HB-Eurokonjunktur-Indikator fällt unter die Marke von einem Prozent
HB-Eurokonjunkturindikator: Deutschland bremst

Noch ist die Stimmung im Euro-Raum überwiegend trüb, auch wenn sich in den kleineren Mitgliedstaaten vereinzelt erste Erholungssignale zeigen. Vor allem Deutschland belastet derzeit mit seiner schrumpfenden Wirtschaft sowie zunehmender Mutlosigkeit bei Investoren und Verbrauchern die Wirtschaft.

HB DÜSSELDORF. Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator ist mit 0,9 % im Dezember erstmals seit gut fünf Jahren wieder unter die Marke von 1 % gesunken. Auch das Vormonatsergebnis wurde nachträglich um 0,1 Prozentpunkte auf 1,0 % nach unten korrigiert, so dass der Indikator seit nunmehr 15 Monaten ununterbrochen nach unten weist. Das Tempo der Abwärtsbewegung hat sich allerdings zuletzt deutlich verlangsamt und lässt darauf hoffen, dass die Talsohle bald erreicht sein könnte.

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Darauf deuten auch erste positive Konjunktursignale vor allem aus den kleineren Ländern der Euro-Zone hin. Deutschland wirkt dagegen derzeit wie ein Klotz am Bein. Vor allem die schlechte Entwicklung dieses mit Abstand gewichtigsten Mitgliedslandes im Euro-Raum lässt es sehr fraglich erscheinen, dass eine nachhaltige Konjunkturerholung noch vor Mitte nächsten Jahres einsetzen könnte.

Die Stimmung der europäischen Unternehmer und Konsumenten hat sich im November nochmals verschlechtert, nachdem die Umfragewerte schon im Oktober schockartig gesunken waren. Die von der Europäischen Kommission zusammengetragenen Indizes des Industrie- und Konsumentenvertrauens gingen zwar weniger stark zurück als im Vormonat, der noch ganz im Zeichen der Terroranschläge vom 11. September gestanden hatte. So ist der Indikator des Industrievertrauens nur noch um zwei Punkte und nicht wie im Vormonat um fünf Punkte gesunken. Das Konsumentenvertrauen hat sich ebenfalls nur um zwei Punkte und nicht um drei Punkte wie noch im Oktober verringert. Es wäre jedoch gewagt, allein daraus schon Anzeichen für eine Besserungstendenz in naher Zukunft herauslesen zu wollen. Der abermalige Rückgang zeigt im Gegenteil deutlich an, dass es sich bei dem Einbruch vom Oktober eben nicht um eine rein psychologische Schockreaktion gehandelt hat.

Mehr Hoffnung gibt da schon, dass die Stimmungsverschlechterung im November keineswegs einheitlich stark in allen Volkswirtschaften der Euro-Zone ausfiel. Stellenweise hat sie sich sogar wieder leicht gebessert, beispielsweise in Österreich. Das gilt teilweise auch für Italien und Portugal, wo zumindest das Industrievertrauen wieder zugenommen hat.

Trübe Stimmung in Deutschland

Die insgesamt trübe Stimmungslage im Euro-Raum wird dagegen sehr stark von Deutschland geprägt. Hier verschlechterte sich das Industrievertrauen im November um weitere vier Punkte und damit ebenso stark wie im Oktober. Außerdem scheint bei den deutschen Konsumenten der Schock mit einem Vertrauensrückgang von fünf Punkten im November erst richtig angekommen zu sein.

Auch zum Rückgang der Industrieproduktion im September um saisonbereinigt 0,5 % in der Euro- Zone trug Deutschland mit-1,9 % maßgeblich bei. Mit Ausnahme von Spanien (- 2,4%) war dies der schwächste Wert aller Mitgliedsländer, von denen einige - so die Niederlande und Portugal - zuletzt sogar positive Zuwachsraten aufweisen konnten. Zwar unterliegen die monatlichen Ergebnisse in diesem Bereich starken Schwankungen und waren beispielsweise im August sehr positiv ausgefallen. Gleichwohl ist der Trend der Industrieproduktion im Euro-Raum, der in den Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator eingeht, seit einem guten Jahr eindeutig negativ. Das hat sich in den letzten Monaten sogar noch verstärkt.

Die Geldmenge M2 hat im Oktober nach vorläufigen Berechnungen um 5,3 % und damit fast ebenso viel wie im September über ihrem entsprechenden Vorjahresstand gelegen. Anders als die Geldmenge M3 ist M2 von der Herausrechnung marktfähiger Finanzinstrumente in den Händen Gebietsfremder, welche die Europäische Zentralbank neuerdings vornimmt, nicht betroffen. Aber auch die Zuwachsrate von M3 lag zuletzt trotz der neuen Berechnungsweise mit 7,3 % weit über dem Zielpfad von 4,5 % und auch nochmals höher als im Vormonat (7,0 %).

Von der monetären Seite her kann also von Restriktionen für das realwirtschaftliche Wachstum derzeit keine Rede sein. Auch wenn die Inflationsrate im Euro-Raum im Oktober weiter von 2,5 % auf 2,4 % zurückgegangen ist, dürfte die EZB gut daran getan haben, in der vergangenen Woche die Geldschleusen nicht nochmals mit einem weiteren Zinsschritt nach unten zu öffnen.

Weichen sind gestellt

Von der Zinsseite her sind eigentlich die Weichen für eine Konjunkturerholung inzwischen ebenfalls gestellt. Im November ermäßigte sich der Dreimonatszins Euribor nochmals stark von 3,60 % auf 3,39 %. Auch der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen, für den noch keine amtlichen Durchschnittswerte für November vorliegen, ist abermals zurückgegangen. Die in den Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator eingehende Zinsdifferenz hat sich im November nochmals leicht auf (vorläufige) 1,4 Prozentpunkte erhöht und gibt damit ebenfalls ein prinzipiell positives Konjunktursignal.

Im dritten Quartal ist das reale Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone wie im zweiten Quartal minimal um 0,1% gestiegen. Gleichwohl bedeutet dies umgerechnet auf die gleitende Jahresrate, die dem Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator als Referenzgröße zu Grunde liegt, einen Rückgang des Wachstumstrends von 2,5 % auf 2,1 %. Die entsprechende Vorhersage des Handelsblatt-Indikators von 2,4 % für das dritte Quartal wurde damit noch leicht unterschritten.

Für das laufende vierte Quartal dieses Jahres und das erste Quartal 2002 sagt der Indikator einen weiteren Rückgang der gleitenden Jahresrate auf 1,5 % und dann auf 1,0 % voraus. Auch wenn dies keine punktgenauen Prognosen sein können, ist damit eine Konjunkturerholung in der Euro-Zone noch im ersten Quartal des kommenden Jahres nicht mehr zu erwarten. Selbst für eine nachhaltige Belebung des Wirtschaftswachstums bis zur Jahresmitte gibt es noch keine sicheren Anhaltspunkte. Neben der amerikanischen Konjunkturentwicklung wird für den Euro-Raum viel von der Verfassung Deutschlands abhängen, die jedoch derzeit wenig Anlass zu Optimismus gibt.

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