Herabstufungen bei den Gewinnschätzungen drücken die Stimmung – Trendwende gegenüber dem Frühjahr
Analysten werden pessimistischer

Analysten korrigieren ihre Ertragsprognosen wieder öfter nach unten. Betroffen sind vor allem der Telekom -, Medien- und Technologiesektor. Anlageprofis werten dies als Warnsignal für die kommenden Quartalsberichte.

FRANKFURT/M. Analysten sind in den vergangenen Wochen etwas pessimistischer geworden. Immer öfter senken sie laut aktuellen Studien mehrerer Banken ihre Gewinnprognosen. Im März hatten die Analysten ihre Schätzungen noch zunehmend erhöht. Dies galt damals als Signal für bessere Zeiten bei den Firmen und an der Börse. Nun hat sich der Trend umgekehrt.

Das Verhältnis der Herabstufungen zu den Heraufstufungen zeigt, ob die Analysten im Hinblick auf die Erträge der Unternehmen zuversichtlicher geworden sind oder ob sie mit negativen Überraschungen rechnen.

"Die Konjunkturdaten verheißen im weiteren Verlauf des Jahres zwar eine Erholung. Schaut man sich aber die Gewinnschätzungen an, die seit Mai wieder negativer werden, scheint dieser Optimismus hier nicht geteilt zu werden", sagt Bill McQuaker, Leiter der quantitativen Analyse bei der Investmentbank Crédit Suisse First Boston (CSFB) in London.

Damit spiegeln die Gewinnprognosen das derzeitige Dilemma der Märkte wieder: Aus fundamentaler Seite sei die Dauer-Baisse nicht zu begründen, betonen Aktienstrategen. Denn sowohl Unternehmen als auch Konjunkturdaten verheißen bei weitem keine derart schlechte Entwicklung, wie die Märkte es im Augenblick glauben lassen. "Das Verhältnis der Herauf- zu den Herabstufungen ist ein recht guter Stimmungsindikator, weil er zeigt, wie die Analysten momentan eingestellt sind", sagt Rolf Elgeti, Aktienstratege bei Commerzbank Securities in London, "aber man sollte diese Kennzahl mit etwas Vorsicht genießen, denn viele Analysten rennen dem Markt hinterher."

"Änderungen der Gewinnprognosen haben sich in der Vergangenheit ähnlich wie die konjunkturellen Frühindikatoren bewegt", meint Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei WestLB Panmure. "Das absolute Tief war im Oktober 2001 erreicht. Damals waren 80 Prozent der Gewinnrevisionen negativ". Zeitgleich erreichten auch die wichtigsten konjunkturellen Frühindikatoren ihren Tiefpunkt (siehe Grafik). Damals häuften sich die Gewinnwarnungen der Unternehmen, und die Analysten passten ihre Prognosen an.

Laut den Aktienstrategen von CSFB gab es seit Ende des Jahres 2000 bis heute mehr Herabstufungen als Heraufstufungen. Nur nahmen die positiveren Gewinnschätzungen im März dieses Jahres erstmals wieder deutlich zu. Nun gehen sie wieder etwas zurück.

Schuld an dem Pessimismus der Analysten sei der Telekom -, Medien- und Technologiesektor (TMT), sagen die Aktienstrategen. "Vor allem im TMT-Bereich korrigieren die Analysten ihre Erwartungen nach unten. Da dieser Sektor aber weiterhin stark im Blickfeld der Anleger steht, erscheint das Bild zur Zeit deutlich negativ", sagt Hürkamp. Das Researchteam von CSFB hat festgestellt, dass der TMT-Sektor der einzige Sektor ist, der derzeit durch die Bank weg unter den Herabstufungen leidet.

"Im Technologiesektor kommen vier Herabstufungen auf eine Heraufstufung", sagt Commerzbank-Stratege Elgeti. Kein Wunder, stehen doch gerade die Unternehmen aus dem TMT-Sektor massiv unter Druck. Die Aktie der Deutschen Telekom erreicht beinahe täglich ein neues Rekordtief. Nokia verkündete erst vergangene Woche eine schlechtere Prognose für das laufende Jahr. Die Rating-Agentur Moody?s hat gerade das Bonitätsurteil für France Télécom drastisch gesenkt. "Heraufgestuft wurden vor allem Papiere aus der Old Economy, zum Beispiel aus den Bereichen Konsumgüter und Dienstleistungen", sagt Elgeti.

Anlass zur Sorge gibt nach Meinung der Aktienstrategen von Salomon Smith Barney (SSB) vor allem die Entwicklung der Gewinnprognosen in Europa, wo der Euro in den vergangenen Tagen stark gestiegen ist. Dieser Währungstrend könnte sich negativ auf die Gewinne der Unternehmen auswirken, die im Export tätig sind. CSFB-Experte McQuaker schließt Enttäuschungen in den Gewinnprognosen zyklischer Branchen im Juli und August nicht aus. WestLB-Stratege Hürkamp meint: "Die Wochen der Wahrheit kommen erst im dritten Quartal."

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