Heftige Attacke gegen ARD und ZDF
"Öffentlich-rechtliche Sender ignorieren die Hockey-Mannschaft"

Ignoranz gegenüber den deutschen Hockey-Herren hat der Präsident des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), Christoph Wüterich, den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern vorgeworfen. Durch diese Ignoranz würde die Unterstützung durch Sponsoren fehlen.

HB BARCELONA. Weltmeister sind sie schon, Europameister wollen sie bleiben und den Olympiasieg haben sie für 2004 im Visier: Die deutschen Hockey-Herren eilen von Erfolg zu Erfolg, doch in Folge der Ignoranz der öffentlich-rechtlichen Sender und der dadurch fehlenden Unterstützung durch Sponsoren sieht Christoph Wüterich die Zukunft der erfolgreichsten olympischen Spielsportart in Deutschland stark in Gefahr. "Wenn ich mit den Top-Nationen mithalten will, brauche ich mehr TV-Präsenz, sonst bin ich eines Tages zweitklassig", sagte der Präsident des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) bei der EM in Barcelona und attackierte ARD/ZDF: "Sie stecken alles in Fußball und leisten einen wesentlichen Beitrag, den Sport in Deutschland zu zerstören."

Der Rechtsanwalt aus Stuttgart ist verstimmt darüber, dass ARD/ZDF beim Saison-Höhepunkt der Europameisterschaft nicht vertreten sind und nur zugespielte Sekunden-Berichte in Frühmagazinen fahren. Er vermisst Strategien und Visionen. "Der Olympia-Berichterstatter ist ein Jahr vor Athen nicht vor Ort. Die müssten sich um ihr Produkt kümmern, stattdessen sägen sie den Ast, auf dem sie sitzen, mit Inbrunst ab", klagte Wüterich. Schon im März 2002, als die DHB-Herren in Malaysia erstmals den WM-Titel nach Deutschland holten, hatte er ARD/ZDF ("Totengräber der Sportvielfalt") heftig angegriffen, da sie erst in der Endphase berichteten. Nach dem Final-Einzug der Herren gegen Spanien läuft es diesmal ähnlich: Im ZDF-Sportstudio am Samstag und bei N 3 im Regionalprogramm am Sonntag sind Berichte geplant.

Im Finale gegen Spanien

"Nur wir haben uns geändert. Wir haben Events nach Deutschland geholt, dann sind sie gerne dabei", moniert Wüterich. Der Ärger ist nachvollziehbar. Zwar schreibt der 1999 bei seiner Amtsübernahme am Rande des Ruins wandelnde DHB (damals knapp 500 000 Mark Minus) mittlerweile wieder deutlich schwarze Zahlen, doch er hat derzeit keinen Hauptsponsor und kann seine Top-Akteure nicht gebührend unterstützen. "Wir müssen dahin kommen, dass wir die Top-Leistungen der Spieler angemessen honorieren können. Um das Spitzen-Niveau zu halten, muss ich 40 Spieler versorgen können", erklärt der DHB-Chef. Immerhin sieht er sich beim Werben von Hauptsponsor-Kandidaten "auf gutem Weg" und sagt: "Wir wollen uns nicht zu billig verkaufen."

Ihren Beitrag wollen wieder die Spieler leisten. Im Finale gegen Gastgeber Spanien will das Team von Bundestrainer Bernhard Peters den vierten EM-Titel in Serie und damit das Olympia-Ticket erkämpfen, das nur der Champion direkt erhält. "Das wird wahnsinnig schwer. Spanien hat tolle Individualisten, das hat man beim 5:2 über die Niederlande gesehen", urteilte Peters nach dem Überraschungs-Coup der Iberer über den Olympiasieger. Er hofft, dass Abwehr-Ass Philipp Crone, der beim 3:2 im Gruppenspiel gegen die Spanier eine Zerrung erlitt, fit wird und glaubt, dass seine Akteure nach dem 5:1 über England "über eine große Sicherheit und eine tolle Stimmung" verfügen. "Aber wir werden uns noch einmal steigern müssen, um wieder Europameister zu werden."

Das gilt erst recht für die DHB-Damen, die nach dem 1:5 gegen die Niederlande im Spiel um Platz drei auf England treffen. "Ziel muss sein, besser abzuschneiden als beim 1:5 in der Vorrunde", fordert Markus Weise. Ob der als Interimscoach tätige Lemmen-Nachfolger weiter macht, soll erst nach der EM entschieden werden. Fest steht, dass den Damen bei der Olympia-Qualifikation in Auckland/Neuseeland im März 2004 ein harter Kampf bevorsteht: 5 von 10 Teams scheitern.

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