Heidel Cement wird Verluste ausweisen
Zementfirmen drohen nach Kartellstrafen auch Klagen

Großen Unternehmen der deutschen Zementindustrie drohen nach der Verhängung eines Rekordbußgelds durch das Bundeskartellamt nach einem Zeitungsbericht nun möglicherweise auch zivilrechtliche Klagen.

Reuters DÜSSELDORF. Der Verwaltungsrat der Brüsseler CDC AG, der Kartell-Jurist Ulrich Claasen, sagte am Freitag zu einem entsprechenden Vorabbericht der Zeitung "Die Welt", 40 mittelständische Firmen hätten Forderungen an Mitglieder des Zementkartells an die Brüsseler Aktiengesellschaft verkauft, die auf Ankauf, Bündelung und Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen spezialisiert sei.

Die Forderungen bewegten sich derzeit im unteren dreistelligen Millionen-Bereich, könnten aber auf über eine Milliarde Euro ansteigen, sagte Claasen. CDC sammele Belege, um aufzuzeigen, dass durch das Kartell überhöhte Preise gezahlt worden seien. Claasen zufolge strebt CDC zunächst Gespräche über eine außergerichtliche Einigung mit den betroffenen Unternehmen an. Es gebe bereits Kontakte. Ab Herbst könnten dann Klagen gegen die Zementfirmen eingereicht werden, mit denen keine Einigung erzielt werden könne und bei denen "die Beweislage ausreichend ist".

Das Bundeskartellamt hatte im April gegen sechs Zementkonzerne wegen jahrelanger Preisabsprachen eine Rekordbuße von insgesamt 660 Millionen Euro verhängt. Die höchste Strafe entfiel mit 252 Millionen Euro auf Heidelberg Cement. Bußgelder mussten auch die Wiesbadener Dyckerhoff, Schwenk Zement, die französische Lafarge , die zum schweizerischen Holcim-Konzern gehörende Alsen AG und die britische Readymix zahlen. Gegen 13 kleinere und mittelständische Unternehmen werde weiter ermittelt, hieß es. Einige Unternehmen, darunter Heidelberg Cement und Dyckerhoff, kündigten bereits Widerspruch gegen die Entscheidung der Kartellwächter an.

Ein Dyckerhoff-Sprecher bestätigte am Freitag, vom Vorgehen der CDC gehört zu haben. Man sehe aber nicht, dass es Mehrerlöse im deutschen Markt gegeben habe, sagte der Sprecher. "Deshalb sehen wir das nicht als substanziell an", fügte er hinzu. Kontakte zwischen der CDC und Dyckerhoff wollte er weder bestätigen noch dementieren.

Heidelberg Cement wird Verluste ausweiten

Der Verlust beim größten europäischen Zementhersteller Heidelberg Cement hat sich im ersten Quartal nach Ansicht von Analysten noch ausgeweitet. Bei einem Umsatzrückgang um mehr als sechs Prozent auf 1,27 Milliarden Euro ist der Fehlbetrag vor Steuern in dem gewöhnlich verlustträchtigen Quartal nach der durchschnittlichen Schätzung von acht von Reuters befragten Analysten auf 117 Millionen von 102 Millionen Euro vor Jahresfrist gestiegen. Wie seine Wettbewerber leidet Heidelberg Cement in Deutschland unter einem Einbruch der Zementpreise um bis zu ein Drittel. Das Bundeskartellamt führt den Preisrückgang auf das Ende eines Kartells zwischen fast allen Anbietern zurück. Es hatte Heidelberg Cement deshalb Anfang April mit einer Geldbuße von 250 Millionen Euro belegt. Die Strafe ist aber noch nicht ergebniswirksam, weil das Unternehmen sich juristisch dagegen wehren will.

Heidelberg Cement will am 8. Mai auf der Hauptversammlung über die Entwicklung im ersten Quartal berichten.

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