Hausfrauen-Bund: "Bei uns wird nicht gezockt"
Aller Anfang ist leicht

Um einen Aktienclub zu gründen, gibt es viele Hilfen. Banken stellen Referenten und bieten oft ein Girokonto mit günstigen Konditionen. Musterverträge sind bei Aktionärsschützern erhältlich.

DÜSSELDORF. Statt über Haushaltsgeld diskutieren 180 Mitglieder des Deutschen Hausfrauen-Bundes, Ortsverband Dortmund, einmal im Monat über die weltweiten Kapitalmärkte. Die Hausfrauen haben einen Investmentclub gegründet.

"Bei uns steht neben dem Lernen über die Zusammenhänge an der Börse die Altersvorsorge im Vordergrund", meint Christel Klimmek, Vorsitzende des Ortsverbandes. "Das gehört zum Führen eines Haushaltes dazu."

Die Resonanz auf ihre Idee war riesig. 500 Frauen im Alter von 22 bis 81 Jahren wollten mitmachen und landeten anfangs fast alle auf einer Warteliste. Aus steuerrechtlichen Gründen darf ein Club nur 30 Mitglieder umfassen, deswegen hat der Ortsverband mittlerweile sechs eigenständige Gruppen gegründet.

Zuerst mussten die Frauen eine Bank finden und wurden recht schnell fündig. "Die Stadtsparkasse Dortmund hat uns ein Girokonto mit günstigen Konditionen eingeräumt", erzählt sie.

Für Renate Feller, Sprecherin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, war das keine Überraschung: "Die Banken haben erkannt, dass Clubmitglieder in der Regel auch privat ein Aktiendepot führen." Dies sei ein Sinneswandel gegenüber früheren Zeiten.

200 DM Startkapital und eine monatliche Einlage in Höhe von 50 DM sind mit einer Mitgliedschaft verbunden. "Mit plötzlichem Reichtum ist bei uns nicht zu rechnen", betont die Vorsitzende. Anlageentscheidungen werden während der monatlichen Sitzungen mit einfacher Mehrheit beschlossen. Für den "Börsennotfall" haben die Hausfrauen eine fünfköpfige "Eingreiftruppe" gewählt.

Die Hausfrauen besuchen auch Aktiengesellschaften in ihrer Region, um ein mögliches Investment zu prüfen und sind dort gern gesehene Gäste. Auf den monatlichen Treffen informieren externe Referenten, meist von den Banken gestellt, über ein Anlagethema. Anfangs wurden Grundlagen erarbeitet: Die wichtigsten Indizes, Geld- und Briefkurse oder Erläuterungen zu Fonds standen auf der Tagesordnung. "Wir werden uns auch über Warentermingeschäfte informieren, aber nicht darin investieren", meint die 58-Jährige. "Bei uns wird nicht gezockt."

Nach Meinung von Renate Feller bieten die Banken oft fachkundige Referenten und initiieren sogar selbst die Gründung von Anlegervereinigungen. "Damit erziehen sich die Banken selbstständige Anleger und bauen ein Vertrauensverhältnis auf", erläutert Feller. Ein Vorteil, um anschließend andere Bankprodukte verkaufen zu können.

Den Mustervertrag, um den Club gründen zu können, haben die Dortmunder vom Ortsverband Siegen des Deutschen Hausfrauen-Bundes, den Pionieren des Verbandes auf diesem Gebiet, bekommen.

Einen entsprechende Vertrag liefert auch die DSW zusammen mit einem Leitfaden für zehn DM. Die Adresse: DSW, Postfach 35 01 63, 40443 Düsseldorf. Online kann zudem ein Mustervertrag heruntergeladen werden.

In den unsicheren Börsenzeiten kaufen die Hausfrauen nur Aktien mit geringer Schwankungsbreite. Andere Wertpapiere werden nur mit Limits geordert.

Für Renate Feller steht auf jeden Fall fest: "Investmentclub-Mitglieder sind manchmal professioneller als Banker, weil sie sich den ganzen Tag mit dem Thema beschäftigen."

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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