Heftiges Abwehrfeuer der Taliban
Neue Angriffe auf Kabul und Kandahar

Erstmals seit Beginn ihrer Luftoffensive in Afghanistan haben die USA am Dienstag auch am Tage Angriffe geflogen. Nach Angaben eines Taliban-Sprechers nahmen amerikanische Kampfflugzeuge am Morgen den Flughafen der Taliban-Hochburg Kandahar sowie die Region Maiwand im Süden des Landes unter heftigen Beschuss.

afp ISLAMABAD/KABUL. Dort befinden sich mehrere Trainingslager der Terror-Organisation El Kaida. Bei der Bombardierung Kandahars sei mindestens ein Zivilist getötet worden. Die USA hatten am Abend eine zweite Angriffswelle begonnen. Dabei wurden in Kabul vier Mitarbeiter eines von der UNO finanzierten Teams zur Räumung von Landminen in Kabul getötet, wie die UNO zwischenzeitlich bestätigte. Die Taliban sprachen von Dutzenden von Toten. Am Dienstag wurde Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu Gesprächen über die Angriffe in Washington und New York erwartet.

Der Luftabwehr sei es am Morgen zunächst gelungen, eine erste Angriffswelle auf Kandahar zurückzuschlagen, sagte der Taliban-Sprecher der in Pakistan ansässigen afghanischen Nachrichtenagentur AIP. Nach Angaben eines Pentagonsprechers geht die zweite Angriffswelle weiter, unabhängig von "Tages- oder Nachtzeit". Die zweite Angriffswelle zielte nach Angaben von Generalstabschef Richard Myers erneut auf "terroristische Infrastrukturen" wie Flughäfen, Bodentruppen und das El-Kaida-Netzwerk. Zeitgleich warf die US-Luftwaffe wieder Lebensmittel für die Hunger leidende Bevölkerung ab. Laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA wurde bei den Bombardements der Chef der Taliban-Luftwaffe, Achtar Mohammed Mansur, getötet.

Nach Augenzeugenberichten traf eine Rakete am Montagabend das Gebäude der UN-finanzierten Afghanischen Technischen Beratung (ATC) in Kabul. Dabei wurden vier Wachleute getötet und zwei weitere verletzt. Das Team ist mit der Räumung von Landminen betraut, hat aber nach Angaben von Mitarbeitern seit der Evakuierung des internationalen UN-Personals seine Arbeit eingestellt. Das Gebäude steht an der Ausfallstraße nach Dschalalabad, einem weiteren Ziel der US-Angriffe.

Massenpanik im Süden

Die neuerlichen Bombardierungen haben in der südwestafghanischen Provinz Nimrus an der Grenze zu Iran eine Massenpanik ausgelöst. Nach Raketenangriffen auf Sendemasten der Taliban im Hauptort Sarandsch sowie auf Radarstationen des Flughafens hätten Hunderte versucht, über die Grenze nach Iran zu flüchten, berichtete ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in Teheran. In Sarandsch halten sich auch unzählige Flüchtlinge aus den größeren Städten des Landes auf. Ein Teil der Region wird von Anhängern des Ex-Königs Sahir Schah kontrolliert.

Nach den bisherigen Informationen ist die zweite Angriffswelle weniger heftig als die erste. Während in der Nacht zum Montag rund 50 Marschflugkörper auf Ziele in Afghanistan abgefeuert wurden, waren es in der Nacht zum Dienstag nur 15. Wie lange die zweite Welle andauern würde, war zunächst nicht bekannt.

Nach Informationen der "Washington Post" wollen die USA für die nächste Angriffsphase ihre Bodentruppen in Nahost und Zentralasien verstärken. Geplant sei, dass die Zahl der bereits in Zentralasien stationierten 1000 Soldaten der 10. Gebirsjägerdivision in der nächsten Woche verdoppelt werde, berichtete die Post unter Berufung auf einen Vertreter des Verteidigungsministeriums. Ihre künftige Aufgabe stehe jedoch noch nicht fest.

Die Türkei, das einzige moslemische Nato-Land, fasst eine Truppenentsendung nach Afghanistan ins Auge. Eine entsprechende Beschlussvorlage werde am Dienstag ins Parlament eingebracht, berichteten türkische Zeitungen. Im Gespräch sei die Entsendung türkischer Spezialeinheiten.

Bei seinem eintägigen Besuch in den USA am Dienstag wollte Schröder mit Bush und Annan über die aktuelle Lage nach Beginn der Luftangriffe auf Afghanistan sprechen, wie Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye in Berlin mitteilte. Der Kanzler habe die aktuelle Lage zuvor in Telefongesprächen auch mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf und dem saudischen Kronprinzen Abdallah erörtert.

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