Heimische Hölzer sollen bald so beständig wie Tropenhölzer werden
Baum-Bad gibt Hölzern die nötige Härte

Göttinger Forscher arbeiten an Methoden, um Bauholz neue Eigenschaften zu geben. Damit könnten auch die anfälligen Weichhölzer aus Europa dem Wetter trotzen. Modifizierte Hölzer könnten in Zukunft eine echte Alternative sein zu ökologisch umstrittenen Tropenhölzern oder dem Einsatz von Holzschutzmitteln.

KÖLN. Wissenschaftler des Göttinger Instituts für Holzbiologie und Holztechnologie treiben dem heimischen Weichholz seine schlechten Eigenschaften aus. Mit gezielten Eingriffen in die Zell-Strukturen veredelt ein Team um Prof. Holger Militz schnell nachwachsendes Pappel- oder Kiefernholz. Im besten Fall soll das modifizierte Holz Wasser abweisen, nicht mehr schrumpfen oder quillen, lichtbeständig sein und zerstörerischen Pilzen keine Basis mehr bieten.

"Wir können unsere schnell wachsenden Hölzer schon heute so stabilisieren, dass sie mindestens die Eigenschaften von Tropenhölzern erreichen und dennoch billiger sind", sagt Militz. Derzeit gehe es darum, eine Handvoll viel versprechender Verfahren in großtechnischen Maßstab umzusetzen. Darauf setzt auch die unter Druck geratene Holzindustrie, die nach dem Quasi-Boykott tropischer Harthölzer und den Problemen von giftigen Holzschutzmitteln nach akzeptablen und dauerhaften Alternativen sucht.

Während Holz für Innenräume oder Möbel auch unbehandelt verwendet werden kann, beginnen für wenig widerstandfähige Holzsorten die Probleme, sobald sie feucht werden. Das Eindringen von Wasser kann vermindert werden, wenn die Zellwand in einen permanent geschwollenen Zustand überführt wird.

Von allen Möglichkeiten, europäische Hölzer ungiftig zu veredeln, sind Thermoverfahren am weitesten ausgereift. Durch Kochen im Wasserbad bei 170 bis 240 Grad Celsius wird die Dauerhaftigkeit des Holzes erhöht und auch die Widerstandskraft gegen Termiten, Insekten, Pilze und Bakterien gestärkt. Ähnliche Verfahren wurden in Frankreich, Finnland und Holland zeitgleich bis zur Produktionsreife entwickelt. Während bei der Firma Plato in Arnheim die Produktion gerade anläuft, hat die finnische Konkurrenz, darunter Soumen Ekopuu Oy, die Kapazitäten bereits auf 100 000 Kubikmeter pro Jahr ausgebaut, so Militz. In den Startlöchern sitzt auch die deutsche Firma Menz Holz, die das Holz nicht mit Wasserdampf erhitzt, sondern quasi frittiert. In einem patentierten Prozess soll das Holz in pflanzlichen Ölen auf Temperaturen von über 150 Grad gebracht werden. Das im Holz verbleibende Öl soll zudem eine langfristig wetterfeste Oberfläche garantieren.

Noch fehlt es an Langzeiterfahrungen

Innerhalb der nächsten Jahre werde Thermoholz einen "deutlichen Marktanteil bei den Außenanwendungen einnehmen", prophezeit Militz. Noch ist die Nachfrage allerdings überschaubar. Die Hamburger Holzimportagentur Schulzebeer & Co., die nach eigenen Angaben zwei Drittel des Thermoholzes nach Deutschland einführt, beziffert den Marktanteil auf rund ein Prozent, gemessen allerdings am gesamten Schnittholzbedarf, der etwa 1,5 Millionen Kubikmeter im Jahr ausmache. Mit Preisen von rund 400 Euro pro Kubikmeter ist Thermoholz doppelt so teuer wie unbehandeltes Nadelschnittholz. "Ein Problem könnte sein, dass die Architekten und Planer dem angeblichen Wunderwerkstoff auf Anhieb zuviel zutrauen", warnt der Hannoveraner Holzsachverständige Hans-Joachim Rüpke. Es fehlten die Langzeiterfahrungen. "An die Resistenz der Hölzer glauben die Praktiker erst, wenn sie sich über Jahre erwiesen hat." Auch Militz stellt fest, dass das Holz durch die Hitzebehandlung an Festigkeit verliert, so dass es für tragende Funktionen nicht mehr geeignet ist: "Es ist eine Gratwanderung zwischen Verbesserung der Dauerhaftigkeit und der Verschlechterung anderer Eigenschaften."

In Göttingen, das als deutsches Kompetenzzentrum für Holzmodifizierung gilt, wird derzeit an zehn Einzelprojekten geforscht. Neben der Hitzetherapie setzen die Wissenschaftler auch auf das Einbringen von Essigsäure (Acetylierung), die Behandlung mit Harzen, Ölen und Wachsen sowie das Einpressen von Siliciumverbindungen in die Holzzellen. Harze härten sehr gut, was im Parkettbau zur Geltung kommt. Eingebrachte Siliciumverbindungen wirken dagegen vor allem wasserabstoßend. "Jede Modifizierung verspricht eine andere Marktchance. Aber keines der Verfahren macht das Holz in der Anschaffung teurer als Tropenholz", sagt Holztechnologe Militz. Gerechnet auf die Lebensdauer der Produkte sei die Veredelung oft sogar günstiger, da aufwendige Pflege und Nachbehandlungen weitgehend wegfielen.

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