Heftige Gefechte an der Grenze Kaschmirs
Indien schließt Dialog mit Pakistan aus

Indien hat am Montag einen Dialog mit Pakistan auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Außenminister Jaswant Singh sagte am Montag in Neu-Delhi, Islamabad habe seine Haltung zum Terrorismus nicht geändert.

ap NEU DELHI/ISLAMABAD. In Kaschmir verstärkten sich die Gefechte zwischen den Grenztruppen beider Seiten. Nach seinem Indienbesuch traf der britische Premierminister Tony Blair in Pakistan zu Gesprächen mit dem Militärmachthaber Pervez Musharraf ein.

Singh sagte nach einer Kabinettssitzung vor Journalisten, solange Pakistan seine Einstellung zum Terrorismus nicht ändere, könne es keinen Dialog geben. Der Militärregierung in Islamabad warf Singh vor, auf Druck des Westens hin die Unterstützung des Terrorismus in Afghanistan beendet zu haben, diesen in Indien aber weiter zu fördern.

In Kaschmir kam es am Montag zu heftigen Gefechten entlang der Grenze. An der Demarkationslinie beschossen sich beide Seiten mit schwerer Artillerie, wie ein indischer Militärsprecher mitteilte. Bei einem Gefecht in der Nähe der Grenze wurden auf indischer Seite nach Polizeiangaben acht mutmaßliche islamische Extremisten getötet. Vermutlich Rebellen töteten bei Überfällen im Bezirk Rajoubi zwei Schafhirten und in Ludu einen Mann, dessen Ehefrau sowie einen Verwandten.

Blair traf zu Gesprächen in Islamabad ein. Angesichts der Spannungen in der Region wollte er bei einem Treffen mit Musharraf die Militärführung erneut auffordern, alle Formen des Terrorismus ausdrücklich zu verurteilen. In einer Rede auf dem Südasien-Gipfel in Nepal hatte Musharraf am Wochenende erklärt, es müsse unterschieden werden zwischen "legitimem Widerstand und Freiheitskampf auf der einen Seite und Akten des Terrorismus auf der anderen". Im indische Teil Kaschmirs kämpfen islamische Extremisten für einen eigenen Staat oder den Anschluss an Pakistan. Islamabad bezeichnet die Rebellen als Freiheitskämpfer, Indien spricht dagegen von Terroristen. Indien macht dem pakistanischen Geheimdienst ISI und in Pakistan ansässige militante Organisationen auch für die Anschläge auf das indische Parlament Mitte Dezember verantwortlich.

Nach seinen Gesprächen mit dem indischen Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee telefonierte Blair am Sonntagabend mit US-Präsident George W. Bush. Nach Angaben eines Sprechers Blairs bekräftigten beide ihren Wunsch nach einem Dialog zwischen Indien und Pakistan.

USA und Indien vereinbaren offenbar Informationsaustausch

(Neu-Delhi) Indien und die USA wollen offenbar künftig bei der Terrorismus-Bekämpfung enger zusammenarbeiten und militärische Geheimdienstinformationen austauschen. Wie am Montag in Neu-Delhi aus Regierungskreisen verlautete, wurde eine entsprechende Übereinkunft vergangenen Monat beim Besuch des amerikanischen Verteidigungs-Staatssekretärs Douglas Feith in Indien erzielt. Die Zeitung «Hindustan Times» berichtete, das Abkommen solle beim bevorstehenden Besuch des indischen Verteidigungsministers George Fernandes in Washington unterzeichnet werden.

Der Zeitung zufolge fällt unter das Abkommen zum Informationsaustausch auch eine Datenbank Indiens über Pakistan und China. Es wäre die erste Vereinbarung zwischen Indien und den USA bezüglich des Austauschs geheimer Informationen. Indien unterhielt während des Kalten Krieges enge Beziehungen zur Sowjetunion, bemüht sich aber seit deren Zusammenbruch um ein verbessertes Verhältnis zu den USA.

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