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Heikle Geschäfte im Kalten Krieg

Ein Buch über die Wirtschaftsdiplomatie westdeutscher Industrieller

Drei Männer prägten die Ostpolitik der westdeutschen Industrie nach 1945: der Kölner Stahlhändler Otto Wolff von Amerongen, der Krupp-Generalbevollmächtigte Berthold Beitz und der Thyssen-Manager Ernst Wolf Mommsen. Sie zählt der Historiker Karsten Rudolph, SPD-Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, zu den "Pionieren des Ost-West-Geschäfts nach dem Zweiten Weltkrieg".

Der Autor zeigt in seinem Buch "Wirtschaftsdiplomatie im Kalten Krieg", wie Jahrhunderte alte Wirtschaftsbeziehungen im Ost-WestKonflikt abbrachen. Die wenigen Geschäfte, die verblieben, mussten unter strengen politischen Auflagen und scharfer Kontrolle der Staaten abgewickelt werden. Osthandel geriet zum Abenteuer: "Diese Situation machte aus Geschäftsleuten Grenzgänger, aus Unternehmern Außenpolitiker und aus Verbandsvertretern Diplomaten."

In zwölf komprimiert geschriebenen Kapiteln beleuchtet Rudolph die Ostpolitik der westdeutschen Großindustrie: vom Marshall-Plan und den ersten Schritten auf dem Parkett der Ost-West-Beziehungen, von der Gründung des legendären Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (1952) bis zum Kollaps des Ostblocks 1991, der das Ende der "klassischen" Ostdiplomatie der Großindustrie brachte.

Plastisch porträtiert Rudolph die Wirtschaftsdiplomaten Wolff von Amerongen, Beitz und Mommsen und die Rolle, die sie in der neuen Ostpolitik des ersten SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt spielten. Er versucht eine realistische Einschätzung: "Ohne die diplomatischen, außenpolitischen und politisch-psychologischen Vorleistungen der deutschen Wirtschaft hätte die Ostpolitik Brandts ... wesentlich höhere Hürden nehmen müssen."

Doch auch die Osthändler sahen trotz intimer Kenntnis der Staatshandelsländer nicht deren Zusammenbruch voraus. Dadurch werde zwar die "historische Leistung der westdeutschen Großindustrie für die Entspannungspolitik ... getrübt, aber nicht geschmälert", schreibt Rudolph. Nach der Niederschlagung des Putsches reaktionärer Generäle der Roten Armee gegen Michail Gorbatschow im August 1991 musste Boris Jelzin einen Krupp-Kran einsetzen, um das Moskauer Denkmal des KGB-Gründers Feliks Dserschinskij vom Sockel zu holen.

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