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'HB': Neuer Siemens-Chef baut bereits um - Telekomspartenfusion begrüßtDPA-Datum: 2004-07-09 08:44:43

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die erste wichtige Entscheidung hat der designierte Siemens < SIE.ETR > -Chef Klaus Kleinfeld dem "Handelsblatt" zufolge bereits getroffen. Der gebürtige Bremer, derzeit im Konzernvorstand noch zuständig für die Telekommunikationssparten, habe den Zusammenschluss der beiden Sparten Netzwerke (ICN) und Mobilfunk (ICM) beschlossen, meldet die Zeitung (Freitagausgabe). "Das war sein Werk", verlaute aus Siemens-Kreisen.

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die erste wichtige Entscheidung hat der designierte Siemens < SIE.ETR > -Chef Klaus Kleinfeld dem "Handelsblatt" zufolge bereits getroffen. Der gebürtige Bremer, derzeit im Konzernvorstand noch zuständig für die Telekommunikationssparten, habe den Zusammenschluss der beiden Sparten Netzwerke (ICN) und Mobilfunk (ICM) beschlossen, meldet die Zeitung (Freitagausgabe). "Das war sein Werk", verlaute aus Siemens-Kreisen.

Analysten werteten die Entscheidung als größte Umstrukturierung seit der Abspaltung von Infineon < IFX.ETR > und Epcos < EPC.ETR > . Kleinfeld wird Ende Januar 2005 Heinrich von Pierer an der Konzernspitze beerben.

An der genauen Umsetzung der Fusion werde noch gearbeitet, wird ein Siemens-Sprecher zitiert. Die Ergebnisse würden mit den Quartalszahlen am 29. Juli präsentiert. Zentrale Funktionen wie die Marketing- oder Presseabteilungen würden zusammengelegt. Auch im Vertrieb könnten sich Synergien ergeben. Es werde aber voraussichtlich kein neues Restrukturierungsprogramm mit einem deutlichen Personalabbau geben.

ANALYSTEN POSITIV

Analysten begrüßten die Entscheidung einhellig. "Das ist sehr sinnvoll", sagte Oppenheim-Experte Frank Rothauge dem Blatt. Die großen Telekommunikations-Kunden könnten nun aus einer Hand bedient werden. Bear-Stearns-Analyst Axel Funhoff sagte: "Das bedeutet, dass nochmals deutlich Kosten eingespart werden können." In Analystenkreisen werde mit Synergien im oberen zweistelligen Millionenbereich gerechnet. Mit dem Zusammenschluss entsteht die mit Abstand größte Siemens-Sparte mit einem Jahresumsatz von mehr als 17 Milliarden Euro, mehr als ein Fünftel des Konzernumsatzes, und rund 60.000 Beschäftigen.

Die beiden Sparten ICN und ICM haben harte Zeiten hinter sich. Wegen des Einbruchs der weltweiten Telekommunikationsmärkte rutschten die Geschäftsbereiche tief in die roten Zahlen. Der Umsatz ging in den Keller. Knapp 30.000 Mitarbeiter mussten bei ICN und ICM gehen. Die beiden Sanierer, Thomas Ganswindt (ICN) und Rudi Lamprecht (ICM), schafften 2003 die Wende. Im abgelaufenen Quartal arbeiteten sowohl ICN und ICM wieder mit Gewinn.

Sowohl Ganswindt als auch Lamprecht werden nun in den Zentralvorstand befördert und widmen sich dort strategischen Themen. Neuer Chef der fusionierten Sparte wird Lothar Pauly. Der 45-Jährige, der bisher die Tagesgeschäfte im Mobilfunk geführt hat, hat eine große Aufgabe vor sich. Denn die Zusammenführung von ICN und ICM dürfte nicht leicht sein, wie es hieß. Bisher agierten die beiden Bereiche streng getrennt und mit unterschiedlichen Kulturen. ICM war für Mobilfunknetze, Handys und Schnurlostelefone zuständig, ICN für Festnetze und Firmenkunden. Es ist nicht der erste Umbau: Bis 1998 war das Telekommunikationsgeschäft in die Bereiche Öffentliche Netze und Private Netze aufgeteilt.

SBS-AUSRICHTUNG OFFEN

Offen ist nach den Angaben dagegen weiter die Ausrichtung der IT-Beratung SBS, die wie ICN und ICM zum Kommunikationsbereich zählt. Die Idee, SBS in den Verbund der Telekomsparten einzubeziehen, wurde verworfen. Vor wenigen Tagen verließ erst SBS-Chef Paul Stodden den Konzern und wechselte zum Telefondienstleister Debitel. "Stodden sah keine Chance mehr für einen Aufstieg", sagte ein Insider der Zeitung. Der neue Chef Adrian von Hammerstein ist derzeit nach Angaben aus Konzernkreisen dabei, eine neue Strategie zu entwickeln.

Auftrieb könnte ein neuer Großauftrag aus England bringen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC gab am Vortag bekannt, dass SBS gute Chancen auf einen Outsourcing-Vertrag über rund drei Milliarden Euro hat.

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