Helmut Thoma wird Vorstandsvorsitzender
Boris Becker ist drin

Online-Sportportale geraten im Sog der Krise des neuen Marktes immer mehr in Schwierigkeiten und werden mittlerweile dem betriebswirtschaftlichen Diktat unterworfen. In dieser Phase geht am kommenden Dienstag Sportgate in das Netz.

DÜSSELDORF. Hauptanteilseigner dieser Aktiengesellschaft ist Boris Becker, der 55 % hält. Den Rest der AG besitzen Venturepark (40 %) und der Deutsche Sportbund (5). Als Vorstandsvorsitzender agiert der frühere RTL-Chef Helmut Thoma. Das neue Portal, dessen Start schon vollmundig für den September vergangenen Jahres angekündigt wurde, will Inhalte zu etwa Sportarten von American Football bis hin zum Tischtennis bieten. Mit Unterstützung des Berliner Portals MeOMe werden Guides Hintergründe zu ihren Lieblingssportarten liefern. Unter anderem arbeitet die Fußball-Nationalspielerin Doris Fitschen für das Start-up. Aktuelle Nachrichten kommen vom Sportinformationsdienst und Sports.com.

Mit sport.de hat ein Internet-Portal, das ein ähnliches Konzept wie sportgate hatte, im vergangenen Jahr aufgeben müssen. Die Firma wurde mittlerweile von World of Internet aufgekauft, ein Hamburger Unternehmen das zur Zeit auch im Insolvenzverfahren steht. Auch ansonsten stehen die Unternehmen vor einer schwierigen Situation. Der europäische Player Sportal.com, hat schon für das kommende Jahr schwarze Zahlen angekündigt. Auf Druck der Investoren hat das 300 Mann starke Unternehmen jedoch zehn Prozent der Mitarbeiter entlassen müssen. Die Geldgeber, darunter unter anderem die Medienzaren Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi, hatten bei der letzten Finanzierungsrunde im Januar diesen Jahres weitere Gelder nur unter der Bedingung zugesagt, dass die Kosten gesenkt würden.

Sportal hatte im Jahr 2000 viel Geld regelrecht verbrannt. Als Sponsor bei der Fußball-Europameisterschaft, ein Investment in Höhe von ungefähr 25 Millionen Dollar, wurde der Großteil des Marketings-Etats in ein einziges Event gesteckt. Auch wenn die von Sportal offiziell betriebene Website www.euro.orgwährend der EM 128 Millionen Aufrufe hatte, war das nicht der große Durchbruch. Weiterhin betreut das in London ansässige Unternehmen auch Fußball-Clubs wie zum Beispiel Bayern München und unterstützt auch populäre Sportarten in Südafrika und Südamerika.

Und Quokka Sports aus San Francisco entlässt im Rahmen seiner Umstrukturierung 59 Prozent der 369 Angestellten. Die Einnahmen sind zwar von 13,1 Millionen Dollar (1999) um 260 Prozent auf 47,2 Millionen Dollar (2000) angestiegen. Dafür sind aber auch die Verluste von 54,4 Millionen (1999) auf 75,9 Millionen Dollar (2000) angestiegen. "Wir gehen in das Jahr 2001 und werden das Geschäft aggressiver angehen und die Ausgaben noch mehr kontrollieren", erklärte Alvaro Saralegui, der Quokka Sports President, Auf der einen Seite sollen Live-Übertragungen weiter fortgeführt werden und über den Verkauf an Sponsoren finanziert werden. Der Technologie-Bereich soll in Zukunft eigenständig werden. Neben der technischen Umsetzung der eigenen Berichterstattung soll diese Abteilung dann eigenständig auch für andere Anbieter Content und die technische Umsetzung leisten.

Wie Sportal als Sponsor bei der Fußball-Europameisterschaft eingebunden war, betrieb Quokka gemeinsam mit dem Fernseh-Network NBC die offizielle Seite der Olympischen Spiele in Sydney. Mehr als 5,6 Milliarden Nutzer besuchten diese Website. Trotz solcher Nutzungsrechte haben die Firmen Probleme. Schwierigkeiten sehen Experten auch bei sportgate voraus, schließlich verfügt der Markteinsteiger über keinerlei Rechte im Markt, speziell für bewegte Bilder. Die liegen bei der Fußball-Bundesliga im Hause Kirch und RTL.de hält die Rechte in der Formel 1 und beim Skispringen. Schwere Zeiten in einem schwierigen Markt für sportgate.

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