HB-Frühindikator - Einbruch auf breiter Front
Handelsblatt-Frühindikator sinkt auf 0,7 %

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie im August deuteten noch darauf hin, dass die konjunkturelle Talsohle erreicht sein könnte. Nach dem massiven Vertrauenseinbruch infolge des 11. September sind sie aber nur noch Geschichte. Auch um eine Erholung der Konjunktur im nächsten Jahr muss man noch bangen.

HB DÜSSELDORF. Ausschlaggebend dafür war der massive Vertrauenseinbruch in Industrie und Handel nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September. Nachdem der Frühindikator zuletzt bei 1,1% stagniert hatte und die jüngsten Konjunkturdaten sogar auf eine bevorstehende Erholung hindeuteten, ist diese Hoffnung nun vorerst zur Makulatur geworden. Das Konjunkturbarometer für Ostdeutschland hat nach seiner deutlichen Erholung im Vormonat im November ebenfalls wieder von 1,7 % auf 1,6 % nachgegeben.

Das Geschäftsklima im deutschen verarbeitenden Gewerbe hat sich laut Ifo-Konjunkturtest im September schockartig verschlechtert. Nach zuletzt uneinheitlicher Entwicklung sackte es im Westen von-13,2 Punkten im August auf-22,9 Punkte ab, in den neuen Ländern sogar noch etwas stärker von-2,7 Punkten auf-16,6 Punkte. Nicht nur die Zukunftsaussichten für die kommenden sechs Monate, sondern auch die aktuelle Geschäftslage wurde massiv ungünstiger eingeschätzt als im letzten Monat vor den Terroranschlägen.

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Dies nährt den Verdacht, dass hinter dem allseits um sich greifenden Vertrauensverlust mehr als nur rein psychologische Faktoren stecken. Nahezu alle Einzeleinschätzungen wie die Bewertung von Auftragseingängen und Auftragsbeständen fielen denn auch deutlich schlechter aus als noch im August. Auch die Kapazitätsauslastung der Industrie ist im September weiter gesunken. Im Westen verringerte sie sich gegenüber der letzten Erhebung drei Monate zuvor von 85,6 % auf saisonbereinigte 84,6 %, im Osten sank sie von 82,4 % auf 81,2 %.

Dabei ließen die jüngsten Daten der Auftragseingangsstatistik durchaus hoffen, dass die Talsohle erreicht sein könnte. Im August erholte sich die Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe um immerhin 1,2 % gegenüber dem Vormonat, bedingt durch eine kräftige Zunahme der Inlandsnachfrage. Die Exportnachfrage war freilich wie schon im Monat zuvor im August weiter rückläufig. Nach der inzwischen eingetretenen weltweiten Verunsicherung und dem Vertrauenseinbruch namentlich in den USA muss in den folgenden Monaten hier wohl mit weiteren Einbrüchen gerechnet werden.

Auch im Bauhauptgewerbe hatte es zuletzt Anzeichen einer Stabilisierung gegeben. Im August stieg die Nachfrage um gut 4 % und machte damit ein Gutteil des Einbruchs vom Juli wieder wett. Dies war allerdings in erster Linie dem Tiefbau zu verdanken, während der Hochbau und hier insbesondere der Wohnungsbau auf niedrigem Niveau verharrten. Insgesamt dürfte das dritte Quartal wieder wesentlich ungünstiger verlaufen sein als das zweite Quartal, in dem es erstmals seit langem zu einer deutlichen Belebung der Baunachfrage gekommen war.

Die Umsatzentwicklung im gesamtdeutschen Einzelhandel stellt sich nach revidierten Zahlen des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr wesentlich günstiger dar als bisher ausgewiesen. Vor allem im zweiten Quartal ist es demnach nun offensichtlich doch zu dem erhofften Schwung gekommen, der sich im Juli und August allerdings nicht weiter fortsetzte. Das große Zittern im Einzelhandel hat allerdings jetzt erst begonnen. Ein massiver Einbruch des Ifo-Geschäftsklimas im September, vor allem im Osten, lässt auf dunkle Vorahnungen der ohnehin gebeutelten Einzelhändler schließen. Zumindest die aktuelle Geschäftsentwicklung scheint allerdings im September noch nicht sehr gelitten zu haben; im Westen hat sie sich sogar gegenüber dem Vormonat leicht verbessert. Es besteht also durchaus Hoffnung, dass alles nicht so schlimm kommt wie befürchtet.

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Vielleicht der größte Aktivposten der deutschen wie auch der europäischen Konjunktur in der derzeitigen Krisenstimmung ist das stabile monetäre Umfeld. Bei weiter rückläufiger Inflationsrate ermäßigte sich nach der raschen Leitzinssenkung vom September der Dreimonatszins Euribor weiter von 4,35 % im August auf 3,98 % im Monatsdurchschnitt für September. Auch im Oktober hat diese günstige Tendenz weiter angehalten. Noch wichtiger ist, dass auch die langfristigen Zinsen auf dem Rückzug bleiben. Die Durchschnittsrendite festverzinslicher Wertpapiere sank im September von 4,8 % auf 4,7 % und ist bis Mitte Oktober gar unter 4,5 % gefallen. Die in den Handelsblatt-Frühindikator eingehende Zinsdifferenz bleibt somit auf Anstiegskurs und lässt damit mittelfristig durchaus Optimismus aufkommen.

Die unmittelbaren Folgen der terrorbedingten Schockwelle wollen freilich erst einmal verdaut sein, bevor an einen neuen Aufschwung gedacht werden kann.

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