Hedge-Fonds-Manager und Aktienfonds-Manager im Handelsblatt-Streitgespräch
Fonds: Eiszeit trifft Frühlingserwachen

Pessimismus kontra Optimismus: In einem Streitgespräch spricht Hedge-Funds-Chef Christian Baha von einer jahrelangen Baisse - Aktienfonds-Manager Harald Sporleder hofft auf eine Erholung. Baha will in der Baisse kräftig Rendite machen: 1 000 Prozent in zehn Jahren - Sporleder ist vorsichtiger: Noch sind Aktien nicht billig.

FRANKFURT/M. Jahrzehntelange Eiszeit an der Börse oder Frühlingserwachen? Vom Kapitalmarkt unabhängig anlegen oder sich an einem Aktienindex orientieren? Bei einem Handelsblatt-Streitgespräch zwischen Christian Baha, Chef der Hedge-Funds-Gruppe Quadriga, und Harald Sporleder, Aktienfonds-Manager des Deutschen Investment Trust (dit), prallten Welten aufeinander.

"Ein Dow von 4 000 Punkten in drei bis sechs Monaten ist durchaus realistisch", sagt Baha. Für den Dax sieht er eine starke technische Unterstützung bei 2 000 Punkten. Dennoch seien zehn weitere Baisse-Jahre an den Märkten denkbar, sowohl in Europa als auch den USA - Japan diene als Beispiel. "Die bisherigen Bilanzskandale in den USA waren erst die Spitze des Eisbergs. Da kommt noch einiges auf uns zu", sagt der Hedge-Funds-Manager. Außerdem breche in den USA der Konsum weg, da die Bürger sehr stark in Aktien investiert seien. Quadriga setzt auf ein computergesteuertes Trendfolgesystem, das auf rund 100 Terminmärkten nach Einstiegs- und Ausstiegssignalen sucht. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Hedge-Funds Quadriga-Genussscheinfonds ein Plus von 46,3 % erreicht - und Baha erwartet "1 000 Prozent in neun bis zehn Jahren". Für diesen (erhofften) Erfolg verlangt Quadriga saftige Gebühren: Neben 4,8 Prozent Managementgebühr fällt ein Ausgabeaufschlag von drei bis sieben Prozent an, die Gewinnbeteiligung beträgt 20 Prozent, sprich von jedem Euro Rendite kassiert Quadriga nochmal 20 Cent ein. Herkömmliche Aktienfonds nehmen ein bis 1,5 Prozent Managementgebühr und einen Ausgabeaufschlag von rund fünf Prozent.

Gegen Baha ist Sporleder der reinste Optimist: "Die Weltwirtschaft steht am Anfang einer Gesundungsphase". Die USA hätten immer wieder bewiesen, dass sie einen Selbstgesundungspfad zügig beschreiten könnten. Das weltweite Finanzsystem stecke "weiter in Schwierigkeiten", doch die Unternehmen seien dabei, ihre Verschuldungsprobleme zu lösen. "Aktien sind noch nicht günstig, aber auf dem Weg dahin. Vielleicht sind wir schon in der Phase des Frühlingserwachens", sagt Sporleder. Konkrete Erwartungen zu Indexständen äußert er aber nicht. Bei der Aktien-Auswahl achtet er darauf, dass die Unternehmen nicht zu stark verschuldet sind, dass sie Dividende zahlen und der Cash-Flow stimmt.

Anlageform der Zukunft

Was ist die Anlageform der Zukunft? Für Baha ist die Zeit herkömmlicher Aktienfonds vorüber - die Zukunft gehöre Produkten, die unabhängig vom Kapitalmarkt anlegen. "Die Unterscheidung zwischen Hedge Funds und herkömmlichen Fonds wird sich bald auflösen", prophezeit er. Der große Nachteil traditioneller Fonds sei, dass sie sich an einem Vergleichsindex orientieren und nicht an absoluten Gewinnen. Dabei gelinge es 80 Prozent der Fondsmanager nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen.

Für Sporleder sind Hedge Funds "auch kein Allheilmittel" bei der Jagd nach Rendite. Gerade in steigenden Märkten seien sie hinter herkömmlichen Fonds her gehinkt. Die Produkte seien eine sehr spekulative Sache, dies habe der Crash des LTCM-Hedge - Funds im Jahr 1998 gezeigt. "Hedge Funds nutzen Ineffizienzen im Markt aus. Es ist schwer zu sagen, in wie fern sie miteinander verknüpft sind. Wenn aber alle dasselbe tun, könnte dies eine Blase entstehen lassen." Für Anleger sei zudem die Intransparenz des Markts gefährlich. "Bei herkömmlichen Fonds weiß der Anleger, in was er investiert hat", sagt er.

Eine gewisse Undurchsichtigkeit sei für Hedge-Fonds nötig, um erfolgreich zu sein, kontert Baha. "Ansonsten kopieren Konkurrenten die Anlagestrategie." Die niedrige Rendite von vier Prozent, die Hedge-Fonds im Schnitt im Jahr 2001 erzielt haben, erklärt er so: "Hedge-Funds-Manager zu sein ist momentan der Traumjob an der Wall Street. Viele unerfahrene Leute haben sich selbstständig gemacht und bringen die Leistung nicht." Letztlich seien Hedge-Fonds "nur etwas für Anleger, die bewusst die Risiken eingehen wollen, die eine solche Investition beinhaltet", sagt Sporleder.

Der große Boom der Produkte geht an Deutschland schon deshalb vorbei, weil Hedge-Funds hier mit Ausnahme des Quadriga-Genussscheins keine Zulassung haben. "Die in Deutschland käuflichen Hedge-Funds-Zertifikate sind ein Witz. Sie suchen sich schlechte Subfonds aus, weil sie daran am besten verdienen", sagt selbst Baha.

Quelle: Handelsblatt

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