Heftige Kämpfe
Mazedonische Regierung ordnet Waffenstillstand an

Einen Tag vor der geplanten Unterzeichnung eines Friedensvertrags hat die mazedonische Regierung am Sonntagnachmittag einen Waffenstillstand angeordnet. Als "Zeichen des guten Willens" würden die Sicherheitskräfte ab 19.30 Uhr alle ihre Aktionen gegen die albanischen Rebellen einstellen, bestätigten Regierungsquellen in Skopje.

dpa SKOPJE. Das Wochenende über hatten sich Regierungstruppen und albanische Rebellen die heftigsten Gefechte seit Wochen geliefert. Noch am Nachmittag wurde von andauernden Kämpfen im Nordosten des Landes berichtet.

Albaner-Politiker warnten vor einer Gefährdung des geplanten Friedensvertrages. "Wir haben unser Wort gegeben und wollen morgen unterzeichnen. Aber wenn die Mazedonier neue zivile Verluste unter den Albanern verursachen, könnte sich das ändern", sagte Azit Pollozhani, einer der Führer der Partei des demokratischen Fortschritts (PDP), am Sonntag.

Vertreter der fünf führenden Religionsgemeinschaften in Mazedonien veröffentlichten einen gemeinsamen Appell, in dem sie zu einem Ende der Gewalt, zur Vernunft und zur Wahrung der Würde, des Eigentums und des Lebens aller Bewohner aufriefen.

Der mazedonische Staatsrundfunk berichtete, dass NATO - Generalsekretär George Robertson, der EU-Beauftragte für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, der amtierende OSZE-Vorsitzende Mircea Geoana sowie der belgische Außenminister Louis Michel am Montag zur Unterzeichnung in Mazedonien erwartet würden.

Bisher schwerste Offensive

Westliche Beobachter erklärten am Sonntag, die mazedonische Polizei und Armee hätten seit Samstag im Norden des Landes ihre bisher schwerste Offensive mit Panzern und Angriffen aus der Luft geführt. Die Regierung in Skopje sprach dagegen von einer Aggression von Rebellen aus dem Kosovo. Ministerpräsident Ljubco Georgievski beklagte in einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan den Einfall von 600 Mitgliedern des albanischen Kosovo-Schutzcorps.

Die Kämpfe konzentrierten sich auf die Dörfer Ljubanci und Ljubosten (15 Kilometer nördlich von Skopje) sowie auf Tetovo und Radusa nordwestlich der Hauptstadt. Aus Polizeikreisen verlautete, Rebellen seien aus dem nahen Kosovo über die Grenze gekommen und hätten mit Mörsern und automatischen Waffen angegriffen.

Das mazedonische Fernsehen berichtete, es seien etwa 1000 Rebellenkämpfer von der Kosovo-Ortschaft Krivenik aus nach Mazedonien eingedrungen. Aus dem Kosovo sei nach Mazedonien hinein gefeuert worden. Bei Radusa gab es heftige Kämpfe. Insgesamt seien zwölf Polizisten und Zivilisten verletzt worden.

Keine parlamentarische Mehrheit für Regierungsplan

Die Rebellenorganisation "Nationale Befreiungsarmee" (UCK) beschuldigte die Regierungstruppen, vor dem Friedensschluss vollendete Tatsachen schaffen zu wollen. Lokale Rebellenführer erklärten, sie seien nach den heftigen Angriffen der mazedonischen Truppen in der Nacht zum Sonntag nicht bereit, ihre Waffen nach Unterzeichnung des Friedensplans niederzulegen.

Im Prinzip wollten die politischen Führer von slawischen Mazedoniern und Albanern am Montag ein Reformpaket unterzeichnen, das den Albanern mehr Rechte bringen und den Konflikt beenden soll. Angesichts der Sicherheitslage im Land sah Regierungssprecher Antonio Milososki aber keine parlamentarische Mehrheit für den Friedensplan. In einem Interview des mazedonischen Rundfunks sagte er, Unterhändler beider Seiten hätten keine Probleme, das Papier zu unterzeichnen. Im Parlament werde es aber keine Mehrheit für eine Ratifizierung geben.

Mazedonien hatte für Samstag Staatstrauer nach dem Tod von insgesamt acht Soldaten bei einem Rebellenangriff am Vortag verhängt. Außenministerin Ilinka Mitreva schrieb in einem Brief an NATO und EU, die Albaner-Rebellen wollten Mazedonien teilen, um ein Groß-Kosovo und Groß-Albanien zu errichten. "Die internationale Gemeinschaft sollte eingestehen, dass die UCK das Resultat all des Chaos im Kosovo ist", schrieb sie. Europa dürfe nicht zulassen, dass Mazedonien in Flammen aufgehe.

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