Hemdsärmeliger Ex-Putschist verspricht demokratischen Wandel
Venezuelas Staatschef Chávez nennt sich "Sozialrevolutionär"

Seine Gegner unterstellen ihm "diktatorische Gelüste". Für seine Anhänger ist er ein "Visionär". Er selbst nennt sich am liebsten einen "Sozialrevolutionär". Nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten Venezuelas versprach Hugo Chávez eine "wirtschaftliche und soziale Revolution" für das krisengebeutelte südamerikanische Land.

afp CARACAS. Was ihm bei einem Putsch am 4. Februar 1992 mit Gewalt nicht gelungen war, erreichte der mittlerweile 46-jährige Ex-Offizier nun auf demokratischem Wege: er ließ sich von der Wählerschaft im höchsten Amt des Staates bestätigen. Mit markigen Worten, in Hemdsärmeln und vorzugsweise mit seinem roten Barett der Fallschirmspringer auf dem Kopf, vermochte der Linkspopulist insbesondere die Armen für sich einzunehmen.

Nach seiner ersten Wahl zum Staatsoberhaupt im Dezember 1998 versprach Chávez eine neue Verfassung, die er in drei Volksbefragungen auch durchsetzte. Danach beträgt die Amtszeit des Präsidenten sechs Jahre, mit der Möglichkeit zu einer Wiederwahl. Bei den Armen - rund 80 Prozent der insgesamt 24 Millionen Venezuelaner - erfreut sich der charismatische Politiker großer Beliebtheit, versprach er doch, in dem erdölreichen Land den Gewinn aus dem kostbaren Rohstoff gerechter umzuverteilen. Korrupten Politikern und einem "wilden Neoliberalismus" sagte er den Kampf zugunsten von mehr Demokratie an.

Chávez sucht eigenen Angaben zufolge einen "dritten Weg" zwischen Kommunismus und Kapitalismus. So facettenreich wie seine Thesen zum Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft sind, so unterschiedlich sind auch seine Vorbilder. Nach eigenen Angaben betrachtet er sich als geistiger Urenkel des Unabhängigkeitsführers aus dem 19. Jahrhundert, Simon Bolívar. Außerdem bewundere er den kubanischen Staatschef Fidel Castro genauso wie US-Präsident Bill Clinton und den britischen Premierminister Tony Blair. Diese Mischung treibt der venezolanischen Mittel- und Oberschicht sowie den Investoren zuweilen die Schweißperlen auf die Stirn.

Auf Kritik an seiner Person und Politik reagiert er allergisch

Chávez wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Er hat indianische und spanischstämmige Vorfahren und wurde am 28. Juli 1954 als Sohn eines Dorfschullehrerpaares in der kleinen Ortschaft Sabaneta, rund 420 Kilometer südöstlich von Caracas geboren. Er nennt sich selbst einen praktizierenden Katholiken, hat aber für die Kirchenoberen nicht nur fromme Worte übrig. Geistliche, die ihn kritisieren, bezeichnet er als "Teufel in Soutanen". Überhaupt wird Chávez nachgesagt, dass er auf Kritik an seiner eigenen Person und Politik eher allergisch reagiere.

Bereits als 17-Jähriger trat Chávez den Streitkräften bei, besuchte später die Militärakademie und machte schon dort keinen Hehl daraus, dass er sein Land verändern wolle. 1982 gründete der junge Offizier eine eigene Partei, die Revolutionäre Bewegung Bolívar 200, aus der später die heutige Regierungspartei Bewegung der Fünften Republik (MVR) hervorging. Als selbsternannter "Soldat des Volkes" führte er zehn Jahre nach seiner Parteigründung einen Putsch gegen den damaligen sozialdemokratischen Präsidenten Carlos Andrés Perez an. Der Aufstand brachte Chávez zwei Jahre Haft ein. Aus dem Gefängnis entlassen, trat er als Demokrat auf. Seit seiner Wahl führt Chávez - wie er selbst sagt - einen "pazifistischen Krieg für die Wiederauferstehung Venezuelas".

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