Heimliche Diät der übergewichtigen Männer
Abnehmen nur mit Schnitzel und Co.

Joschka Fischer tat es, Harry Weinford sowieso und zuletzt machte es Karl Lagerfeld des "Looks" wegen - sie nahmen ab. Schlankheitskuren sind schon lange kein weibliches Privileg mehr.

ddp BERLIN. Auch Männer beschäftigen sich zunehmend mit Diätplänen und Kalorientabellen. Kein Wunder - denn schließlich sagen über 70 Prozent aller Deutschen, dass der Traummann fit, schlank und muskulös sein sollte.

Die Realität sieht naturgemäß etwas anders aus. Die "Weight Watchers" schätzen, dass jeder zweite deutsche Mann mehr als Idealgewicht auf die Waage bringt. Im Gegensatz zu Frauen, die über jedes Fettpölsterchen klagen, sind die Herren der Schöpfung allerdings zufriedener mit ihrem Körper. "Diäten sind bei ihnen offiziell kein Thema", sagt Marion Sonnenmoser, Psychologin beim Institut für Sexualwissenschaft in Landau. Im Gegenteil: Kaum einer würde eingestehen, er müsse abnehmen. Vielmehr werde behauptet: "So etwas habe ich nicht nötig."

Trotz der markigen Sprüche orientieren sich auch Männer an den Schönheitsidealen aus Film, Fernsehen und Werbung. "Sie stehen heute unter stärkerem sozialen Druck, attraktiv zu sein", weiß Sonnenmoser. Ein knackiger Body ist also nicht bloß für die Herzensdame ein optischer Leckerbissen. Von den Herren der Schöpfung selbst wird er ebenfalls als erstrebenswertes Ziel angesehen. Und der Weg zum Waschbrettbauch führt häufig über das Fitnessstudio.

Erst wenn Gewichte stemmen und schweißtreibendes Jogging oder Radfahren allein nicht mehr ausreichen, beginnt "Mann" über Ernährungsgewohnheiten nachzudenken. Wirkliche Begeisterung wecken grüne Salate, Zucchini oder Brokkoli allerdings nicht. "Eine Diät ohne Steaks ist für die meisten undenkbar", sagt Sonnenmoser. Männer - so lautet die Erklärung - identifizieren sich sozusagen über Schnitzel und Co. "Fleisch ist für sie Ausdruck von Lebenskraft, Power und Potenz", weiß die Psychologin. Keiner wolle der Schönheit wegen allein mit Müsli, Obst und Gemüse auszukommen.

Männer machen anders Diät als Frauen, sind sich die "Weight Watchers" sicher. Die Gruppe hat deshalb eine spezielle Schlankheitskur für die männliche Klientel auf den Markt gebracht. "Frauen experimentieren gerne, Männer wünschen sich dagegen klare Vorgaben, was sie wann zu machen haben", erzählt Claudia Bachhausen, Sprecherin der "Weight Watchers" in Deutschland.

Aber erst wenn berufliche Folgen drohen, ist das starke Geschlecht wirklich konsequent beim Abnehmen. "Bei Industriemanagern gibt es schon lange keine Dicken mehr", weiß Ernährungspsychologe Volker Pudel. Übergewicht werde hier als Zeichen von Willensschwäche angesehen. In den USA hätten Studien sogar gezeigt, dass statistisch gesehen ein Kilogramm Übergewicht das Jahresgehalt um 100 Dollar reduziert.

Selbst das OP-Messer schreckt figurbewusste Herren nicht ab. Fast jeder fünfte Kunde beim Schönheitschirurgen ist mittlerweile ein Mann, vor zehn Jahren war es nur jeder 20., schätzt Hans Rudolph, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie. Fettabsaugen ist dabei der häufigste Eingriff.

Um zur Traumfigur zu kommen, machen Männer inzwischen also auch vor martialischen Maßnahmen nicht Halt. Dabei gibt es viel angenehmere Arten des Abnehmens. Physiologen fanden heraus, dass beim leidenschaftlichen Küssen 650 Kilokalorien pro Stunde verbraucht werden. Das ist weit mehr als beim Alpinski (380), Schwimmen (340) oder Tischtennis (260)

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