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Heißer Reifen beim B2C-Geschäft

Hat da jemand behauptet, dass das Geschäft mit dem Endkunden im Internet nicht funktioniert? Zwei Hannoveraner Geschäftsleute beweisen das Gegenteil: Sie verkaufen Autoreifen im Netz - mit einigem Erfolg.

Auf Außenstehende wirkt das Verhältnis, das Rainer Binder zu Reifen hat, schnell etwas befremdlich: "Ist der nicht schön?", fragt der 43 Jahre alte Diplom-Ökonom, nachdem er ein Pneu in den Konferenzraum gerollt hat, "der sieht doch wirklich toll aus, oder?" Binder bemerkt das Stirnrunzeln des Besuchers und er fügt hinzu: "Ich meine das wirklich ernst." Dann springt ihm sein Partner, Andreas Prüfer, 38, zur Seite: "Wir haben halt einfach Bock auf Reifen."

Seit mehr als einem Jahrzehnt verdienen die beiden Hannoveraner ihr Geld in der Branche - erst als Führungskräfte beim Reifenkonzern Continental, seit Mitte 1999 als Geschäftsführer eines Startups: im Juli 1999 haben Prüfer und Binder die Delticom AG gegründet. Neben klassischem Reifengroßhandel verdient das Unternehmen sein Geld mit dem Verkauf von Reifen über das Internet - an Endverbraucher. Delticom hat ein Netzwerk von gut 1 000 Werkstätten in Deutschland aufgebaut, die die Reifen auf Wunsch des Kunden montieren.

Und das Geschäft brummt: Nach eigenen Angaben machte das Startup im vergangenen Jahr 13,4 Millionen DM Umsatz und schrieb schwarze Zahlen. Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen lag laut Delticom bei 140 000 DM. Vor wenigen Wochen haben Prüfer und Binder die Umsatz-Prognose für dieses Jahr heraufgesetzt: von 30 auf 35 Millionen DM.

Und auch sonst sind die beiden anders als die meisten anderen Internet-Unternehmer: Sie kennen ihre Branche wie ihre Westentasche und agieren außerordentlich vorsichtig: "Wir können erst Geld ausgeben, wenn wir es verdient haben", ist ihre Devise. Statt Millionen für Fernsehwerbung zu verpulvern, schalten sie nur wenige Anzeigen in Autozeitschriften. Und auf Kredite haben die Gründer komplett verzichtet, erst nach einem Jahr haben sie 6 Millionen DM Wagniskapital eingesammelt - Geld, mit dem das Unternehmen seinen Börsengang finanzieren will. Der ist auf unbestimmte Zeit vertagt, die Millionen liegen unangetastet auf der Bank.

Inzwischen bewegt sich selbst Binders und Prüfers ehemaliger Arbeitgeber, die Continental AG: Der Konzern hat angekündigt, in Zukunft auch über das Internet Reifen an Endverbraucher verkaufen zu wollen. Aber gut Ding will Weile haben - dieses Abenteuer soll in Deutschland erst im Winter 2002 beginnen.

Schreiben Sie dem Autor: o.storbeck@vhb.de

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