plus. Eine Vertreterin von Kleinaktionären kündigte an, sie wolle vor Gericht die Einsetzung eines Gutachters durchsetzen. Dieser solle klären, wie es zu den immensen Verlusten gekommen sei, sagte Colette Neuville der Zeitung "Le Monde".

Gründe gab es reichlich, den Konzernchef an den Pranger zu stellen: Der Einbruch des Aktienkurses um 37 Prozent seit Jahresbeginn auf unter 40 Euro, der erstmalige Konzernverlust von 13,6 Milliarden Euro im Jahr 2001, ein Schuldenberg von rund 30 Milliarden Euro, Auseinandersetzungen im Management des amerikanisch- französischen Unternehmens und das schlechte Image bei Finanzanalysten.

Messier hatte letzte Woche den Chef des defizitären Senders Canal-Plus, Pierre Lescure, gefeuert und damit in Frankreich einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Vor dem Eingang der Veranstaltungshalle demonstrierten hunderte Mitarbeiter gegen die Entscheidung. Sie verteilten Flugblätter an die Aktionäre, auf denen der Rücktritt Messiers gefordert wurde.

Die Beschäftigten von Canal+ - der Sender ist führend in der französischen Filmförderung - unterbrachen das Programm und protestierten lautstark gegen die Entscheidung. Canal+ ist mit 15 Millionen Kunden zwar größte Abonnenten-TV-Gruppe in Europa, leidet aber - ebenso wie Kirchs Bezahl-TV-Sender Premiere - unter hohen Verlusten.

Zuletzt hatte nicht viel zum Sturz von Messier gefehlt. Doch der in Ungnade gefallene Manager, der zur Selbstüberschätzung neigt, ging zum Angriff über. Fieberhaft nutzte er die vergangenen Tage zur Entschärfung der Lage. Messier besänftigte die Finanzmärkte durch den kurzfristigen Milliarden-Verkauf der Fachpressesparte, beruhigte die Medienaufsicht in Frankreich mit Zusicherungen für die Unabhängigkeit von Canal+ und führte Krisengespräche mit Großaktionären.

Durch ein Treffen mit den aufgebrachten Beschäftigten von Canal+ sorgte er für Entspannung. Den Kleinaktionären, die sich besonders über einen Aktienoptionsplan für das Management von zwei Milliarden Euro aufregten, versicherte Messier, er werde auf seine Optionen verzichten, wenn der Aktienkurs bis September nicht auf 60 Euro klettert.

Die Unterstützung des Vivendi-Verwaltungsrats, der ihn letztlich zu Fall bringen könnte, ist ihm nach Brancheninformationen vorerst gewiss, trotz wachsender Bedenken. Das Gremium, in dem Managergrößen wie Milliardär Bernard Arnault vom Luxusgüterkonzern LVMH sitzen, hatte die Milliardeneinkäufe von Messier abgesegnet. Damit schuf der ehrgeizige Manager in den vergangenen Jahren aus dem verstaubten Générale des Eaux-Konzern den Mediengiganten Vivendi Universal, der in der Liga von AOL Time Warner, Disney und Bertelsmann mitspielt.

Doch die Zweifel an seinem riskanten Kurs für das Imperium, das von den Universal Filmstudios über Musiklabels bis zum Telefongeschäft und Wasserversorgungsriesen Vivendi Environnement (VE) alles unter einem Dach vereint, sind nicht verstummt. Umstritten ist besonders seine Absicht, die Mehrheit bei VE schnellstens von 63 Prozent auf unter 50 Prozent zu drücken, um die dort geparkten Schulden von rund 14 Milliarden Euro aus der Konzernbilanz herauszurechnen. "Messier hat sich nur eine Atempause verschafft", meinte ein Branchenkenner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%