Hausarrest gegen Kaution aufgehoben
Pinochet auf freiem Fuß

dpa SANTIAGO DE CHILE. Der frühere Diktator Augusto Pinochet ist nach 41-tägigem Hausarrest in Chile wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Untersuchungsrichter Juan Guzman gewährte die Freilassung des 85-Jährigen auf Kaution am Montag in Santiago de Chile. Die Anwälte von Pinochet hätten eine Sicherheitsleistung von 2 Mill. chilenischer Pesos (umgerechnet etwa 7 350 DM) hinterlegt, berichteten Rundfunksender unter Berufung auf Sprecher des Richters.

Pinochet wird sich - nach einer Anklageerhebung Guzmans vom Jahresanfang - wegen Menschenrechtsverletzungen während seiner Regierungszeit (1973-90) vor Gericht verantworten müssen. Die Anklage war erst vergangene Woche vom chilenischen Berufungsgericht grundsätzlich bestätigt, doch abgeschwächt worden. Pinochet muss sich demnach nicht mehr wegen Anstiftung und Beihilfe zu Mord und Entführung von Regimegegnern während der "Karawane des Todes" im Jahr 1973 verantworten, ihm wird jetzt nur noch zur Last gelegt, die Verbrechen gedeckt zu haben.

Die Entscheidung des Berufungsgerichts löste heftige Kritik aus. "Das Urteil ist inakzeptabel, empörend und beschämend", sagte die Präsidentin des Verbands der Festgenommenen und Verschwundenen der Diktatur, Viviana Diaz. Aber auch Pinochets ältester Sohn Augusto kritisierte die Entscheidung als das "ungerchteste auf der Welt".

Pinochet befand sich seit dem 31. Januar auf seinem Landgut Los Boldos 130 Kilometer südwestlich der Hauptstadt unter Hausarrest. Während seiner Regierungszeit wurden in Chile nach Schätzung von Menschenrechtsgruppen mindestens 3 000 Regimegegner ermordet, während Zehntausende ins Exil getrieben wurden.

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