Heimische Marken liegen vorn
Hintergrund: Ausländische Biere sind in Deutschland schwer zu verkaufen

"In Deutschland identifizieren sich die Konsumenten mit ihren Marken besonders stark", wusste schon Heineken-Chef Karel Vuursteen, als sein Bierkonzern Anfang 2001 bei der Bayrischen Brauholding (Paulaner) einstieg. Weil die Deutschen ihr Bier so schätzen, kann kaum ein ausländischer Anbieter mit seinen Marken landen.

ap BREMEN/FRANKFURT. Die Importrate ausländischer Biere betrage schlappe 3 %. Um dennoch ein Bein auf den deutschen Markt zu bekommen, hat die belgische Interbrew-Gruppe nun gleich zwei Traditionsmarken übernommen: Diebels und Beck's.

Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes in Bonn, weist auf die Besonderheiten des Bier-Marktes in der Bundesrepublik hin. "Die deutsche Bierlandschaft ist einmalig auf der Welt." 1 270 Braustätten gebe es im Land (zum Vergleich: in Frankreich waren es 1999 nur 20, in Belgien 113) und die Vielfalt sei mit 5 000 verschiedenen Marken international ungeschlagen. Angesichts dieser Sachlage gelte als Spielregel für den deutschen Markt: "Du musst in Deiner Region stark sein."

"Wenn ich mit meiner Marke nicht lande, dann kaufe ich mir eine."

Für ausländische Anbieter, die versuchten, in Anbetracht dieser besonderen Situation Fuß zu fassen, heißt die Losung nach Einschätzung Hahns nun: "Wenn ich mit meiner Marke nicht lande, dann kaufe ich mir eine." Sowohl für Paulaner als auch Diebels und Beck's gelte, dass sie "sehr starke Marken seien, mit denen dies gelingen könnte".

Vorteile durch den Einstieg einer großen Brauerei sieht Hahn aber auch für die deutschen Traditionsbrauer. Dank der neuen Eigentümer - die Interbrew-Gruppe ist immerhin der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt - könnte auch das eigene Exportgeschäft verbessert werden.

Hahn sagt dazu: "Der deutsche Markt ist nicht nur recht abgeschottet gegen Bier aus dem Ausland. Auch das deutsche Bier wird vor allem für den deutschen Markt produziert. Ganze zehn Prozent wandern in den Export." Die Bremer Brauerei Beck & Co ist nach eigenen Angaben allerdings schon heute die größte deutsche Exportbrauerei.

Reinheitsgebot bleibt bestehen

Hahn berichtet zugleich, dass die Überwindung staatlicher Grenzen im Biergeschäft keinesfalls eine Einbahnstraße in Richtung Übernahmen deutscher Brauereien sei. "Es mehren sich die Zeichen, dass einige Brauereien aus Deutschland sich im Ausland ausdehnen wollen", erläutert der Hauptgeschäftsführer, allerdings ohne Namen zu nennen.

Den Einstieg der belgischen Interbrew-Gruppe und des niederländischen Heineken-Konzerns fürchten die deutschen Brauer Hahn zufolge nicht, denn "so bekommt Bewegung in den Markt". Seiner Ansicht nach bedeutet der Auftritt der großen Brauereien auch "eine Chance für die deutschen Brauer zu zeigen, wie stark sie sind".

Das dürfte auch nötig sein, denn der deutsche Biermarkt schwächelt. Zwar lagen die Deutschen auch 2000 beim Pro-Kopf-Verbrauch laut Hahn weltweit mit 125,5 Litern hinter Tschechien und Irland immer noch an dritter Stelle. Doch einige Jahre zuvor habe der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei 148 Litern im Jahr gelegen. Hahn führt diese Veränderungen unter anderem auf ein anderes Trinkverhalten (Jüngere wechseln mehr) zurück. Zugleich spielten demographische Faktoren eine Rolle oder auch die Absenkung der Promillegrenze für Autofahrer auf 0,5 Promille.

Dass die zunehmende Präsenz ausländischer Bierkonzerne auf dem deutschen Markt Auswirkungen auf das den Deutschen so liebe Reinheitsgebot haben wird, glaubt Hahn nicht: "Für das deutsche Reinheitsgebot ist die geographische Lage einer Braustätte entscheidend, nicht die Nationalität der Eigentümer."

Solange der Sitz einer Brauerei in Deutschland liege, werde das dort produzierte Bier streng nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Hahn: "In deutschen Sudkesseln gebrautes Bier ist und bleibt ein reiner und qualitativ hochwertiger Genuss, egal, wem der Sudkessel gehören mag!"

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