Heereschef im Kosovo-Krieg weist Vorwürfe zurück
Mutmaßlicher Kriegsverbrecher stellt sich Tribunal

Der ehemalige jugoslawische Heereschef Dragoljub Ojdanovic hat sich am Donnerstag freiwillig dem Haager Kriegsverbrechertribunal gestellt. Der 60-jährige General wird beschuldigt, 1998 und 1999 im Kosovo Gräueltaten gegen die albanische Bevölkerung zugelassen zu haben.

WiWo/ap DEN HAAG. Er wurde nach seiner Ankunft auf dem Amsterdamer Flughafen in Gewahrsam genommen und nach Den Haag gebracht. Untergebracht wird er wie 40 andere Angeklagte auch in einem Gefängnis in Scheveningen. Sein erster Gerichtstermin wir vermutlich kommende Woche stattfinden.

Ojdanovic stellte sich als erster mutmaßlicher Kriegsverbrecher, nachdem das jugoslawische Parlament Anfang des Monats die Auslieferung Verdächtiger und die Zusammenarbeit mit dem Tribunal beschloss. Neben ihm haben fünf weitere Gesuchte angekündigt, sich lieber selbst stellen zu wollen als von Jugoslawien festgenommen und ausgeliefert zu werden. 18 weitere Verdächtige können nun nach Angaben des Belgrader Justizministeriums verhaftet werden. Eine Frist, sich selbst zu stellen, lief am Dienstag aus. Am Mittwoch sei eine Liste der Gesuchten - darunter die bosnisch-serbischen Führer Radovan Karadzic und Ratko Mladic - einem Belgrader Gericht zur Ausfertigung der Haftbefehle zugeleitet worden.

Vor seinem Abflug vom Belgrader Flughafen erklärte Ojdanovic, er fühle sich "wie jeder andere Held" des serbischen Volkes. Er hat bestritten, dass seine Truppen Gräueltaten bei der Vertreibung von Kosovo-Albanern begangen hätten. Die ihm vorgeworfenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat er als unbegründet zurückgewiesen.

1998 und 1999 wurden 800 000 Kosovo-Albaner in einer brutalen Militäraktion in der jugoslawischen Provinz vertrieben und tausende getötet. Der Feldzug wurde vom damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic angeordnet, der sich bereits vor dem Tribunal verantworten muss.

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