Heftige Zunahme bei Verbrauchern
Pleitewelle schwillt 2003 weiter an

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland wird nach Prognosen des Informationsdienstleisters Creditreform 2003 den in diesem Jahr erreichten Rekordstand noch übertreffen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen habe 2002 mit 37 000 um mehr als 16 % über der des Vorjahres gelegen, heißt es in einer am Montag in Frankfurt vorgestellten Untersuchung von Creditreform zur Unternehmensentwicklung.

Reuters FRANKFURT. Vergangenes Jahr hatte die Wirtschaftsauskunftei 36 000 bis 38 000 Fälle vorausgesagt. Helmut Rödl, Hauptgeschäftsführer von Creditreform, sagte bei der Präsentation des Berichts: "Unsere Prognose für 2003 lautet, dass die Zahl der Unternehmen, die Insolvenz anmelden werden, weiter steigen wird. Wir rechnen mit 40 000 bis 42 000 Fällen."

Die Unternehmensinsolvenzen betrafen Creditreform zufolge vorwiegend den Mittelstand mit weniger als 50 Mill. ? Jahresumsatz. "Betriebe, die über 50 Mill. ? Umsatz machen, sind in Westdeutschland nur mit 210 Fällen, in Ostdeutschland mit rund 20 Fällen betroffen", sagte Rödl. Die Schäden durch Insolvenzen seien von 2001 auf 2002 schätzungsweise um fast 20 % auf 38,4 Mrd. ? gestiegen. "Dabei haben vor allem die Großinsolvenzen von Holzmann bis Kirch für den Zuwachs gesorgt."

Einen Hauptgrund für die hohe Zahl der Firmeninsolvenzen machte Rödl in der schwachen Wirtschaftslage aus. "Die Konjunktur in Deutschland kommt nicht über den Berg. Die hauchdünnen Zuwächse beim Bruttoinlandsprodukt reichen nicht aus, um - neben den strukturbedingten Problemen - die schlechten Zahlen vom Arbeitsmarkt oder bei den Insolvenzen zu verändern." Als weitere Hemmnisse benannte Rödl außerdem seit zwei Jahren rückläufige Ausrüstungsinvestitionen und vor allem die Konsumschwäche. Nach Branchen verbuchte der Bau in diesem Jahr die größte Zahl der Unternehmensinsolvenzen. Hier hätten 270 von 10 000 Unternehmen Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Im Handel seien es 120, in der Dienstleistungsbranche 110 und im Verarbeitenden Gewerbe 106 von jeweils 10 000 gewesen.

Ende 1999 war ein neues Insolvenzrecht in Kraft getreten, das die Anmeldung der Insolvenz bereits zulässt, wenn eine Sanierung von Unternehmen noch möglich ist. Dies habe sich aber bei den Unternehmen kaum auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzanmeldungen ausgewirkt, sagte Rödl.

Die hohe Zahl von Unternehmensliquidationen und Insolvenzen trägt nach Einschätzung von Creditreform auch zur derzeit hohen Arbeitslosenquote bei. Vor allem wirtschaftliche Probleme, hohe Lohnnebenkosten, ein starrer Kündigungsschutz und eine unzureichende Ausbildung seien für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich. Im November stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland unerwartet deutlich über vier Millionen. Die unbereinigte Zahl erreichte mit 4,026 Mill. den höchsten November-Stand seit fünf Jahren. Erstmals seit März 2000 erreichte die bereinigte Arbeitslosenquote eine zweistellige Rate von 10,0 %.

Eine negative Entwicklung sagte Rödl auch für die Insolvenzen von Verbrauchern und Privatpersonen voraus. Nach rund 44 700 Fällen 2002 werde die Zahl im nächsten Jahr zwischen 46 000 und 48 000 liegen. Zu unterscheiden sei zwischen Verbrauchern ohne Zusammenhang zu einer unternehmerischen Tätigkeit und "sonstigen Insolvenzen", zu denen Gesellschafter insolventer Unternehmen oder ehemalige Selbstständige zählen. Bei letzteren habe es von 2001 auf 2002 eine Steigerung von gut 500 % gegeben, die zum Teil auf die Änderungen im Insolvenzrecht zurückgehe.

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