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Herausforderung: Kampf gegen Computer-Viren

Fast alle US-Unternehmen hatten im vergangenen Jahr Probleme mit der Computersicherheit. Hackerangriffe, Virus-Attacken und Daten-Diebstahl verursachten Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe. Eine ganze Reihe von Software-Firmen bieten Schutz vor diesen Bedrohungen.

LAS VEGAS. Bill Gates, Gründer des Softwareriesen Microsoft, hatte einen Scherz auf Lager: "Die Kunden sind von unserer Software begeistert", sagte er zu Beginn der Fachmesser Networld + Interop in Las Vegas. "In letzter Zeit schicken mir viele Menschen sogar E-Mails mit dem Titel I love you'", witzelte er in Anspielung auf den Computer-Virus, der vor zwei Wochen weltweit unzählige Computer infizierte und mehrere hundert Millionen Dollar Schaden verursachte. Die Lacher hatte er nur für einen kurzen Moment auf seiner Seite - dann wurde es wieder still im Saal.

Datensicherheit war eines der großen Themen auf der Messe. Und das nicht ohne Grund: Computerexperten schätzen, dass das als Liebesbrief getarnte Virus ILOVEYOU' Schäden in Höhe von mehr als 700 Mill.$ anrichtete und innerhalb von 5 Stunden das am stärksten verbreitete Computer-Virus überhaupt war. Zum Vergleich: Das Virus Concept, das 1995 Millionen von Computern infizierte, brauchte ganze vier Monate, bis es auf der Hitliste der am stärksten verbreiteten Viren oben stand. Insgesamt richtete es Schäden in Höhe von 50 Mill.$ an. Tony Macaluso, Computerspezialist beim Versicherungsunternehmen St. Barnabas Healthcare System, bemerkte nach dem Ausbruch des Melissa Virus vor rund einem Jahr: "Virenbefall war früher wie ein Mückenstich - inzwischen ähnelt er eher einer heftigen Malaria-Attacke." Aktuell sind mehr als 52 000 Computer-Viren bekannt, jeden Monat werden von Virenforschern in den Labors von Symantec oder Network Associates rund 500 neue Versionen der tückischen und schädlichen Programme entdeckt. Fast unglaublich, dass es vor weniger als 15 Jahren - 1986 - lediglich einen bekannten Computer-Virus gab.

Computerviren werden immer agressiver Viren sind nicht die einzigen Computer-Probleme, mit denen Unternehmen weltweit zu kämpfen haben. Eine Studie, die das Computer Security Institute (CSI) gemeinsam mit der amerikanischen Ermittlungsbehörde FBI unter dem Titel "2000 Computer Crime and Security Survey" veröffentlicht hat, ergab, dass 90% der 643 befragten Unternehmen, Universitäten und Behörden im vergangenen Jahr Probleme mit der Daten- und Computersicherheit hatten. 70% davon hatten neben den stärker verbreiteten Virus-Problemen und dem Datenmissbrauch durch Mitarbeiter auch mit Finanzbetrug im Internet, Hacker-Attacken und Netzwerksabotage zu kämpfen. Rund 40% der befragten Unternehmen waren bereit, den finanziellen Schaden, den sie durch die Angriffe und den Datenmissbrauch erlitten hatten, genauer zu beziffern - insgesamt ergab sich ein Verlust von mehr als 265 Mill.$ bei 273 Unternehmen.

Sicherheitssoftware wird zu wenig genutzt Durch die Ausbreitung des Internets haben sich auch die Übertragungswege von Viren geändert: 56% der Viren wurden 1999 durch E-Mail-Anhänge verbreitet, 1998 waren es vergleichsweise geringe 32% gewesen. Damals waren die meisten Viren (36%) durch infizierte Disketten weiter gegeben worden.

Das Computersicherheitsunternehmen Network Associates ist der größte Anbieter von Sicherheitssoftware und hat mit seiner Anti-Viren-Software McAfee einen Marktanteil von rund 50% bei Desktop-Computern und Servern. Symantec, die Nummer zwei beim Virenschutz, hat mit der Virenschutz-Software Norton Anti Virus Corporate Edition und der Antivirus Enterprise Solution rund 25% Marktanteil. Weitere große Anbieter - allerdings mit deutlich geringerem Marktanteil - sind IBM und Computer Associates. "Alle Produkte der großen Hersteller sind ähnlich, sie bieten alle einen etwa gleich guten Schutz", meint Frank Prince, Computersicherheits-Experte beim Marktforschungsunternehmen Forrester Research in Cambridge/Massachusetts. Die Anti-Viren-Software würde vor allen bekannten und vor rund 70% bis 80% der unbekannten Viren schützen.

Damit sich Unternehmen besser vor Angriffen von schützen können, bieten die Hersteller von Sicherheits-Software, sogenannte Intrusion Detection Programme an, die wie ein Alarm jeden Einbruch oder Einbruchsversuch in das Firmennetzwerk melden. Zu den beliebtesten Programmen zählt RealSecure des Anbieters Internet Security Systems.

Viele Unternehmen wollen bestimmte Web-Sites mit illegalen oder pornografischen Inhalten von ihren Firmenservern fernhalten. Symantec bietet das Programm I-Gear, das Web-Inhalte filtern kann. Allerdings ist die Software so angelegt, dass sie nicht nur auf einzelne Worte reagiert, sondern den Inhalt im Zusammenhang wertet. Damit können vor allem Universitäten und Forschungseinrichtungen sicher stellen, dass Seiten mit medizinischem Inhalten angezeigt, die mit pornografischen aber herausgefiltert werden. Eine ähnlich angelegte Software mit dem Namen I-Mail stellt Symantec auch für E-Mail-Server her.

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