Henkel will sich mit der FDP gegen Rechts engagieren
Michael Rogowski ist neuer BDI-Präsident

Michael Rogowski ist neuer BDI-Präsident. Der 61-Jährige wurde am Montag in Berlin einstimmig zum Nachfolger von Hans-Olaf Henkel an die Spitze des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gewählt. Der ehemalige Vorstandschef des Maschinenbauunternehmens J.M. Voith in Heidenheim tritt sein Amt am 1. Januar 2001 an.

ap BERLIN. Henkel hatte die Spitzenorganisation der deutschen Industrie sechs Jahre lang geführt. Eine erneute Kandidatur nach drei Amtsperioden war nicht möglich.

Rogowski wird im Vergleich zu Henkel eine moderatere Art nachgesagt. Der amtierende BDI-Präsident hatte sich den Ruf eines Scharfmachers erworben. Rogowski ist Aufsichtsratschef des Maschinen- und Anlagenbauers J.M. Voigt AG im baden-württembergischen Heidenheim. Er war 1997 und 1998 BDI-Vizepräsident und gehört momentan dem Präsidium an.

Henkel will sich weiterhin in der Wirtschaft engagieren. Als Zeitzeuge der Computer-Revolution übernahm er Aufsichtsratsmandate in jungen Start-Ups. Außerdem lehrt er von 2001 an als Honorarprofessor in Mannheim mit Schwerpunkt Unternehmensgründungen.

Warnung vor falscher Einschätzung Rogowskis

Auch politisch will Altpräsident Henkel nicht schweigen und vor allem gegen den Rechtsextremismus auftreten. Er begann bereits zusammen mit dem FDP-Bundesvorsitzenden Wolfgang Gerhardt, an zwei Schulen in Frankfurt am Main mit Schülern darüber zu diskutieren. Am 5. Dezember treffen er und Gerhardt mit weiteren Jugendlichen an Schulen in Frankfurt an der Oder und in Bernau bei Berlin zusammen. Konkrete Schritte zu einem FDP-Beitritt unternahm der Industriemanager bisher jedoch nicht. Die Liberalen würden ihn allerdings gern in ihren Reihen sehen, wie es hieß.

Im ZDF -"Morgenmagazin" warnte Henkel vor einer falschen Einschätzung seines designierten Nachfolgers Rogowski. Er wies die "Schablonen der Medien" im Sinne einer Einteilung in "Falken" und "Tauben" zurück. "Ich glaube, Sie unterschätzen ihn, wenn sie ihn gleich als Taube hinstellen", sagte der noch bis Ende dieses Jahres amtierende BDI-Chef.



Henkel: "musste viel einstecken"

Rückblickend auf sechs Jahre BDI-Präsidentschaft sagte Henkel im Saarländischen Rundfunk weiter, er habe "viel einstecken" müssen, aber auch einiges verändert. So habe er viele Tabus angerührt, "nicht um des Streits Willen, sondern weil etwas passieren musste". Jetzt erkenne er ein Ergebnis: "Aus Tabus werden Diskussionen, siehe Ladenschluss, aus Diskussionen werden Kommissionen, siehe Zuwanderung, und aus Kommissionen werden auch mal Gesetze, siehe Steuern", sagte der 60-Jährige.



Aufforderungen von Zwickel

Noch vor Abschluss der Wahl forderte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel Rogowski auf, "nicht den nur auf Konflikt und Krawall ausgerichteten Kurs seines Vorgängers Hans-Olaf Henkel fortzusetzen". Zugleich begrüßte er "Rogowskis Bekenntnis zum Flächentarifvertrag und zur Mitbestimmung im Betrieb".

Als nicht akzeptabel bezeichnete Zwickel dagegen die Vorstellungen des designierten BDI-Präsidenten zur Deregulierung des Arbeitsmarktes. "Löhne unter Tarif und die Rückkehr zur 50-Stunden-Woche wird es mit uns nicht geben." Die Tarifverträge ermöglichten schon heute eine Vielzahl von differenzierten Arbeitszeitregelungen.



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