Henry Kissinger wird Expertengruppe anführen: Reparatur der Irak-Schäden beginnt

Henry Kissinger wird Expertengruppe anführen
Reparatur der Irak-Schäden beginnt

Die "Operation Reparatur der Irak-Schäden" zwischen Europa und den USA hat begonnen. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac griff als Erster zum Telefon und rief US-Präsident George W. Bush an. Auch in Berlin mehren sich Anzeichen für den verstärkten Wunsch, wieder Kontakt mit dem verprellten Großen Bruder jenseits des Atlantiks zu suchen.

HB/dpa WASHINGTON. Verteidigungsminister Peter Struck kommt Anfang Mai an den Potomac, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement später im selben Monat zu einem deutsch-amerikanischen Treffen von Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik.

Sichtlich zufrieden zitierte das Weiße Haus den französischen Staatschef mit den Worten, er wolle eine "pragmatische Rolle" beim Wiederaufbau des Iraks spielen. Das klang vielversprechend, selbst wenn nicht von einem freundschaftlichen, sondern nur von einem "geschäftsmäßigen" Ton des 20 Minuten langen Telefonats die Rede war.

Der frühere Sicherheitsberater Henry Kissinger hatte sich in einer Kolumne schon gesorgt, dass die Konfrontations-Strategie der Kriegs- Unwilligen nun im Streit über die Rolle der Vereinten Nationen im Nachkriegs-Irak weitergehen könnte. "Eine Fortsetzung dieser Trends würde die fortgeschrittene Erosion der Atlantischen Allianz zur Folge haben - dem Kernstück amerikanischer Außenpolitik in einem halben Jahrhundert."

Kissinger wird gemeinsam mit dem ehemaligen Finanzminister Lawrence Summers eine Expertengruppe anführen, die im Auftrag des amerikanischen Rats für auswärtige Beziehungen den Anstoß zu einer neuen Europa-Politik geben soll. Zu viel sei passiert, um einfach wieder zur Tagesordnung übergehen zu können, meint Kissinger. Ein intensiverer Dialog sei nötig, damit die Partner einander besser ausrechnen könnten. Die Europäer könnten an der militärischen Überlegenheit der USA auf absehbare Zeit nichts ändern. Die USA ihrerseits müssten ihre Dominanz zu einer systematischen Förderung internationaler Übereinstimmung einsetzen.

Bei den Reparaturbemühungen geht US-Präsident Bush nicht gerade voran. Statt einem Appell der "Washington Post" zu folgen - "Anrufe bei Mr. Schröder und Mr. Chirac wären ein guter Anfang" - überließ er Chirac den ersten Schritt. Das Weiße Haus verwies nach dem Telefonat auf weiter bestehende Differenzen. "Aber das hindert den Präsidenten nicht daran, auf geschäftsmäßige und professionelle Art mit einem Alliierten wie Frankreich zu arbeiten."

Persönliche Sympathien und Antipathien spielten keine Rolle, hat Bush versichert. In den dunklen Tagen des Irak-Konfliktes hatte Bush- Sprecher Ari Fleischer es sich jedoch nicht verkneifen können, zu unterstreichen, dass Chirac vertraulich und öffentlich wenigstens immer dasselbe gesagt habe - Bundeskanzler Gerhard Schröder, so der Umkehrschluss, aber nicht. Der deutsche Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, weist beharrlich Berichte zurück, wonach den Diplomaten Berlins aus Verärgerung der Zugang zu Regierungsbeamten versperrt sei. Und noch etwas betont Ischinger: Was immer in Europa bei der Suche nach einer stärkeren eigenen Identität geschehe, es werde mit und nicht gegen Amerika sein.

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