Heckenschütze auch für jüngsten Anschlag verantwortlich
Washingtoner Polizei vernimmt zwei Männer

Knapp drei Wochen nach dem ersten Mord des unheimlichen Heckenschützen hat die Polizei im Großraum Washington zwei Männer gefasst. Sie würden nun "im Zusammenhang mit dem Fall" vernommen, sagte ein Polizeisprecher am Montagmittag (Ortszeit) im Bundesstaat Virginia, wo sich der letzte Anschlag ereignet hatte. Unklar blieb, ob die Männer etwas mit dem Fall zu tun hatten. Zugleich gab es Berichte über eine Lösegeldforderung.

HB/dpa WAHINGTON. Der Polizeisprecher bestätigte zugleich, dass der Heckenschütze, der im Großraum Washington neun Menschen getötet hat, auch für den jüngsten Anschlag am vergangenen Samstag verantwortlich ist. Das hätten ballistische Vergleiche der Kugeln ergeben. Damit hätte er zwölf Anschläge verübt und dabei neun Menschen getötet.

Am Montag hatten sich die Ereignisse überstürzt. Nach einem Telefonkontakt nahm die Polizei zwei Männer fest. Nach Zeugenaussagen fuhr einer der Festgenommenen mit einem weißen Lieferwagen zu einer Telefonzelle und wurde dort von Beamten überwältigt und zu Boden gerissen. Eine zweite Person wurde nach Medienberichten an anderer Stelle in Richmond festgenommen.

Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN hatte die Polizei nach dem jüngsten Mord vor einem Restaurant in Virginia einen Anruf erhalten, in dem ein unbekannter Anrufer mit einem ausländischen Akzent schilderte, wo am Tatort ein Brief liegen würde. Darin wurde nach Medienberichten ein Geldforderung gestellt. Die Polizei konnte diesen Angaben zufolge den Anruf auf eine bestimmte Region zurückverfolgen und überwachte dann die Telefonzellen in dieser Region. So sei der eine Mann gefasst worden.

Bis zu 30 Polizeifahrzeuge hatten nach Zeugenaussagen die Tankstelle rund 25 Kilometer südlich vom Tatort des jüngsten Anschlags entfernt abgeriegelt, wo sich die offene Telefonzelle befand. Der Festgenommene sei in einem weißen Lieferwagen des Modells Plymouth Voyager mit einem provisorischen Nummernschild vorgefahren. Nach Angaben eines Polizeisprechers stieg der Mann nicht aus, sondern griff durch das Autofenster zum Hörer. Das Fahrzeug sei dem Lieferwagen, das der Heckenschütze gefahren haben soll, so ähnlich gewesen, dass die Behörden zugegriffen hätten.

Fahndungsleiter Charles Moose hatte am Montag mitgeteilt, dass eine neue Botschaft eingegangen sei und eine Antwort vorbereitet werde. Die Polizei hatte den Täter nach dem letzten Anschlag aufgefordert, eine bestimmte Telefonnummer anzurufen, die er in einer Nachricht am Tatort genannt hatte.

Der Scharfschütze hatte bereits am 7. Oktober nach dem Anschlag auf einen 13 Jahre alten Schüler eine Tarot-Karte mit dem Bild des Todes und der Aufschrift "Dear Policeman, I am God" (Lieber Polizist, ich bin Gott) hinterlassen. Die Zeitung "Richmond Times-Dispatch" berichtete am Montag, dass mehr als diese eine Tarot-Karte an Schauplätzen der Verbrechen gefunden worden seien.

Auf Grund eines Phantombildes, das der französische Fernsehsender M6 vor zwei Wochen zeigte, wollen frühere Kameraden einen 25 Jahren Deserteur der französischen Armee als möglichen Heckenschützen erkannt haben. Frankreich habe die USA über das Verschwinden des Mannes informiert, teilte die Polizei mit. Zur Zeit werde er über die internationale Fahndungsbehörde Interpol gesucht.

Die jüngste Bluttat hatte sich am Samstag gegen 20 Uhr vor einem Steakrestaurant in Ashland rund 140 Kilometer südlich von Washington ereignet. Das Opfer hatte zusammen mit seiner Frau das Restaurant verlassen und war zu seinem parkenden Wagen gegangen. Der Schuss wurde von einem kleinen Wald hinter dem Restaurant abgefeuert. Dort soll später der Brief gefunden worden sein.

Nach zwei Operationen in einem Krankenhaus der Staatshauptstadt Richmond war sein Zustand am Montag nach Auskunft der Ärzte relativ stabil. "Er hatte eine gute Nacht", sagte sein Chirurg am Montag. Am Sonntag holten die Ärzte bei einem zweiten Eingriff die Kugel aus seinem Körper. Sie gilt als wichtiges Beweisstück.

Weil sich der "Sniper" mehrere Tage lang nicht gerührt und bisher auch nie an einem Wochenende zugeschlagen hatte, war zaghaft die Hoffnung auf ein Ende der Serie von Bluttaten gekeimt. Der Schuss von Ashland gilt als Signal, dass der Heckenschütze nicht aufhören will, obwohl sich inzwischen auch das Militär mit modernsten Aufklärungsflugzeugen an der Jagd nach ihm beteiligt.

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