Heiner Kamps versucht sich im Tennis
Boris’ Bäcker

Beim Hamburger Turnier machen Boris Becker und Heiner Kamps gemeinsame Sache. Sie treten als Retter des klammen DTB auf und sehen für sich selbst beste Vermarktungschancen.

DÜSSELDORF. Geht ganz schnell beim Boris. Kaum ist eine Frau näher als - sagen wir mal - drei bis vier Meter - an ihn herangetreten, schon fragen die Zeitungen mit den prallen Überschriften gierig nach: Ist das seine Neue? So geschehen am vergangenen Wochenende bei der Unesco-Benefizgala in Neuss.

Tennisstar Becker war da und versetzte mit seiner blonden Begleitung insbesondere die Bild-Zeitung in Wallung. Judith, 18, ist die Tochter von Ex-Großbäcker Heiner Kamps. Der beschied das Boulevardblatt sogleich mit der Feststellung: "Meine Tochter ist zu jung für Boris." Mag sein, aber genau dieser Kamps hatte lange Zeit auch geglaubt, dass der italienische Nudelhersteller Barilla sein Unternehmen nicht schlucken wird. Später staunte er.

Bislang soll es so sein, dass Becker mehr mit dem Bäcker denn mit dessen Nachwuchs zu tun hat. Im Verbund mit der Investitionsgruppe ACE um Kamps will der dreifache Wimbledonsieger künftig wieder im Tennisbusiness Geld verdienen. Heute wird das Doppel Becker/Kamps, dass die Vermarktungsrechte am Hamburger Herrenturnier erworben hat, seine weiteren Pläne in Berlin vorstellen. Ein purer Gnadenakt ist der Einstieg für die ungewöhnliche Investorengemeinschaft nicht. Man zahlt dem Deutschen Tennis-Bund 1,5 Millionen Euro und geht davon aus, in Zukunft deutlich mehr zu erzielen. "Für uns gilt auch: Man setzt sein Geld ein, wenn eine Aktie am Boden ist. Und nicht, wenn sie top ist", sagt Becker.

Die Aufregung über einen "Superdeal" für den sechsmaligen Grand- Slam-Champion, der angeblich im Falle roter Vermarktungszahlen sein Defizit aus dem Erlös eines zwingenden Turnierverkaufs rückerstattet bekommen würde, verwundert schon ein wenig: Ohne Beckers Rettungsversuch zumindest für das Jahr 2003 wäre der abgewirtschaftete Wettbewerb längst wie zuvor auch das Damenturnier an ausländische Interessenten verkauft. "Dass Unternehmen, auch das von Becker, so eine Situation ausnutzen und bis an die Schmerzgrenze zu ihren Gunsten verhandeln, ist normal", sagt ein DTB-Spitzenmann.

Beim DTB ist man inzwischen eh froh über jeden Cent. Und täglich werden sie an das Finanzdilemma erinnert. Denn sie haben es immer vor Augen, den Größenwahn und seine Folgen. Aus den Räumen der vornehmen Geschäftsstelle in Hamburg fällt der Blick der Mitarbeiter auf den schmucken Centre Court am Rothenbaum, auf die teuerste und folgenschwerste Fehlinvestition, die sich der ehrwürdige Verband in seiner wechselvollen Geschichte geleistet hat. Wenn am heutigen Freitag im Berliner Hotel Intercontinental aus allen Gauen die Verbandsfürsten und geladene Gäste aus Politik und Gesellschaft zum Festakt des 100-jährigen Bestehens des DTB zusammenströmen, ist der hanseatische Tennisplatz ausnahmsweise einmal fern - und doch immer präsent.

Denn über der Feiergesellschaft lastet das Finanzdesaster. Jene Investitionswut, die einst mit der sündhaft teuren Überdachung und dem Umbau des Center Courts begann. Die Zahlen sind längst so schlecht, dass auch eine Insolvenz des mit 8,5 Millionen Euro in die Miesen geratenen kommerziellen Ablegers (DTB-Holding) nicht ausgeschlossen werden kann.

Fieberhaft verhandeln die DTB-Herren seit Wochen mit ihren Landesverbänden und den Banken, um ein Sanierungspaket zu schnüren. "Wir können nicht ewig Schuldendienst ohne jede Perspektive leisten", sagt Georg von Waldenfels. Der frühere bayerische Finanzminister bettelt auch bei seinen Hamburger Parteifreunden von der CDU um eine Senatsbürgschaft.

Kann, wieder einmal, Boris Becker alles richten für den schwer angezählten DTB? "Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, was aus dem Tennis in Deutschland geworden ist", sagt Becker. Er macht sich so seine Gedanken und glaubt, dass alles ein wenig lauter, schriller und lärmender werden muss. Cheerleader sollen auftreten, aber auch Stars von gestern wie Noah oder McEnroe werden "irgendwie eingebunden". Dann, ja dann, so meint Becker, kommen auch Sponsoren.

Heiner Kamps ist selbst einer. Bei der Mannschaft-WM im Düsseldorfer Rochusclub fungiert er als Geldgeber und Stammgast. Und auch heute im Ballsaal des Interconti wird er dabei sein. Ob Tochter Judith erneut an der Seite vom Bäcker und von Becker auftaucht, wissen wir nicht. Wohl aber, dass für Begleitpersonen der geladenen Gäste ein stolzer Eintrittspreis von 50 Euro zu entrichten ist. Armer DTB.

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