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Heck- oder Frontantrieb bei Kompaktwagen

München/Klettwitz (dpa/gms) - Kompakte Autos haben Frontantrieb. Wenn der BMW 1er antritt wird das allerdings anders: Dann soll auch der Heckantrieb für die gewünschte Abgrenzung zur Konkurrenz sorgen. Aber die Antriebssysteme sind nicht mehr so unterschiedlich.

München/Klettwitz (dpa/gms) - Kompakte Autos haben Frontantrieb. Wenn der BMW 1er antritt wird das allerdings anders: Dann soll auch der Heckantrieb für die gewünschte Abgrenzung zur Konkurrenz sorgen. Aber die Antriebssysteme sind nicht mehr so unterschiedlich.

«Grundsätzlich ist es dem Kunden heute schnuppe, ob ein Auto Front- oder Heckantrieb hat», meint der Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom Prognoseinstitut B&D Forecast in Leverkusen.

Dem schließt sich BMW-Sprecher Wieland Bruch in München an: «In der Tat ist es dem Kunden nicht wichtig, ob der Wagen Front- oder Heckantrieb hat.» Stattdessen komme es auf Werte wie ein sportliches und agiles Fahrverhalten an. «Der Heckantrieb ist für BMW typisch und soll unsere Nische in der Kompaktklasse sein.»

Prinzipiell bestehen zwischen den Antrieben diverse Unterschiede: «Ein Vorteil des Frontantriebs ist seine kompaktere Bauweise, was gerade in kleinen Fahrzeugen wichtig ist», sagt ADAC-Techniker Helmut Klein in München. So ist es beim Frontantrieb einfacher, den Motor vorne quer unter der Motorhaube zu verstauen, was mehr Raum für die Passagiere zulässt als ein längs eingebauter Motor. Für den Heckantrieb werden zusätzliche Bauteile benötigt. Der Aufwand macht den Heckantrieb laut Klein grundsätzlich auch teurer.

Doch Unterschiede machen sich nicht nur bei der Konstruktion bemerkbar. «Beim Heckantrieb kann man das beste Verhältnis zwischen Vorder- und Hinterachslast erreichen», erläutert Norbert Müller, Sachverständiger der Dekra in Klettwitz (Brandenburg). Gemeint ist, dass Front und Heck einen möglichst gleich hohen Anteil am Gesamtgewicht des Wagens tragen. «Dies ist wichtig, um ein möglichst neutrales Fahrverhalten zu erreichen.»

Ursprünglich galt, dass ein Auto mit Frontantrieb eher «untersteuernd» ist und eines mit Heckantrieb eher «übersteuert»: Bei schneller Kurvenfahrt im Grenzbereich drängt ein «untersteuerndes» Fahrzeug mit der Vorderachse zum äußeren Rand der Kurve, beim «Übersteuern» drängt das Heck nach außen. So pauschal gilt das aber heute nicht mehr. «Ein aktueller 3er BMW mit Heckantrieb verhält sich beispielsweise neutral bis leicht untersteuernd», sagt Klein. Außerdem bietet die Elektronik den Technikern zusätzliche Möglichkeiten, das Fahrverhalten anzupassen.

Ein weiterer Unterschied lässt sich zwar mit technischer Hilfe kaschieren, aber wohl kaum völlig unterbinden: Wenn die Vorderräder angetrieben sind, hat dies mehr oder minder starken Einfluss auf die Lenkung. «Der Heckantrieb ist frei davon», so Klein. Die Vorderräder werden hier nur von der Lenkung beeinflusst, nicht vom Antrieb.

Es gibt noch viele weitere Dinge, die Front- und Heckantrieb unterscheiden - vom Verhalten auf glatter Straße bis zum Anfahren am Berg. Tatsächlich sind sie aber in Zeiten elektronischer Eingriffe wohl auch nach Ansicht von BMW kein entscheidender Kaufgrund mehr. «Wer mit rationalen Erwägungen an den Autokauf geht und nur ein Auto sucht, um von A nach B zu kommen, wird sich vermutlich nicht für den 1er entscheiden», so Bruch. Daher will man mit dem 1er nicht nur das Prinzip Heckantrieb hochhalten. «Dem Käufer muss schon an sportlichen Eigenschaften und Emotionen gelegen sein.»

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