Heinz Krogner ist Chef der Esprit-Holding für Europa und Amerika
Provokateur und Macher

Der Mann nimmt kein Blatt vor den Mund. "Es ist toll, wenn eine Marktbereinigung stattfindet. Es gibt Tausende kleiner Modeanbieter in Deutschland, so viele braucht kein Mensch", tönt Heinz Krogner.

DÜSSELDORF. Wenn er über die Krise der deutschen Modebranche spricht, kennt er kein Pardon. Während kleine Hersteller resignieren, befindet sich der Esprit-Chef für Europa und Amerika in Aufbruchstimmung. Krogner hat gut reden. Das Europa-Geschäft des Textilherstellers Esprit ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent und das operative Ergebnis sogar um 40 Prozent gestiegen. Als Dank befördert das börsennotierte Unternehmen, das seinen Sitz in Hongkong hat, jetzt den Einzelhandelsexperten.

Wie die "Absatzwirtschaft" in ihrer aktuellen Ausgabe meldet, wird Krogner den Mehrheitseigner Michael Ying in seiner Funktion als Vorstandschef der Holding ablösen. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben, Sitz des Konzerns bleibt Hongkong. Schon vor Monaten hatte sich der gelernte Verfahrensingenieur in Pressegesprächen selbstbewusst dafür ausgesprochen, die europäische Tochter müsse mehr Gewicht bekommen. "Schließlich machen wir den Löwenanteil des Umsatzes in Europa", sagt Krogner, nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Dazu hat er wesentlich beigetragen: Als er vor sieben Jahren zu Esprit kam, lag der Europa-Umsatz bei gut 300 Millionen Euro. Heute verkauft die Sparte Hosen, Pullover und Schuhe für 989 Millionen Euro, mehr als 80 Prozent des Konzernumsatzes

.

"Zufrieden bin i nie"

Der von der Statur eher kleine Esprit-Chef will noch höher hinaus. "Zufrieden bin i nie", verkündet der quirlige Bayer, der nicht so recht in die Düsseldorfer Modeszene passen will. Die antrainierte Vornehmheit vieler Branchenkollegen ist ihm ebenso fremd wie der rheinische Chic. In Jeansjacke, Carhartt-Markenjeans und sportlichem Schuhwerk gibt sich der 61-Jährige betont jugendlich. "Er ist ein dynamischer Typ, ein Macher eben", attestiert ihm eine Geschäftspartnerin. Im Gespräch sprudeln die Sätze nur so aus ihm heraus, ein Gemisch aus bayerisch und englisch, bei dem er häufig die Silben verschluckt.

Modebranche krebst in Deutschland vor sich hin

Wenn er von Esprit spricht, nennt er drei "Benchmarks": "Schau ich mir die Firma heute und in der Vergangenheit an, stehen wir aktuell viel besser da. Vergleiche ich uns mit der Konkurrenz, schneiden wir natürlich auch besser ab. Schau ich mir allerdings die Realität an und stelle meine Träume gegenüber, dann werd ich ganz unzufrieden." Wenn sein Gegenüber dies als überheblich empfinden sollte, schickt er schnell ein herzliches Lachen hinterher.

Krogner bewegt sich auf einem schwierigen Markt. Die Modebranche krebst in Deutschland vor sich hin, viele Mittelständler stehen kurz vor dem Aus. Billiganbieter wie H&M, Zara oder Pimkie legen jedoch stetig zu. Dazwischen versuchen Unternehmen wie Esprit, Mexx oder S?Oliver, sich mit Qualitätskleidung zu guten Preisen zu etablieren. Marketing-Mann Krogner drückt es selbstverständlich anders aus: "Leute begeistern, das ist unser Job." In seiner Branche hat der ehemalige Geschäftsführer von Mac Jeans jedoch nicht nur Freunde. Gerade Designer kleinerer Label oder Fachhändler werfen Krogner vor, er pflastere sämtliche Städte der Republik mit seinen einheitlich gestalteten Esprit-Stores und Einheitsware. Ihnen entgegnet Krogner lapidar. "Wer braucht denn mehr als 1500 verschiedene Marken?"

Er klagt über das Überangebot auf dem deutschen Markt. "Ich weiß, Frauen brauchen viele Marken", fügt Krogner schmunzelnd hinzu. "Ein paar hundert vielleicht, aber nicht so viele." Mit seiner neuen Macht als Chef des Gesamtkonzerns will Krogner den Marktanteil deutlich ausbauen. In Deutschland hat Esprit bislang einen Anteil von zwei Prozent. H&M erreiche auf seinem Heimatmarkt Schweden etwa 16, Zara decke in Spanien mehr als zehn und Gap in den USA sechs Prozent des Marktes ab. "Wenn meine Leute mir sagen, der Markt sei schwierig, weil die Wirtschaft schlecht läuft, dann ärgert mich das. Solche Ausreden hat heutzutage jeder."

Krogners Arbeitspensum wird nicht kleiner

Doch Krogner kennt auch leise Töne. Wenn der Vater eines erwachsenen Sohnes von den Schattenseiten seines Jobs spricht, fallen Worte wie Einsamkeit und Zurückgezogenheit. "Aber das gehört zu meinem Job dazu. Ich bin sogar froh über ein paar Stunden Einsamkeit - so viel, wie ich unterwegs bin", setzt er gleich hinzu. Das Arbeitspensum als Vorstandschef des Gesamtkonzerns wird jedoch nicht kleiner werden. Krogner kümmert sich künftig um die Geschäfte in Europa, Amerika und Asien - und will in allen Märkten wachsen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%