Heimliche Helfer von Präsident Bush werfen Kandidaten Vietnam-Lügen vor
Veteranen bringen Kerry in die Defensive

Der Vietnam-Veteran John Kerry ist Attacken aus dem Hinterhalt gewohnt. Der Wahlkampfspot einer nur scheinbar unabhängigen Gruppe mit dem Namen "Swift Boat Veterans for the Truth" hat den demokratischen Präsidentschaftskandidaten jedoch ins Mark getroffen. Die Gruppe ehemaliger Schnellboot-Matrosen in Vietnam bezichtigt den als Kriegsheld ausgezeichneten Kerry, dass seine Heldentaten auf Lügengeschichten basieren.

NEW YORK. Für den Herausforderer von US-Präsident George W. Bush ist das keine Kleinigkeit. Baut Kerry sein Image als starker Führer doch im Wesentlichen auf seine Orden aus dem Vietnam-Krieg auf. Die politischen Tiefschläge zeigen Wirkung. Bei der wichtigen Wählergruppe der Veteranen ist der Kriegsheld nach einer Umfrage des Fernsehsenders CBS in den letzten Tagen um zehn Punkte abgerutscht. Landesweit hat Kerry seinen Vorsprung eingebüßt und liegt jetzt wieder Kopf an Kopf mit Bush.

Der Senator aus Massachusetts hat jetzt öffentlich die Anschuldigungen der Veteranen zurückgewiesen und Bush vorgeworfen, dass er stillschweigend zusehe, wie eine von Republikanern finanzierte Gruppe "die Drecksarbeit für ihn erledigt." Zugleich hat Kerry die Gruppe bei der Wahlkampfaufsicht Federal Election Commission (FCC) wegen ihrer verdeckten Wahlhilfe für den Präsidenten angeprangert. Die Polit-Matrosen werden zwar nicht direkt aus der Wahlkampfkasse des Präsidenten finanziert. Zu ihren Geldgebern gehört jedoch der texanische Milliardär Bob Perry, ein enger Vertrauter des Präsidentenberaters Karl Rove. Bush selbst hat es bislang abgelehnt, den Wahlspot zu verurteilen.

Die verdeckte Finanzhilfe ist ein klassisches Beispiel dafür, mit wel-chen Tricks beide Seiten die erst vor kurzem verabschiedeten Spendenlimits bei der Wahlkampffinanzierung umgehen. Zur allgemeinen Überraschung stellen sich die Demokraten dabei sogar geschickter an als die Republikaner.

Zwar hat Bush in der offiziellen Spendenstatistik noch knapp die Nase vorn. Bis Ende Juli sammelte er nach Angaben von Wahlbeobachtern und Finanzberichten 240 Mill. Dollar ein, Kerry kommt auf 233 Mill. Dollar. In diesen Beträgen ist jedoch nicht das "soft money" enthalten, also jene Spenden die von scheinbar unabhängigen politischen Gruppen einkassiert werden. Dabei handelt es sich jedoch in Wirklichkeit meist um parteinahe Organisationen, die für Demokraten oder Republikaner Wahlkampf machen - sei es durch Fernsehspots oder durch Kampagnen, um möglichst viele Wähler an die Urnen zu bringen. "Bislang haben die so genannten 527-Gruppen rund 268 Millionen Dollar eingesammelt", sagt Ken Cooper vom Forschungsdienst Political Money Line in Washington - 527 bezieht sich dabei auf den Paragraphen im Steuerrecht, der die Organisationen steuerlich begünstigt.

Obwohl die geheimen Wahlkampfhelfer offiziell parteiunabhängig sein müssen, lassen sich jedoch die wichtigsten von ihnen politisch zuordnen. Neun der zehn größten Spendensammler stehen den Demokraten nahe. Gruppen wie "Moveon.org" oder "America Coming Together" rufen offen zur Abwahl von Bush aus. Ihre größten Geldgeber sind der Investment-Milliardär George Soros sowie der liberale Versicherungsunternehmer Peter Lewis. Beide haben mehr als 12 Mill. Dollar gespendet, um einen Wechsel im Weißen Haus zu erreichen.

Die Republikaner haben die Gesetzeslücke viel zu spät erkannt und versuchen nun, aufzuholen. "Es gibt eine ganze Reihe von wirtschaftsnahen Organisationen, die eher den Republikaner nahe stehen, von deren Spendentätigkeit wir aber nichts wissen", sagt der Wahlbeobachter Cooper.

Die Wahlaufseher der FCC haben vergangene Woche zwar dem Trei-ben der privaten Politagitatoren ei-nen neuen Riegel vorgeschoben. Die strengeren Regeln treten jedoch erst nach der Präsidentschaftswahl im November in Kraft. So können die Kerry-Kritiker aus dem Veteranen-Lager in dieser Woche wohl auch ihre zweite Attacke starten: In einem neuen Wahlkampfspot werfen sie ihrem Ex-Kameraden vor, mit seinen Anti-Kriegsreden Anfang der 70er Jahre dem Feind in die Hände gespielt zu haben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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