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Hausmeisterwohnung in der «Waschmaschine» wird Büro

Berlin (dpa) - Wenn Spaziergänger an der Spree entlang durch das Berliner Regierungsviertel flanieren, bleiben ihre Blicke im milden Abendlicht am Bundeskanzleramt hängen. Wäre es nicht schön, dort zu wohnen, in dieser elegant-sachlichen Nachwende-Architektur, die nur respektlose Berliner «Waschmaschine» nennen?

Berlin (dpa) - Wenn Spaziergänger an der Spree entlang durch das Berliner Regierungsviertel flanieren, bleiben ihre Blicke im milden Abendlicht am Bundeskanzleramt hängen. Wäre es nicht schön, dort zu wohnen, in dieser elegant-sachlichen Nachwende-Architektur, die nur respektlose Berliner «Waschmaschine» nennen?

Die Stararchitekten Axel Schultes und Charlotte Frank hatten diese Ehre einst nicht nur dem Bundeskanzler, sondern auch dem Hausmeister zugedacht. Doch das Bundeskanzleramt hat festgestellt, dass es gar keinen klassischen Hausmeister mehr braucht. Die 120-Quadratmeter-Wohnung wird nun zum Büro, teilte ein Sprecher mit.

Damit ist die geistreiche Immobilienanzeige, die am vergangenen Freitag im Magazin der «Süddeutschen Zeitung» zu lesen waren, leider hinfällig. Auch die von den Boulevardmedien erhoffte Stellenausschreibung für ein Kanzleramts-Faktotum wird es nicht geben. Denn der klassische Hausmeister im Blaumann, der mit einem Werkzeugkoffer gewichtigen Schrittes durch die Flure eilt, gehört im politischen Herz der Republik der Vergangenheit an. Der Mann müsse nur noch Termine absprechen und Arbeiten koordinieren, heißt es. Die Technik und die Kommunikation hätten ohnehin ihre eigenen Chefs.

Von Stellenabbau im Kanzleramt kann aber keine Rede sein. Der frühere Hausmeister habe eine andere Funktion übernommen, betont der Sprecher. Und er sei auf eigenen Wunsch mit seiner Familie aus der schönen Wohnung mit Spreeblick ausgezogen. Eine Vermietung der Immobilie stand nicht ernsthaft zur Debatte - sie wäre wohl ohnehin nur für überzeugte Eremiten geeignet. Denn jeder Besucher muss förmlich angemeldet werden und würde später an der Pforte seiner Ausweise beraubt und durchleuchtet. Das kann auf Dauer sehr belastend sein im freizügigen Berlin.

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