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Heftige Kämpfe in Nadschaf

In der irakischen Pilgerstadt Nadschaf haben irakische und amerikanische Soldaten am Donnerstagabend nach Meldungen des arabischen Nachrichtensender El Dschasira zum Sturm auf die „Mahdi-Armee“ angesetzt.

dpa BAGDAD/KAIRO. In der irakischen Pilgerstadt Nadschaf haben irakische und amerikanische Soldaten am Donnerstagabend nach Meldungen des arabischen Nachrichtensender El Dschasira zum Sturm auf die "Mahdi-Armee" angesetzt.

Der Sender berichtete von Einschlägen rund um die Imam-Ali-Moschee, in der sich die Milizionäre des radikalen Schiitenpredigers Muktada el Sadr verschanzt haben. In der Hauptstadt Bagdad schlug nach Informationen des Senders am Abend eine Mörser- Granate auf dem Gelände der amerikanischen Botschaft ein. Dabei seien zwei Menschen getötet worden.

Die irakische Regierung hatte den radikalen Schiitenführer zuvor noch einmal ultimativ aufgefordert, seinen bewaffneten Widerstand in Nadschaf aufzugeben. Die Regierung verlangte, El Sadr müsse innerhalb der nächsten Stunden persönlich die Auflösung seiner Miliz in allen irakischen Städten und deren Abzug von den heiligen Stätten in Nadschaf bekannt geben. Außerdem solle er versprechen, künftig auf Gewalt zu verzichten. Andernfalls werde die irakische Armee die Milizionäre mit militärischer Gewalt aus dem heiligen Bezirk von Nadschaf vertreiben. El Sadrs Sprecher Ahmed el Schibani sagte dem arabischen Nachrichtensender El Dschasira, der Prediger habe die Bedingungen der Regierung abgelehnt.

Eine Mitarbeiterin von CNN berichtete aus der Imam-Ali-Moschee, die den Schiiten heilig ist, dort hielten sich viele Kämpfer El Sadrs, aber auch Frauen und Kinder auf. Die Umgebung der Moschee biete ein Bild der Zerstörung. Auch zwei Minarette der Moschee seien leicht beschädigt. Ein dpa-Mitarbeiter sah, wie auf Hausdächern rund um die Moschee Kämpfer der "Mahdi-Armee" in Stellung gingen.

Ziel der Regierung sei es, die Moschee zu befreien und "allen eine Lektion zu erteilen, die außerhalb des Gesetzes stehen, damit sie auf den rechten Weg zurückkehren", sagte Staatsminister Kasim Dawud in Nadschaf.

Augenzeugen beobachteten auch in der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City am Donnerstag wieder Kämpfe zwischen den Milizionären und US-Soldaten. Am Mittwochabend waren in Sadr-City nach irakischen Behördenangaben rund 20 Angehörige von El Sadrs "Mahdi-Armee" getötet worden. Nach Auskunft der US-Armee kam bei den Gefechten auch ein amerikanischer Soldat ums Leben.

Unterdessen wiesen die Organisatoren der Nationalkonferenz in Bagdad Kritik an der Zusammensetzung des neuen Übergangsparlaments zurück. "Bei der Auswahl gab es keine Tricksereien und nichts lief hinter verschlossenen Türen ab", sagte der Präsident des Organisationskomitees, Fuad Masum. Auf der Kandidatenliste der "Nationalen Einheit", die die Mehrheit der Delegierten nach viertägiger hitziger Diskussion verabschiedet habe, seien alle ethnischen und religiösen Gruppen des Landes vertreten, religiöse sowie säkulare Kräfte.

Zahlreiche der mehr als 1000 Teilnehmer der Konferenz hatten das Abstimmungsverfahren als undemokratisch kritisiert. Im Übergangsparlament sind zahlreiche Mitglieder von Parteien vertreten, die auch der Regierung angehören. Zu den nun ausgewählten 81 Abgeordneten gehören auch mehrere Stammesführer sowie der Scherif Ali bin Hussein, der Führer der Monarchiebewegung. Automatisch ziehen außerdem 19 Angehörige des Anfang Juni aufgelösten provisorischen Regierungsrats in das Parlament ein.

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