Archiv
Heimkino aus der Telefondose

Eine Medien-Vision rückt näher: Das Heimkino-Vergnügen soll schon bald aus der Telefondose kommen, kündigen die Marburger Media-Netcom AG und der Breitbandanbieter QSC an. Zu diesem Zweck haben beide Unternehmen eine Kooperation geschlossen.

DÜSSELDORF. Das Ziel: Ab dem 1. Quartal 2001 will die QSC ihr SDSL-Breitbandnetz auch für Privathaushalte öffnen und mit der von Media-Netcom patentierten 'Cinema on demand?-Technik direkt attraktive Inhalte anbieten: Kinovergnügen also aus der Kupfer-Telefonleitung. Bis Ende des Jahres 2000 sollen in einem Pilotprojekt in Köln 50 Haushalte an die Filmbibliothek des Marburger Unternehmens angeschlossen werden. Nach der Testphase könnte dann die deutschlandweite Markteinführung kommen.

Cinema on Demand - was ist das?

Media-Netcom-Firmengründer und Erfinder der 'Cinema on demand'-Technik (CoD), Frank Hackenbuchner (36), beschreibt CoD als eine "digitale Filmbibliothek". Über einen Breitbandanschluss, sei es DSL-Technik oder das Fernsehkabel, kommt der Spielfilm direkt zum Konsumenten. Auch hier hat der Kunde zwei Möglichkeiten. Über eine Set-Top-Box mit einer CoD-Schnittstelle - Media-Netcom ist zurzeit im Gespräch mit allen führenden Set-Top-Boxenherstellern, um eine Integration dieser Schnittstelle zu erreichen - oder über den PC.

24 Stunden lang hat der Endkunde dann Zugriff auf den Film. Beim Abspielen des Films stehen die bewährten Features eines Videorekorders wie Pause, Vorwärts- und Rückwärtslauf zur Verfügung. Auswahl hat der Interessent derzeit aus insgesamt 3000 Filmtiteln, darunter auch Erotikproduktionen von VPS. Eine Reportage will Media-Netcom für 2-3 Mark vermieten, aktuelle Filmtitel können auch schon mal bis 8 Mark kosten. Interessant ist aber die angebotene Qualität: MPEG-2 - also DVD-Qualität - und Dolby-Digital-Mehrkanalton gehören zum Standard.

"Der große Boom kommt noch", weiß Frank Hackenbuchner. "Vor allem die Einführung des Digitalen Fernsehens wird dann einen Boom für CoD auslösen" ist sich Hackenbuchner sicher. Die Rechnung könnte aufgehen. Erreicht Media-Netcom jetzt schon die Implementierung einer CoD-Schnittsstelle bei den Set-Top-Boxen - zukünftig ein wichtiges Modul für den Einstieg beim Digitalen Fernsehen - wäre die Akzeptanz von CoD beim Kunden grösser.

Dazu Hackenbuchner: "Geht man davon aus, dass heute noch 36 Millionen Haushalte analoges Fernsehen haben, wäre das bis 2008 - der Einführung des Digitalen Fernsehens - ein großes Potenzial. Die Verbreitung von CoD im Markt wäre enorm."

Media-Netcom versteht sich als B2B-Partner für Netzbetreiber

Aus dem Pilotprojekt aus Neuruppin, das Media-Netcom mit dem Kabelnetzbetreiber BKT durchführt, weiß der Media-Netcom-Chef, dass monatlich pro Haushalt und Monat 3,5 Filme gebucht werden. "Auch ist die Akzeptanz von CoD 10 Mal höher als bei Pay-per-view", sagt Hackenbuchner. Er verweist darauf, dass sich Media-Netcom als B2B-Partner für Netzbetreiber, Portalbesitzer und Anbieter von interaktiven Services versteht. "Das CoD-System macht es Netzbetreibern möglich, den Kunden attraktiven Content anzubieten," sagt Hackenbuchner. "Wir betreuen nicht den Endkunden, sondern arbeiten mit den Netzbetreibern zusammen" - in diesem Fall mit der Kölner QSC.

Die Schwierigkeit für QSC: Mit dem CoD-Projekt nähert sich der Breitbandanbieter dem Privatkunden - vormals nicht seine Zielgruppe. QSC hatte kleinere und mittlere Unternehmen als seine Hauptzielgruppe ausgemacht. Jetzt muss sich QSC den Vorwurf gefallen lassen, die Marketingstrategie sei verwaschen. Unternehmenssprecher Karl-Heinz Angsten reagiert gelassen auf solche Vorwürfe: "Wir wollen mit diesem CoD-Projekt demonstrieren, wozu die Breitbandtechnologie heute schon in der Lage ist. Wenn wir zeigen, dass CoD über das Telefonkabel funktioniert, dann wird auch niemand mehr bezweifeln, dass über die SDSL auch Videokonferenzen laufen", erklärt Angsten das Projekt aus Sicht der QSC.

In den 40 größten Städten Deutschlands will das Kölner Unternehmen bis Ende 2000 sein DSL-Netz aufgebaut haben. Danach könnten auch schnell die CoD-Angebote für den Privatmann gemacht werden, sagt Angsten. Und dies zu konkurrenzfähigen Preisen. Wir bleiben gespannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%