Hebelprodukte auf Edelmetalle werden bei den Anlegern immer beliebter
Noch fehlt dem goldenen Schein der strahlende Glanz

Die Aktien-Baisse brachte es an den Tag: Wer bei der Geldanlage diversifiziert und nicht alle Eier in einen Korb legt, handelt weise. Wer z.B. auf Edelmetalle gesetzt hat, konnte Depot-Verluste begrenzen. Die Banken haben die Lücke in der Angebotspalette von Edelmetall-Produkten inzwischen geschlossen.

Bereits seit Mitte der 90er-Jahre sind Optionsscheine auf Gold und Silber ein fester Bestandteil des Angebots an börsengehandelten Derivaten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Anleger nur die Möglichkeit, in physisches Gold zu investieren; einige Banken boten daneben auch Goldsparpläne an. Bis 1994 unterlag der Kauf von physischem Gold der Mehrwertsteuer. Dies und die zwischen 1980 und 1995 tendenziell beständig fallenden Notierungen für Gold waren sicher die Hauptgründe, warum das Metall nach und nach aus dem Blickwinkel der Anleger verschwand.

In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre war es dann vor allem die Hausse auf den Aktienmärkten, die beim Gold für ein Andauern des Aschenputteldaseins sorgten. Die früher oft zitierte Regel, 5 oder auch 10 % eines Portfolios in Gold anzulegen, geriet dabei zusehends in den Hintergrund. All dies führte dazu, dass die Nachfrage durch Investoren international, besonders aber auch in Deutschland, auf niedrigem Niveau verharrte und sich selbst die Marketingorganisation der Goldproduzenten, das World Gold Council, vornehmlich auf die Stärkung des Goldabsatzes im Schmuckbereich konzentrierte.

Die Zentralbanken bildeten in dieser Zeit nach dem Ende der offiziellen Rolle des Goldes eher eine Bedrohung für den Markt denn eine Stütze. Maßgebliche Verkäufe europäischer Notenbanken vor allem in den Jahren 1990 - 1995 sorgten dafür, dass sich die Stimmung weiter verdüsterte. Am Ende dieser Periode legten Anleger in Deutschland, wenn überhaupt, nur indirekt Mittel in Gold an, nämlich, indem sie Aktien von Goldminengesellschaften kauften. Allerdings barg und birgt diese Strategie eine Reihe von Risiken. Der Investor macht sich u.a. abhängig von der Liquidität der einzelnen Aktie, der Qualität des Managements, Wechselkursrisiken, der Haltung der Minengesellschaft bezüglich Terminabsicherungsgeschäften sowie von politischen und gesellschaftlichen Problemen in den Förderländern.

Eine einschneidende Veränderung dieses insgesamt düsteren Bildes ist erst seit dem Jahr 1999 spürbar. Nachdem der Goldpreis in der Mitte jenes Jahres mit 251,00 $ je Feinunze seinen Tiefststand erreicht hatte, handelten die Zentralbanken als eine maßgebliche Gruppe von Beteiligten. Fünfzehn von ihnen schlossen das Goldabkommen von Washington. In ihm wurde für eine Fünfjahresperiode das weitere Vorgehen der beteiligten europäischen Notenbanken streng reglementiert. So wurden die Verkäufe auf 400 Tonnen pro Jahr limitiert, der Umfang der Goldleihegeschäfte auf dem damaligen Stand eingefroren und die Verwendung von derivativen Produkten untersagt.

Der Goldmarkt reagiert umgehend positiv und konnte, wenn auch unter erheblichen Schwankungen seitdem fast 30 % zulegen. Durch das Abkommen wurden eine Reihe von Zentralbanken in die Lage versetzt, größere Mengen an Gold marktschonend zu platzieren, so hat die Bank of England ihr Programm zum Verkauf von rund 400 Tonnen Gold bereits abgeschlossen. Die Schweizerische Nationalbank befindet sich mitten im Verkaufsprozess von immerhin 1 300 Tonnen, der bis zum Auslaufen des Abkommens, an dessen Neuauflage im Jahr 2004 kaum zu zweifeln ist, abgeschlossen sein wird.

Auf dieser Grundlage und nicht zuletzt auch durch die insgesamt unsicherer gewordene geopolitische Lage und das deutlich verschlechterte wirtschaftliche Umfeld mit seinen Folgen für die Aktienmärkte rückt das Gold insbesondere in diesem Jahr wieder verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses. Wie stark dies auch in Deutschland der Fall ist, spiegelt sich durch die regelmäßig von den allgemein anerkannten Analysten von Gold Fields Mineral Services veröffentlichten Zahlen vermutlich nur unzureichend wieder. Während man dort und beim World Gold Council von immerhin 20 Tonnen Nettoinvestment durch Anleger in Deutschland ausgeht, liegt die Wahrheit mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viel näher an der 50-Tonnen-Marke. Das heißt, dass in diesem Jahr fast 500 Mill. Euro bereits in Gold geflossen sind.

Was die Anlagemöglichkeiten angeht, haben private Investoren heute eine sehr viel breitere Auswahl als noch vor einigen Jahren. Populärstes Instrument sind derzeit Goldzertifikate. Sie sind in den letzten zwei Jahren von einer Reihe von Banken emittiert worden und bilden den Verlauf des Goldpreises genau ab. Vorteil sind die vergleichsweise engen Spannen zwischen Geld- und Briefkursen. In der Regel lautet ein Zertifikat auf 1/10 Unze, in jüngster Zeit werden vornehmlich Open-End-Zertifikate herausgegeben. Der große Vorteil der Zertifikate ist die einfache Handhabung. Da sie börsengehandelt sind (z.B. in Stuttgart, Frankfurt und Berlin), sind laufend Preise verfügbar, außerdem können sie auch online ge- und verkauft werden.

Neben den Goldzertifikaten sind auch solche erhältlich, die die Entwicklung des Silberpreises abbilden. Dresdner Kleinwort Wasserstein bietet darüber hinaus als einzige Bank auch ein Zertifikat auf Platin an. Diesem Metall, dass in zahlreichen Industrieanwendungen unverzichtbar ist, werden, wenn die Produktion in den nächsten Jahren nicht deutlich erhöht wird, überdurchschnittliche Wachstumschancen zugesprochen. Anleger, die eher auf eine kurzfristige und vergleichsweise heftige Bewegung des Goldmarktes spekulieren, setzen statt auf Zertifikate eher auf Goldoptionsscheine (Warrants). Eine ganze Reihe von Emittenten bieten sowohl Kauf- (Calls), als auch Verkaufsoptionsscheine (Puts) an. Warrants sind ebenfalls börsennotiert, sie zeichnen sich durch einen besonders großen Hebel aus. Auf der anderen Seite bergen sie das Risikos des Verlustes der gezahlten Prämie, wenn die erwartete Preisbewegung gar nicht oder zu spät eintritt.

Anders als Zertifikate, bei denen der Anleger ausschließlich von steigenden Preisen profitieren kann, ermöglicht der Kauf von Put-Warrants, auch an fallenden Notierungen des Goldpreises zu partizipieren. Sie eignen sich deshalb nicht nur als spekulatives Mittel, sondern auch zur Absicherung von Preisrisiken bei vorhandenen Edelmetallbeständen, egal, ob diese physischer oder finanzieller Natur sind. Neben den Gold-Warrants, die sich auf den Gold/USD-Kurs beziehen, gibt es von Dresdner Kleinwort Wasserstein auch Warrants, die auf Gold gegen Euro lauten. Das Angebot in diesem Bereich wird abgerundet durch Silberoptionsscheine, die, weil sie nicht der Mehrwertsteuer unterliegen, gegenüber dem physischen Kauf einen entscheidenden Vorteil haben.

Wolfgang Wzresniok-Roßbach ist Leiter des Edelmetall- und Rohstoffhandels bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt.

Quelle: Handelsblatt

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