Helle Aufregung in England
„Ich habe ihm richtig einen verpasst“

Roy Keane (31) ist einer der erfolgreichsten Fußballer Englands. Zwar ist er Ire - und das wurde auch sofort erwähnt, wann immer er aus einem Pub geworfen, in eine Schlägerei verwickelt oder eine Zelle gesperrt wurde. Aber er ist vor allem der Kapitän von Manchester United, wo er 1993 für die damalige Rekord- Summe von 3,75 Mill. Pfund (5,86 Mill. ?) anheuerte. Nun hat Keane, der bekennende Alkoholiker und Schläger, in einem Buch das Geständnis abgelegt, im vergangenen Jahr einen Spieler absichtlich so gefoult zu haben, dass dessen berufliche Karriere beendet war.

HB LONDON. "Ich glaube nicht, dass er sich irgendwas zu Schulden hat kommen lassen", sagte sein Trainer Sir Alex Ferguson am Dienstagabend in Budapest fast trotzig. Keane habe doch nur "gesagt, wie es ist". Sehr lobenswert also: "Das Buch liest sich ganz wunderbar, das Buch eines Menschen, der sich selbst völlig öffnet." Das verschlug dem seriösen "The Guardian" die Sprache: "Sir Alex läuft Gefahr, das nicht Vertretbare zu rechtfertigen."

Die unsägliche Geschichte beginnt am 27. September 1997 im Spiel "ManU" - Leeds. Keane, mit kräftigem Kater und nach eigener Einschätzung eigentlich nicht spielfähig, foult den Norweger Haaland, über den er sich schon lange geärgert hat. "Ich stürze mich auf ihn und weiß, dass das einen Feldverweis bedeutet. Es ist mir scheißegal. Als ich in ihn grätsche, verfangen sich meine Stollen im Gras und mein Kreuzband reißt." Während sich Keane voller Schmerzen auf dem Rasen wälzt, steht Haaland über ihm und schreit ihn an, er solle sich bloß nicht so anstellen.

Die Tatsache, dass er sich bei seinem brutalen Foul selbst verletzte, hat Keane dem Norweger nie verziehen. Am 21. April 2001 sieht Keane den Moment der Rache an dem nun für den Lokalrivalen Manchester City spielenden Haaland gekommen. "Ich hatte lange genug gewartet. Ich habe ihm richtig einen verpasst. Der Ball war da (glaube ich). Das ist für Dich, Du Scheißkerl. Und steh nie wieder über mir und beschuldige mich, eine Verletzung vorzutäuschen! Und sag Deinem Freund David Wetherall, dass er auch noch was abkriegt. Ich habe gar nicht auf die Karte des Schiedsrichters gewartet. Ich bin gleich vom Platz gegangen." Die Fotos zeigen, dass er ebenso drohend über Haaland steht wie dieser dreieinhalb Jahre zuvor über ihm.

Die Schockwellen des Geständnisses rollen über "ManU" hinweg. Haaland (29), dessen Knie so verletzt wurde, dass er seither nur ein einziges Mal wieder aufs Feld humpeln konnte, beriet sich mit seinen Anwälten über eine Millionenklage gegen Keane. Zwar haben alle gesehen, dass dieser absichtlich gefoult hatte, doch kann man es nun mit seinen eigenen Worten vor Gericht beweisen. Schon fordert "The Sun", Keane - der nach der Körperverletzung an Haaland die üblichen drei Spiele Sperre bekam - solle nun für drei Monate gesperrt werden. Eine Geldstrafe von umgerechnet 312 000 ? sei doch bei einem Mann unsinnig, der 81 000 ? pro Woche und netto verdient. Die englische Spielergewerkschaft ließ wissen: "Fußball findet nicht außerhalb der Gesetze des Landes statt." Und Manchester United teilte lediglich mit, man prüfe und wolle den fraglichen Text im Zusammenhang lesen.

Am Mittwoch bemühten die britischen Zeitungen gleich diverse Psychologen, die zu erklären versuchten, was Keane zu seinen immer neuen Wutausbrüchen treibt. Der war erst im Sommer von der Fußball-WM noch vor dem ersten Spiel heimgeschickt worden, nachdem er dem irischen Nationalcoach Mick McCarthy die (zurückhaltend übersetzte) Meinung gesagt hatte: "Du bist doch ein beschissenes Weichei. Ich habe von Dir als Spieler nichts gehalten und ich halte von Dir als Trainer und als Person auch nichts. Schieb Dir doch die WM in den Arsch." Keane sieht sich als Einzelgänger im Kampf gegen den Rest der Welt: Einst sagte er stolz, er habe von keinem ManU-Spieler dessen private Telefonnummer. "Die Gründe für sein Betragen liegen vermutlich sehr tief in seiner Kindheit. Die Unfähigkeit, seine Wut zu kontrollieren, beruht vermutlich auf Ereignissen vor 20 Jahren oder so", analysierte Sport-Psychologe Richard Cox in der "Times".

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