Helden der Turniergeschichte
Sommernachtsträume

Große Turniere machen Superstars. Das war in der Vergangenheit so und wird auch in der Zukunft so sein. Doch WM- und EM-Turniere haben immer schon auch einen erwählt, um ihn aus dem Schatten ins Rampenlicht zu holen, den niemand auf der Rechnung hatte: Abel Xavier und „Toto“ Schillaci etwa oder auch Dieter Eilts. Doch dem Ruhm des Sommers folgte nicht selten der Absturz. Einige Helden-Geschichten.

BERLIN. Seinen Dienst hinter David Beckham bei den Los Angeles Galaxy verdankt Abel Xavier seinen Haaren. Diese sind wassertoffgebleicht, stehen alle drei Monate in einer anderen Frisur beieinander, und weil das bei einem Mosambikaner mit portugiesischem Pass einen famosen Kontrast ergibt, ist Abel Xavier das Lieblingskind amerikanischer Lebensart-Magazine. Mehr noch aber verdankt er seinen Job der Europameisterschaft 2000. Erst das Turnier in den Niederlanden und Belgien hat seine Haare so schön zum Leuchten gebracht.

Exakt ist es der 28. Juni 2000. Abel Xavier hat mit Portugals „Goldener Generation“ um Luis Figo, Rui Costa, Fernando Couto und Joao Pinto bislang ein formidables Turnier gespielt und steht im Halbfinale den Franzosen gegenüber. Schlagen sie die amtierenden Weltmeister, ziehen sie ins Finale ein. Es wäre das erste Mal in ihrer Geschichte bei einem großen Turnier.

Dem Tag zu Ehren färbt sich der Nationalverteidiger mit den afrikanischen Wurzeln erstmals Bart und Haare blond. „Es sollte Glück bringen“, sagt Xavier. Stattdessen bringt es ihm größtes Leid. Nie wieder wird er nach diesem Halbfinale Tage erleben wie jene der letzten beiden Wochen, so sonnenbeschienen, so glorios, so vollkommen.

Das Turnier hat sich Xavier ausgesucht, weil Welt- und Europameisterschaften immer schon einen erwählt haben, um ihn aus dem Schatten der Stars hervorzuholen.

So wie die WM 1990 Salvatore Schillaci, genannt Totó, den ersten Turnierstar, der vorher keiner war und auch danach nicht. Seine ganze Hinterlassenschaft sind sechs Tore. Das erste erzielte der unscheinbare Stürmer von Juventus Turin, den sie vor der EM noch „terrone“ riefen, Erdfresser, im Spiel gegen Österreich. Schillaci ersetzte Carnevale und traf zum 1:0-Endstand. Fünf weitere Tore folgten, das vorletzte erzielte er beim 1:1 im Halbfinale gegen Argentinien, das letzte im Spiel um Platz drei. Trotz der bitteren Niederlage im Elfmeterschießen gegen Argentinien dichtete die „Gazzetta dello Sport“ nach dem Sieg über England (2:1): „Notti magiche di Totó“, Schilaccis magische Nächte.

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