Hektische Manöver bei der Anlage vermeiden
Derivate: Geduld und Ausdauer gefragt

Nicht nur für Sprinter eignen sich Zertifikate oder börsengehandelte Fonds. Man kann damit auch eine langfristige Strategie verfolgen.

DÜSSELDORF. Im Schlaf Geld verdienen - wer möchte das nicht? In der Fachsprache heißt das "passives Management". Im Gegensatz zum aktiven Management versucht bei der passiven Methode niemand, besser zu sein als die anderen. Stattdessen wird einfach möglichst direkt in Indizes, die bestimmte Märkte abbilden, investiert. In den USA hat dieser Trend breit Fuß gefasst - die Fondsgesellschaft Vanguard ist damit groß geworden.

Hintergrund ist die Erfahrung, dass nur wenige aktive Fondsmanager es schaffen, besser zu sein als der Index, an dem sie sich orientieren. Das ist nicht verwunderlich. Denn aktives Management ist mühsam, man braucht dafür gut bezahlte Analysten, die sich intensiv mit einzelnen Papieren beschäftigen. Das kostet Geld. Da aber sehr viele Vermögensverwalter diesen Aufwand betreiben, ist es trotz guter Analysen dennoch schwierig, besser zu sein als der Durchschnitt. Und wenn von einem durchschnittlichen Ergebnis noch hohe Kosten abgehen, bleibt das Gesamtergebnis unter dem Marktdurchschnitt, der durch den Börsenindex abgebildet wird.

Passives Investment ist besonders geeignet für Anleger, die ihrem Vermögen mit einfachen Mitteln eine langfristig gute Struktur geben wollen - keine Sprinter, sondern Langstreckenläufer.

Steuerlich sind Zertifikate zurzeit sehr günstig

Für passives Investment stehen Zertifikate und Fonds zur Verfügung. Bei den Fonds gilt die relativ neue Kategorie der ETF (Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Fonds) als vergleichsweise kostengünstig - daher tauchen auch nur solche Fonds in der Tabelle auf. Bei den Zertifikaten wurden vorzugsweise solche mit unendlicher Laufzeit ausgewählt. Nicht bei allen Zertifikaten bekommt der Anleger die Dividenden - bei Perfomanceindizes ja, bei Kursindizes nein. Fonds hingegen schütten Dividenden aus oder schreiben sie dem Anleger gut. Bei Zertifikaten wird der Anleger in der Regel nur durch den "Spread", den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs, zur Kasse gebeten. Für diese Spreads gibt es unterschiedliche Spielregeln, die Deutsche Bank erhebt zum Beispiel feste Cent-Beträge, so dass sich der Prozentsatz mit dem Kursniveau verändert. Bei Fonds zahlt der Anleger indirekt zusätzlich eine jährliche Gebühr (s. Tabelle). Ein weiterer Unterschied: Der Fonds ist nicht abhängig von der Fondsgesellschaft, sein Vermögen gehört direkt den Anlegern. Ein Zertifikat hingegen kann wertlos werden, wenn die ausgebende Bank Pleite geht. Es empfiehlt sich also, nicht nur von einem Anbieter zu kaufen.

Die meisten Zertifikate bilden Aktienindizes ab, einige wenige auch Renten, also Zinspapiere, sogar für Immobilien gibt es ein Angebot. Ein wichtiger Vorteil gegenüber Fonds: Der Anleger streicht die Rendite rein als Kursgewinn ein. Wenn er die Papiere lange genug behält (mindestens ein Jahr), erhält er diese Rendite also steuerfrei. Das ist jedenfalls bisher so - niemand kann ausschließen, dass einzelne Finanzämter oder Gerichte künftig die Dinge anders sehen werden.

Wer sich ein Depot aufbauen möchte, sollte zunächst seinen Aktien-, Renten- und Immobilienanteil festlegen. Möglich wären zum Beispiel 50 Prozent Aktien, 40 Prozent Renten, zehn Prozent Immobilien. Bei dieser Aufteilung ist wichtig, dass das gesamte Vermögen berücksichtigt wird - zum Beispiel steckt häufig ohnehin schon Geld in einer Wohnimmobilie. Außerdem gilt: Je risikofreudiger und erfahrener der Anleger ist, desto höher darf der Aktienanteil sein. Dabei empfiehlt es sich, für die Aktien einen Zeithorizont von mindestens fünf Jahren einzuplanen - Mittel, die voraussichtlich früher benötigt werden, sind besser in risikoärmeren Rentenpapieren angelegt.

Im Extremfall genügen dann zwei Papiere (wenn Immobilien schon anderweitig vorhanden sind), um ein Depot zu strukturieren: eines auf den Index MSCI World, der die Aktienmärkte der entwickelten Länder weltweit abbildet, und eines auf einen Rentenindex. Wer den Aktienanteil selbst aus mehreren Indizes zusammenbaut, sollte auf eine ausgeglichene Struktur achten. Zur Orientierung: Im MSCI World nehmen die USA mehr als die Hälfte ein, Europa rund 30 Prozent und Japan knapp zehn Prozent. Wichtig ist, die Unterschiede der Indizes zu beachten: Euro Stoxx bezieht sich nur auf Euroland, beim breiteren Stoxx sind auch Großbritannien, die Schweiz und Schweden dabei. Viele Privatanleger werden aber, um Wechselkursrisiken gering zu halten, lieber einen Schwerpunkt auf Euroland legen. Diese Region wird zurzeit auch von Experten favorisiert, weil sie bessere Chancen bieten soll. "Wir sind in Euroland sehr deutlich übergewichtet", sagt zum Beispiel Nils Störling, Chefstratege für private Anlage bei der Commerzbank. Er orientiert sich für seine Kunden ohnehin mehr an den europäischen Stoxx-Indizes als am MSCI World.

Das Konzept des passiven Managements hat auch Grenzen. Zum einen sind nicht alle Märkte gut abgedeckt: Zu den Aktienmärkten einzelner Schwellenländer finden sich zwar Indexzertifikate, bisher aber noch nicht zu diesem Segment insgesamt. Solche Lücken werden aber möglicherweise in absehbarer Zeit geschlossen. Ein weiterer Punkt: Fonds können spezielle Strategien fahren, die nur durch aktives Management zu erreichen sind. So hatten in den vergangenen Jahren einige Fondsmanager mit dem Value-Ansatz guten Erfolg, bei dem gezielt niedrig bewertete Aktien gekauft und teure verkauft werden. Diese Strategie hat sich in schwachen Börsenzeiten bewährt, aber auch über lange Zeiträume. Anleger müssen daher nicht völlig auf den "passiven" oder "aktiven" Ansatz einschwenken, sondern können auch beide mischen. Wichtig ist aber, dass die Mischung nach Branchen und Regionen ausgeglichen bleibt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%