HDE erwartet zwei Prozent Wachstum
Kleine Händler verpassen im Internet den Anschluss

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzanstieg von zwei Prozent auf rund 735 Mrd. DM. Kaum eine Rolle spielt bislang das Internetgeschäft. Dabei bereiten vor allem kleinere Geschäfte in Randlage dem HDE Sorge. Sie könnten durch die Etablierung von Internetplattformen für die Warenbeschaffung weiter unter Druck geraten.

DÜSSELDORF. Der Umsatz im Internet spielt für den deutschen Einzelhandel bislang keine große Rolle. Wie der HDE auf der Herbstkonferenz in Düsseldorf mitteilte, wird bis Jahresende mit einem Gesamtumsatz von lediglich 5 Mrd. DM im Onlinehandel gerechnet. Bis 2010 werde der Anteil aber von gegenwärtig 0,5 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes auf 5 bis 10 Prozent steigen, sagte HDE-Präsident Hermann Franzen. Dabei werde es auch zu Verschiebungen zwischen Online- und klassischem Versandhandelsgeschäften kommen.
Noch ist eine enge Anbindung der Geschäfte ans Netz für die Mehrheit der Einzelhändler Zukunftsmusik: Einer HDE-Umfrage zufolge haben erst 68 Prozent der Händler einen Internetzugang. Nach Franzens Worten verfügen sie damit bereits über die Voraussetzung für umfassende Online-Anwendungen. Allerdings nutzen laut der Umfrage die meisten Befragten das Internet in erster Linie für E-Mail, Recherche und Online-Banking.

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Ein Drittel der Unternehmen gab an, das Internet auch zur Warenbeschaffung einzusetzen.

>> Online-Verkauf und Beschaffung über das Internet

Dabei sind laut der Umfrage technikorientierte Geschäftszweige stärker im Onlinehandel vertreten und setzen stärker auf Warenbeschaffung via Internet als Branchen wie Schmuck und Textilien.

Kleine Unternehmen im B2B-Geschäft benachteiligt

Olaf Roik, Internet-Referent beim HDE, sagte Handelsblatt.com, das Internet werde bislang in sehr unterschiedlichen Ausmaßen zur Warenbeschaffung genutzt. "Wir beobachten, dass B2B derzeit besonders in Segmenten genutzt wird, in denen Hersteller und Anbieter sehr überschaubar sind, etwa in der Glas- und Keramikindustrie." Kleinere Unternehmen stehen nach seinen Worten zunehmend vor einer doppelten Herausforderung: "Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssen sie im stationären Handel Mehrwert bieten, und zwar bei immer knapperen Margen. Das Einsparpotenzial, das große Warenbeschaffungssysteme bieten, bleibt ihnen aber möglicherweise auch im Internetgeschäft verwehrt, denn viele Plattformen sind exklusive Veranstaltungen."

Noch seien die internationalen Internetplattformen wie World Wide Retail Exchange oder Global Net Exchange in der Testphase. Unklar sei, in wieweit sich komplexe Vertragsgespäche im Internet abbilden ließen, doch sei heute schon ersichtlich, dass das Internet den Konzentrationstrend im Einzelhandel beschleunigen werde.

Roik rät kleinen Unternehmen, Partnerschaften einzugehen und ihre Lokalkompetenz auszuspielen. Gleichzweitig warnt er aber auch vor neuer Konkurrenz: "Auch der kleine Händler braucht mehr als ein einfaches Verkaufssystem, sonst übernimmt der Partner das Geschäft ganz ohne Zwischeninstanz gleich mit."

Der HDE werde sich mit seinen Mitteln zukünftigt auch für offenen Zugang zu den Plattformen einsetzen, sagte Roik. Denkbar sei zudem die Übertragung des Recht des Herauskaufens auf Internetplattformen. Auf diese Weise könne garantiert werden, dass auch kleine Händler Waren zu besonders günstigen Konditionen erwerben könnten.

Im stationären Handel gehen die Kleinen unter

Insgesamt beurteilt die Spitzenorganisation des Einzelhandels die Situation positiver als in den Vorjahren. Bis einschließlich Juli seien im klassischen Einzelhandel ohne Apotheken, Kraftfahrzeug-Handel und Mineralöl 410 Mrd. DM umgesetzt worden, das entspreche einem Anstieg von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagte Franzen. Laut HDE-Konjunkturumfrage haben 49 Prozent der Betriebe ein Umsatzwachstum verbuchen können, während 40 Prozent der befragten Unternehmen rückläufige Einnahmen meldeten.

Überproportional schlecht geht es nach Angaben des HDE kleineren Betrieben mit einem Umatz von weniger als einer Mill. DM im Jahr. 442 000 Einzelhandelsbetriebe in Deutschland sind dieser Größenordnung zuzurechnen. Von ihnen beklagte ein Drittel Umsatzeinbußen von mehr als 5 Prozent, während die 83 000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Mill. DM tendenziell zulegen konnten.

Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, sagte, der Druck auf Unternehmen mit zu niedrigen Umsätzen für eine gesicherte Existenz werde nicht nachlassen. Er rechne aber damit, dass zwei Drittel der Fachhändler den Konsolidierungsprozess überstünden.

Kritik übte der HDE am heute verabschiedeten Gesetzentwurf zur Teilzeitarbeit. Franzen sagte, der Einzelhandel werde "im Mark getroffen", wenn der Angestellte gegen den Willen des Arbeitgebers Umfang und Zeitpunkt seiner Arbeit selbst bestimmen könne.

Als positives Signal wertet der HDE hingegen die Entscheidung des Bundeskartellamtes, Dumpingpreise im Lebensmittel-Einzelhandel zu untersagen. Nach Franzens Worten lässt die Konjunkturumfrage den Rückschluss zu, das in einigen Branchen Mehrumsätze allein durch Preissenkungen erkauft worden sind, da in Branchen wie dem Lebensmitteleinzelhandel, Unterhaltunsgelektronik und im PC-Handel auffallend häufig neben Umsatzsteigerungen deutliche Ertagseinbußen zu registrieren waren. Franzen sagte, die Preiskämpfe hätten die Preisführer gut verkraften können, da bei ihnen ein Mehrumsatz den Preisverfall gestoppt habe. "Opfer sind vielmehr die Betriebe geworden, die erst spät oder gar nicht mitziehen konnten."

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