Heimpleiten für Hertha, Hamburg, Kaiserslautern
Bundesliga bleibt Premium-Produkt

Volle Stadien, viele Tore, neue "Helden", alte Faszination: Die Fußball-Bundesliga bleibt ein Premium-Produkt, nach zehn Wochen Pause macht ein Auftakt voller Schwung und Dynamik Lust auf die restlichen 33 Spieltage der 41. Saison.

HB/dpa DÜSSELDORF. Speziell beim Titelverteidiger: "Traumfußball" machte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß beim 3:1 gegen Aufsteiger Eintracht Frankfurt für zumindest 45 Minuten aus. Der Konkurrenz wurde eindrucksvoll demonstriert, "was eine Spitzenmannschaft ausmacht" (Trainer Ottmar Hitzfeld). Und wenn Deportivo La Coruna jetzt noch Torjäger Roy Makaay an die Isar ziehen lässt, führt wohl nur ein Weg zum Titel: der über den FC Bayern.

In München drehten die Langzeit-Verletzten Hasan Salihamidzic und Sebastian Deisler, Neuzugang Tobias Rau und Zé Roberto mächtig auf, andernorts die Gäste-Teams. Die im UI-Cup arg gescholtenen Profis von Werder Bremen ließen im Olympiastadion den hoch gelobten Herthanern keine Chance, Liga-Pokal-Gewinner Hamburger SV fiel ebenfalls mit 0:3 gegen Hannover 96 in eine akute Start-Depression.

Anders als in Berlin und Hamburg herrschte auf dem Bökelberg Hochstimmung. Denn der 1:0 (0:0)-Erfolg von Borussia Mönchengladbach im Rheinderby gegen den Aufsteiger 1. FC Köln war ganz nach dem Geschmack der heimischen Fans. Nur eine Minute nach dem Platzverweis für seinen Mitstreiter Moses Sichone (61.) beförderte der Kölner Matthias Scherz den Ball unglücklich ins eigene Netz. Grund zur Freude hatten auch die Fans des VfB Stuttgart. Im zweiten Sonntags- Spiel gelang Neuzugang Imre Szabics beim 2:0 (0:0)-Erfolg in Rostock ein Traum-Debüt: Der erst in der 61. Minute eingewechselte Ungar avancierte mit einem Doppelschlag (75./76.) zum Matchwinner.

Beim 1. FC Kaiserslautern musste Trainer Erik Gerets gleich drei Rückschläge verkraften: Das 0:1 gegen den TSV 1860 München, den neuerlichen Besitz der "Roten Laterne" und den Verlust der Verteidiger Hany Ramzy (Kreuzbandriss), Aleksander Knavs (Handbruch) und Bill Tchato (Rote Karte). Für Ramzy ist es besonders bitter: Der Ägypter hatte nach überstandenem Innenbandriss erst wieder den Anschluss geschafft und gegen die "Löwen" erstmals seit dem 12. April wieder ein Pflichtspiel für die "Roten Teufel" bestritten.

Ein Fehlstart droht auch Hertha BSC und dem HSV. Die Champions League ist das erklärte Ziel der Berliner, doch gegen Bremen "glänzten" die Gastgeber (Fredi Bobic: "Alles war mangelhaft") mit einem Fehler-Festival und müssen lange auf Marcelinho verzichten. Der Spielmacher zog sich einen Bruch des Mittelfußknochens zu und fällt voraussichtlich zehn Wochen aus. "Auf dem Boden der Tatsachen", so Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann, findet sich auch der HSV wieder, der von Hannover 96 mit dem überragenden Rückkehrer Jan Simak entzaubert wurde. Den Kampf habe man vergessen, bemerkte HSV-Trainer Kurt Jara. Doch ohne diese Eigenschaft ist in der Bundesliga nur schwer zu Zählbarem zu kommen.

Die Fans des FC Schalke 04 haben ihren neuen "Helden" schon für sich erkoren: Hamit Altintop brachte das Star-Ensemble von Borussia Dortmund mit zwei Toren fast im Alleingang zum Wanken, das glückliche Ende indes blieb aus. Ausgerechnet der 1,8-Millionen-Euro-Einkauf vom Drittligisten Wattenscheid 09 leitete in der Nachspielzeit Marcio Amorosos Ausgleich zum 2:2 ein - und dennoch war der 20 Jahre junge Türke gegen Stars wie Jan Koller, Tomas Rosicky oder Amoroso der Gewinner des Tages. Schalkes neuer Coach Jupp Heynckes fühlte sich gar an den frühen Lothar Matthäus erinnert, warnte aber davor, "das Ganze nicht zu hoch zu hängen".

Fast-Absteiger Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg müssen erst noch Nachweis führen, wie viel die ersten Siege wirklich wert sind. Unter dem Bayer-Kreuz weckte das 4:1 gegen Wiederaufsteiger SC Freiburg schnell alte Gelüste: "Mit einem guten Start können wir sicher oben mitspielen um die UEFA-Cup - oder Champions-League- Plätze", meinte der aus Wolfsburg zurück gekehrte Robson Ponte. Nach seinem dritten Sieg im dritten Spiel als Bayer-Chefcoach war Klaus Augenthaler erst einmal erleichtert: "Der Druck war schon sehr groß."

Auch der auf Wolfsburgs "Mini-Maradona": Andres D'Alessandro war nach Ansicht von VfL-Trainer Jürgen Röber einen Teil der 9-Millionen- Euro-Investition wert. Denn der 23-jährige D'Alessandro war beim 3:2 gegen den VfL Bochum indirekt an allen Wolfsburger Toren beteiligt. Doch bei Zweikämpfen, im Tempospiel und im Abschluss offenbarte der Argentinier noch Schwächen: "Ich weiß, dass ich mich noch steigern muss." Einer indes gefiel die Deutschland-Premiere des Sohnes: Auf der Tribüne wischte sich Mutter D'Alessandro Tränen der Rührung aus den Augen.

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