Heiligen Krieg erklärt
Bin Laden: "Die USA sind nie mehr in Sicherheit"

Osama bin Laden selbst hat offenbar den "Heilgen Krieg" gegen die USA ausgerufen. Der arabische TV-Sender "Al-Dschasira" strahlte am Sonntagabend kurz nach den ersten amerikanischen Angriffen auf Afghanistan ein neues Video von bin Laden aus. Die Taliban haben indes angekündigt am Montag Usbekistan anzugreifen.

HB ISLAMABAD/KARACHI. Das Video zeigte den saudischen Terroristenführer zusammen mit dem ägyptischen "Terror-Doktor" Aiman el Zawahiri und dem Sprecher der Terrororganisation "El Kaida", Suleiman Abu Gheith. Der Sprecher bezeichnete die Terroranschläge in den USA als "natürlichen Vorfall". "Dies ist eine Schlacht zwischen dem Glauben und dem Unglauben", sagte er. "Der Heilige Krieg gegen die Juden und Christen hat begonnen", rief er.

Wortlautauszüge aus dem Video von Osama bin Laden

Bin Laden warnte die USA, sie würden "nie mehr" in Sicherheit sein. Die Vereinigten Staaten würden "nie mehr Sicherheit kennen, so wie Palästina keine Sicherheit kennen wird", sagte er.

Nach Angaben des in Katar sitzenden Senders war das Video mit der Ansprache Bin Ladens im Laufe des Tages aufgenommen worden. El Kaida sei bereit "zur Konfrontation mit den Vereinigten Staaten", sagte der Sprecher der Gruppierung, Soleiman Abu Ghaith, in einer auf demselben Band befindlichen Ansprache.

Video war vorbereitet

Militärexperten in den USA glauben nach ersten Analysen, dass ein am Sonntag ausgestrahltes Video mit Osama Bin Laden schon vor längerer Zeit möglicherweise außerhalb Afghanistans aufgezeichnet wurde. Das Band, auf dem Bin Laden Moslems in aller Welt zum Heiligen Krieg ("Dschihad") aufruft, sei offenbar gezielt für den Fall einer US-Militäraktion vorbereitet worden, sagte der frühere Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark in einem Interview des Nachrichtensenders CNN, der das Video zuvor gezeigt hatte.

Trotz der Angriffe wollen die in Afghanistan regierenden Taliban den Moslem-Extremisten Osama bin Laden nicht an die Vereinigten Staaten ausliefern. Das meldete die Taliban-nahe Nachrichtenagentur AIP am Sonntagabend in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Die Taliban verurteilten die Angriffe auf Afghanistan demnach als "terroristischen Akt der USA".

Taliban: Angriff auf unschuldiges Land

Dies sei ein Angriff auf ein unschuldiges Land, sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, am Sonntag. "Wir können Osama bin Laden niemals an die USA ausliefern. Wir werden bis zum letzten Atemzug kämpfen", fügte er hinzu. Die USA trügen die Verantwortung, wenn arme und unschuldige Afghanen ums Leben kämen, sagte Saif. Auch der Generalkonsul der in Afghanistan regierenden Taliban in Karachi sagte: "Wir sind bereit für den Dschihad (heiligen Krieg)."

Taliban wollen am Montag Usbekistan angreifen

Die Taliban wollen nach eigenen Angaben Usbekistan angreifen. Sie befänden sich im Heiligen Krieg und würden ab Montag an der usbekischen Grenze kämpfen, sagte ein Sprecher des afghanischen Konsulats am Sonntag in Peshawar im Nordwesten Pakistans. "Alle Flughäfen brennen", sagte Mawlana Nadschibullah nach den US-Angriffen auf Ziele in Afghanistan. Sämtliche Talibanführer seien noch am Leben, fügte er hinzu. Die Opferzahl sei vermutlich nicht sehr hoch, da die Angriffe nach Beginn der nächtlichen Ausgangssperre erfolgt seien. Usbekistan verstärkte bereits seine Truppen an der Grenze, nachdem die Taliban nach eigenen Angaben 8 000 Soldaten in die Region entsendet hatten.

Die afghanische Opposition kündigte derweil für Montagmorgen eine Offensive gegen die Taliban an. Die "vereinigten Truppen" der Nordallianz seien bereit, im Morgengrauen mit eigenen Angriffen gegen die herrschenden Taliban zu beginnen, teilte ein Vertreter der Allianz in Iran mit, wie die Nachrichtenagentur IRNA berichtete. Der afghanische Botschafter in Teheran, Mohammed Chairkhah, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die US-Angriffe seien "eine große Hilfe" für die Afghanen, wenn sie zur Zerstörung der "Terroristen-Lager" führten und die Zivilbevölkerung verschonten. Zuvor hatte die Opposition erklärt, sie warte auf Anweisungen für eine landesweite Offensive gegen die Taliban.

An der Grenze zu Tadschikistan blieb es zunächst ruhig

Nach dem Beginn der US-Militärschläge ist die Lage an der afghanisch-tadschikischen Grenze dagegen zunächst ruhig geblieben. Auf afghanischer Seite seien keine militärischen Aktivitäten der Taliban beobachtet worden, meldete die Agentur Interfax am Sonntagabend unter Berufung auf russische Militärs in der Hauptstadt Duschanbe.Tadschikistan hatte den USA Unterstützung gegen das Taliban- Regime angeboten. Die tadschikische Südgrenze wird von russischen Truppen gesichert.

Russland hat seine Armee-Einheiten in Tadschikistan inzwischen in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzt. Die Entwicklung an der Grenze werde genau beobachtet, teilte die russische Armeeführung am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Russland hat etwa 10 000 Mann in der früheren Sowjetrepublik Tadschikistan stationiert.

Auch die tadschikische Armee wurde in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzt. In den ersten Stunden nach den Angriffen der US-Luftwaffe blieb die Lage an der tadschikisch-afghanischen Grenze ruhig. Weitere Transportflugzeuge vom Typ Iljuschin-76 landeten mit Hilfsgütern für Nordafghanistan in Duschanbe. Russland und Tadschikistan haben sich der Anti-Terror-Allianz der USA angeschlossen.

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