Hedging – Das Auffangnetz gegen Kursverluste
Interesse an Absicherungsstrategien wächst

Die Aktienmärkte befinden sich seit Monaten im Abwärtstrend. Börsianer haben mit ihren Wertpapieren eine Menge Geld verloren. Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Finanzprodukten steigt, mit denen Investoren sich vor Kursstürzen schützen.

FRANKFURT/M. "Viele Anleger sind risikoscheuer geworden", sagt Wertpapierstratege Peter Knacke von der Commerzbank, "das führt zu einem verstärkten Interesse an Garantiefonds". Diese garantieren Investoren den Erhalt ihres Kapitaleinsatzes. Das Vermögen ist so gegen Kursverluste abgesichert, auf der anderen Seite partizipiert der Investor auch nicht in vollem Maße von Kurssteigerungen. Weitere Chancen, das Depot abzusichern, bieten Options- und Futuregeschäfte. Die Umsätze mit solchen derivativen Finanzprodukten an der Terminbörse Eurex legen seit Monaten kräftig zu - ganz im Gegensatz zum traditionellen Aktienhandel, der mit sinkenden Umsätzen kämpft.

Allerdings bleiben Absicherungsgeschäfte mit Eurex-Derivaten (Hedging) bislang eine Domäne der Anlageprofis. "Theoretisch haben Privatanleger beim Hedging die gleichen Möglichkeiten wie Institutionelle. Doch in der Praxis sind diese Produkte für viele Anleger zu kompliziert", sagt Knacke.

Ein dritter Weg der Absicherung für Anleger sind Stop-Loss-Orders. Sie sorgen dafür, dass die betreffenden Wertpapiere automatisch verkauft werden, sobald der Kurs die zuvor fixierte Stop-Loss-Marke unterschreitet. Kursverluste werden so beschränkt und Teilgewinne gesichert. Hier steht der Anleger vor der Entscheidung, das Limit für den Verkauf festzulegen. "Stop-Loss-Orders werden zunehmend in Anspruch genommen, vor allem dann, wenn Anleger im Urlaub sind und für einige Wochen ihr Depot nicht im Auge haben können", sagt Commerzbank-Experte Knacke.

Wer jedoch "ausgestoppt" wird (also bei Erreichen der Kursschwelle verkauft), der profitiert nicht mehr, wenn die Kurse später wieder zulegen. Die Alternative: "Wenn man sich dafür entschieden hat, sein Vermögen nach unten absichern zu wollen, aber von einem Kursanstieg profitieren möchte, bietet sich ein Put an", sagt Axel Adam-Müller, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für internationales Finanzmanagement an der Universität Konstanz.

Ein Put ist eine Verkaufsoption auf einen Basiswert, das kann eine Aktie oder ein Index sein. Damit erwirbt ein Anleger das Recht, den Basiswert zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen. Wenn der Kurs der Aktie fällt, nimmt der Wert der Option zu. Steigt dagegen der Kurs, verfällt der Put wertlos. "Bei Verkaufsoptionen ist die Laufzeit entscheidend. Je länger die Puts laufen, desto teurer sind sie. Dennoch sollte man einen Zeitraum von ein paar Monaten bis zu einem Jahr wählen, sonst ist der Effekt zu schnell weg", sagt Adam-Müller. Darüber hinaus muss ein Anleger die Frage klären, wie viele Optionsscheine er benötigt. Dabei ist ganz wichtig, wie empfindlich der Put-Preis auf Veränderungen des Basiswertes reagiert, erkennbar am so genannten Delta.

"Bei einem Portfolio, das ähnlich wie der Dax zusammengesetzt ist, bieten sich auch so genannte Index-Produkte, wie Index-Futures an", meint Uni-Experte Adam-Müller. Mit Futures können Aktiendepots sowohl gegen fallende als auch gegen steigende Kurse abgesichert werden. Eine solche Methode kommt aber nur für sehr umfangreiche Depots in Frage, da Futures nicht in kleinen Stückelungen verkauft werden. An der deutschen Terminbörse Eurex können Anleger zum Beispiel Optionen auf deutsche Standardwerte, den Neuen Markt oder US-Aktien kaufen und verkaufen. "Beim Kauf einer Option oder eines Futures muss der Kunde umfassend aufgeklärt werden. Doch diese Produkte in Gänze zu verstehen ist nicht so einfach und sie werden wohl daher nicht so stark nachgefragt", fügt Knacke hinzu. Auch Christine Helbig, Referentin beim Deutschen Aktieninstitut rät Anlegern die das Risiko scheuen lieber in Fonds zu investieren: "Derivative Produkte sind was für Profis oder sehr versierte Anleger."

Derivate-Experte Adam-Müller hat für Anleger, die sich nicht mit komplizierten Produkten auseinander setzen wollen, noch einen Rat: "Es klingt zwar trivial, aber eine sinnvolle Absicherung ist und bleibt eine gute Diversifikation. Einige Anleger haben nur drei Aktien im Depot - und die auch noch aus der selben Branche. Das ist natürlich hochgradig riskant."

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