Heiße Leidenschaft
Souvenirjäger auch bei Minusgraden eisern

Warm eingepackt in dicke Jacken, die Mützen tief in die Stirn gezogen, so stehen sie schon am frühen Morgen parat. In ihren Händen halten sie kleine Stoffbeutel, auch mit Filz, Samt oder Kork beklebte Pappdeckel oder Brettchen. Heiß begehrt sind die Abzeichen, die später einmal an besondere Ereignisse erinnern sollen.

HB/dpa SALT LAKE CITY. Um ein Andenken zu erhaschen, bleiben die Souvenirjäger auch bei Minusgraden eisern. Bei Wind und Wetter postieren sie sich vor den Sperrzonen und stellen jedem, der Zugang zu den hermetisch abgeriegelten Gebieten und Gebäuden sucht, die gleichen Fragen.

"Woher kommst du? Hast du Pins?", möchte auch die 43 Jahre alte Lisa aus der Nähe von Kopenhagen wissen. Die Dänin wartet nun schon seit mehreren Tagen jenseits des hohen Drahtzauns, der sie am Schritt in die Welt von Olympia hindert, auf den großen Fang. Lisa hat schon Wochen vorher Vorbereitungen getroffen und zur Sicherheit genügend Tauschmaterial eingepackt, bevor sie sich auf den Weg nach Salt Lake City, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2002, gemacht hat. Doch die Ausbeute ist eher mager. Sie konnte zwar schon ein paar neue Abzeichen in ihren Stoffbeutel stecken, aber von der erwünschten Anzahl ist sie noch weit entfernt.

Die Sammler aus Leidenschaft müssen neben einem guten Riecher eine große Portion Ausdauer haben. Mit jedem Andenken schreiben sie auch einen kleinen Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte. Und die Erinnerungen sind vielen Sammlern eine Menge wert. Richtige «Schätzchen» können da auch schon mal ein tiefes Loch in die Reisekasse reißen: Für den zum Wilden Westen passenden limitierten Cowboy-Hut zum Anstecken muss der Sammler mehr als 100 Dollar (115 Euro) berappen. Exemplare aus Großauflagen gibt es schon für rund 7 Dollar (8 Euro).

Im Straßenverkauf fast überhaupt nicht mehr zu finden ist der Anstecker mit der Schüssel voll gewürfelter Limonen-Gelatine. Er entwickelte sich zum absoluten Renner und ist für 150 bis 200 Dollar (200 bis 230 Euro) fast nur noch in Sammler-Kreisen zu haben. Doch echte Pin-Sammler kaufen selten. "Möchtest du tauschen?" ist die Frage, die an der 200 South Street am häufigsten gestellt wird. Dort reihen sich Tische und Wäscheständer, auf denen die zum Tausch und Kauf angebotenen Sortimente präsentiert werden.

Anstecknadeln werden im Mormonen-Staat neben Postkarten, Baseball- Kappen, Shirts und Maskottchen derzeit in fast jedem Geschäft angeboten. Die Souvenirläden haben schon vor Eröffnung der Spiele einen echten Run auf die offiziellen Olympia-Pins erlebt. Und das Pin-Fieber ist auch in der zweiten Hälfte der Winterspiele kaum gesunken: Menschenmassen finden sich nicht nur vor den Türen der Verkaufsstellen von Eintrittskarten. Auch die limitierten "Pins des Tages" sorgen für Stau auf den Gehwegen.

Doch der Erfolg der Sammler ist nicht garantiert. So mancher muss geknickt feststellen: Außer Spesen nichts gewesen. Das schreckt die Jäger und Sammler aber nicht ab. Denn am Ende ihrer langen Reise bringen sie die ganze Welt mit nach Hause, ihre Welt - winzig klein und aus Blech.

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