HDE: "Nur psychologischer Effekt"
Verbände verwahren sich gegen Eichel-Kritik

Die Spitzenverbände des Handels und des Hotel- und Gaststättengewerbes haben sich gegen Kritik von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) an angeblichen Preiserhöhungen im Zuge der Euro-Einführung verwahrt.

Reuters BERLIN. "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen auf die werfen, die sich jeden Tag im Wettbewerb behaupten müssen", sagte Marc Schnerr, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), am Montag. Die Bundesregierung selbst habe sich mit vielen Maßnahmen, wie der Ökosteuer sowie der Erhöhung von Tabak- und Versicherungssteuer als Preistreiber betätigt. Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sagte, allenfalls "wenige Schwarze Schafe" im Handel hätten entgegen vorheriger Verabredung bei der Euro-Einführung die Preise erhöht. Das Gefühl vieler Verbraucher, dass mit der Euro-Einführung die Preise erhöht wurden, sei ein "psychologisches Phänomen", das nicht statistisch nachvollziehbaren Tatsachen entspreche.

Eichel hatte nach Angaben seines Ministeriums beklagt, dass sich nicht alle Unternehmen im Handel und in der Gastronomie an die freiwillige Selbstverpflichtung gehalten hätten, die Preise in Verbindung mit der Einführung des Euro nicht zu erhöhen. Eichel hatten von einer "gefühlten Inflation" gesprochen, die beim Verbraucher zur Verärgerung und zur Kaufzurückhaltung geführt habe.

Dazu sagte der DEHOGA-Sprecher, für das Hotel- und Gaststättengewerbe habe es im Gegensatz zum Einzelhandel eine solche Selbstverpflichtung gar nicht gegeben. Dennoch sei der Vorwurf von verbreiteten Euro-Preissteigerung in der Branche falsch. "Ich kann ganz eindeutig sagen, dass eine Euro- Abzockerei im Hotel- und Gaststättengewerbe nicht stattgefunden hat." Dies werde auch dadurch belegt, dass die Preise in der Branche im ersten Quartal nur um 3,7 % gestiegen seien, erheblich weniger als in anderen Bereichen. Dass im übrigen Preise bei Kostensteigerungen erhöht würden, sei in einer Wettbewerbswirtschaft nichts besonderes.

Auch HDE-Sprecher Pellengahr wies den Vorwurf der Euro- Preissteigerungen zurück. Zur Selbstverpflichtung des Handels, auf Preiserhöhungen in Zusammenhang mit der Euro-Einführung zu verzichten, sagte er: "Alle Unternehmen - bis auf ganz wenige Schwarze Schafe - haben sich daran gehalten." Die eingegangene Selbstverpflichtung habe aber nicht beinhaltet, dass es überhaupt keine Preiserhöhungen geben dürfe. So seien die Anfang des Jahres in Kraft getretene weitere Ökosteuer-Stufe und die Erhöhungen der Tabak- und Versicherungssteuer Gründe für Preiserhöhungen gewesen.

Daneben belege die weitere Verschlechterung der Gewinnmargen in großen Teilen des Handels und schlechtere Umsatzzahlen, dass der Handel die Euro-Einführung nicht zu Preiserhöhungen genutzt habe. Dass viele Verbraucher meinten, die Preise seien seit der Euro-Einführung stark gestiegen, sei "ein Gefühl", das sich mit den Fakten nicht decke. Die Vielzahl von Preisnachlässen im Handel im Gefolge des Euros seien im Gegensatz zu den Preiserhöhungen dem Verbraucher nicht im Bewusstsein geblieben. Beim Verbrauche fehle zumeist noch ein "Preisgefühl" gegenüber dem Euro.

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