Heftiger Streit in der EU um Fangrechte
Spanien will in der Nordsee fischen

In der Europäischen Union entbrennt ein Kampf um die Fischereirechte in Nord- und Ostsee. Spanien, die größte Fischerei-Nation der EU, will von 2003 an in den nordischen Gewässern Jagd auf Kabeljau und Seehecht machen.

sce/sk BRÜSSEL/MADRID. Dies bestätigte ein Sprecher des spanischen Landwirtschaftsministeriums dem Handelsblatt. Die Regierung in Madrid beruft sich auf Spaniens und Portugals Beitrittsverträge zur Gemeinschaft. Ende dieses Jahres läuft eine Übergangsfrist aus, die beiden Ländern nur eingeschränkte Fischerei-Rechte in den EU-Gewässern einräumt. "Unsere Industriefischerei soll die zusätzlichen Fangmöglichkeiten nutzen, die ihr ab 2003 zustehen", unterstreicht der Sprecher die Ansprüche seiner Regierung. Die Gewässer in Nordeuropa seien eine "Alternative zu anderen Fischgründen", die durch die geplante EU-Fischereireform verloren gingen.

Doch für die akut bedrohten Bestände wäre der Vorstoß vermutlich katastrophal. Die Vorkommen von Seehecht und Kabeljau in Nord- und Ostsee sind in den vergangenen zehn Jahren um 60 % geschrumpft. Daher dürften die Expansionspläne der iberischen Fischerei-Flotte auf entschiedenem Widerspruch aus Deutschland, Großbritannien, Irland und den skandinavischen Mitgliedstaaten stoßen.

Aus der Kommission heißt es zwar, die spanischen und portugiesischen Fischer dürften nach dem Auslaufen der Sonderbestimmungen nicht diskriminiert werden. Das Recht, in allen Gewässern der Gemeinschaft auf Fischfang zu gehen, bestehe aber nur "theoretisch". Faktisch könne Spanien nur dann in Nord- und Ostsee die Netze auswerfen, wenn es dafür auch Fangquoten erhalte, unterstreicht ein Sprecher von EU-Agrarkommissar Franz Fischler. Diese wiederum würden "auf der Grundlage historischer Fangrechte" vergeben. "Spanien spielt in der Tradition des Fischfangs in Nord- und Ostsee keine Rolle", dämpft der Kommissionssprecher die Erwartungen in Madrid.

Hingegen macht das spanische Landwirtschaftsministerium solche alten Fangrechte geltend. Diese seien der Regierung von Brüssel zugestanden worden. Die Forderung Spaniens, vor den Küsten der nördlichen EU-Staaten auf Fischfang zu gehen, belastet die ohnehin schwierigen Verhandlungen über die von der Kommission geforderte radikale Reform der europäischen Fischereipolitik. Gestern berieten die 15 EU-Agrarminister in Luxemburg erstmals über die Vorschläge der Kommission.

Sie sehen eine Verkleinerung der Flotten um bis zu 40 % und die Abschaffung der jährlichen Fangquoten vor. Statt dessen soll ein mehrjähriges, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhendes "Bewirtschaftungsmanagement" eingeführt werden. Frankreichs neuer Agrarminister Hervé Gaymard sagte, eine rigorose Flottenreduktion sei mit seiner Regierung "nicht verhandelbar". Auch Spanien kündigte massiven Widerstand im EU-Ministerrat an.

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