Heinz Harling ist Vorstandsvorsitzender der Technotrans AG
Nemax: Interview mit Technotrans-Chef Harling

Am 24. Juni steigt der Spezialmaschinenbauer Technotrans in den Nemax-50-Index auf. Im Kerngeschäft kämpft das Unternehmen aber noch gegen den Umsatzrückgang.

Herr Harling, wie beurteilen Sie den Indexaufstieg?

Sicherlich zeigt es die Qualität unserer Arbeit und dass es sich am Neuen Markt auf Dauer lohnt, auf Substanz zu setzen. In den vergangenen drei Monaten haben wir den Nemax-All-Share-Index deutlich outperformt. Wir können also zufrieden sein.

Viele Anleger sind misstrauisch, was die Gewinnschätzungen der Neue-Markt-Unternehmen angeht. Auch Sie mussten im vergangenen Jahr Ihre Zahlen korrigieren. Wie zuverlässig sind Ihre Planungen für das laufende Geschäftsjahr?

2001 haben wir geschäftlich Pech gehabt mit verschiedenen Aktionen und Akquisitionen. Aber bei einem "normalen" Geschäftsgang und auf Grund unserer soliden Planung, die ich als sehr konservativ verstanden wissen will, bin ich mir sicher, das wir unsere Ziele auf der Umsatz- und der Ertragsseite erreichen. Ich sehe jedenfalls kaum ein Risiko, Investoren zu enttäuschen. Das können wir uns nach 2001 auch nicht mehr leisten.

Wenn man sich anschaut, was in Ihren Kernmärkten passiert: Ist Ihre Wachstumsstory noch intakt?

Wir haben mit unseren Quartalszahlen bewiesen, dass wir in einem extrem schwachen Markt erfolgreich bestehen können. Unser Umsatz ist fast stabil geblieben. Das schafft man natürlich nicht beim Ertrag. Wir werden bei unserem Wachstum noch stärker auf die Profitabilität haben.

Vor allem in Ihrem Kerngeschäftsfeld, der Flüssigkeitstechnologie für Druckmaschinen, ist es aber zu einem deutlichen Umsatzrückgang gekommen. Wie ist dieser starke Einbruch zu erklären?

Wir haben Umsatzrückgänge, die liegen je nach Kunde zwischen 15 und 40 Prozent. Das ist gigantisch und fast über Nacht und nicht etwa über Monate gekommen. In bestimmten Märkten, vor allem in den USA waren Orders nach dem 11. September wie abgeschnitten oder wurden sogar storniert. Das führte dazu, dass die gesamte, eigene Lieferplanung nicht mehr stimmte. Wir haben darauf relativ schnell reagiert - etwa mit Mitarbeiterentlassungen und Kosteneinsparungen. Die Zahlen aus dem ersten Quartal zeigen, dass diese Aufgabe im Großen und Ganzen bewältigt ist. Es gibt noch einen gewissen Kostennachlauf, aber das ändert nichts an der Tendenz.

Sie haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Sie, obwohl Zulieferer der Druckmaschinenindustrie, vom zyklischen Auf und Ab der Branche kaum betroffen sind, weil sie ihren Wertschöpfungsanteil an einer Maschine kontinuierlich hochfahren. Das konnte den Einbruch aber nicht kompensieren. Warum?

Das liegt ausschließlich an dem großen Volumen dieser Reduktion. Wenn ein Markt einen Rückgang zeigt wie Anfang der neunziger Jahre mit Umsatzeinbußen von 20 Prozent, können wir das durch unser Wachstum ohne Probleme ausgleichen. Wenn Sie allerdings Umsatzeinbrüche von bis zu 40 Prozent haben und es trotzdem schaffen, das Vorjahresniveau zu halten, dann ist das ein deutliches Signal dafür, dass unser Geschäftsmodell stimmt. Außerdem: Sobald der Markt wieder dreht, werden wir durchstarten.

Aber auch Ihr zweiter Bereich, die CD/DVD-Technologie, ist zu einem Problemkind geworden.

Ich würde den Bereich nicht als Problemkind bezeichnen. Wir haben uns im vergangenen Jahr durch die Akquisition zwar in der Tat ein Problem eingehandelt, weil kurz danach das Mutterunternehmen Toolex in Konkurs gegangen ist und erwartete Umsätze ausblieben. Generell muss man aber sagen, dass der Bereich profitabel arbeitet, wenngleich der Gesamtmarkt zurzeit relativ ruhig ist. Wir haben aber sehr deutliche Signale, die uns dazu ermutigen, den Bereich CD/DVD und Mikrostruktur auszubauen. Es lässt sich schon heute absehen, dass allein die Technologie der Mikrostruktur in ein paar Jahren so groß ist wie der gesamte Bereich heute.

Was muss man sich unter Mikrotechnologie vorstellen?

Es geht dabei im Prinzip um kleinste mechanische Komponenten, etwa aus Kunststoff oder Metall, die in einem ganz bestimmten Verfahren hergestellt werden. Unsere Anlagen liefern entweder die Form oder das Produkt selbst. Anwendungsbeispiele sind entspiegelte Displays bei Mobiltelefonen oder der Bereich Medizintechnik. Unternehmen, die beginnen, mit dieser Technologie zu arbeiten, sind froh darüber, dass sie mit uns einen Partner gefunden haben, der ihnen auf industriellem Level notwendige Produktionsanlagen anbieten kann.

Sie haben in den vergangenen Jahren relativ viele Akquisitionen getätigt. Wie geht es damit weiter, und wann wird Technotrans die Früchte dieser Strategie ernten?

Also, ich darf sagen, dass die meisten unserer Akquisitionen heute ihren Wachstums- und Ergebnisbeitrag leisten. Ich würde auch heute noch die Entscheidung treffen, in den USA zu investieren. Wir haben es damals halt zu einem falschen Zeitpunkt gemacht. Die Kernaussage ist: Wir werden im Jahr 2002 sicherlich keine Akquisitionen machen, aber das Thema ist für uns nicht tot. Technotrans wird weiter wachsen und das Produktportfolio erweitern, weil unsere Kunden das wünschen. Dabei werden wir in jedem Einzelfall entscheiden, ob es Sinn macht, das Produkt selbst zu entwickeln oder zukaufen. Wichtig ist, dass das Unternehmen angemessen bewertet ist und wir es nach Goodwill profitabel bekommen können.

Sie haben in dieser Woche einen Kapitalsplit durchgeführt. Ist das der richtige Zeitpunkt?

Ja. Das ist genau das richtige Zeichen, was wir setzen. Weil wir Vertrauen in die Zukunftschancen des Unternehmens und damit in die Aktie haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%