Herbe Gewinneinbrüche bei Merck KGaA und Bristol-Myers
Pharmaindustrie driftet auseinander

In der Pharmabranche trennt sich die Spreu vom Weizen: Während Firmen wie Pharmacia und Wyeth weiter gut verdienen, kommen Konkurrenten wegen Patentausläufen stärker unter die Räder. Die Merck KGaA reagiert auf den Gewinneinbruch im zweiten Quartal mit einem Sparkurs, der Neuentwicklung aber verschonen soll.

ant/bef FRANKFURT/M. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA geht wegen des kräftigen Gewinnrückgangs im zweiten Quartal auf Sparkurs. Allein die Produktionskosten will Konzernchef Bernhard Scheuble mit einer neuen Struktur um jährlich 50 Mill. Euro senken. Ein eigenes Programm zum Personalabbau sei zwar nicht geplant, doch die Zahl der Beschäftigten solle bis zum Jahresende weltweit um 1 % sinken. Derzeit arbeiten bei der Gruppe rund 34 000 Menschen in 55 Ländern.

Merck KGaA reagiert damit auf die zuletzt schwache Entwicklung vor allem im Pharmageschäft. Der operative Gewinn des Konzerns ging im zweiten Quartal um 44 % auf 142 Mill. Euro zurück. Grund dafür war die wachsende Konkurrenz durch billige Kopien vom Verkaufsrenner Glucophage (gegen Diabetes). Solche so genannten Generika vermiesten zuletzt auch führenden US-Pharmakonzernen wie Bristol Myers Squibb (BMS), Eli Lilly und Merck & Co das Geschäft. Wie der weltweit fünftgrößte Arzneihersteller Bristol-Myers gestern bekannt gab, ging der Nettogewinn im zweiten Quartal um 64 % auf 440 Mill. $ zurück, der Umsatz fiel um 14 % auf 4,7 Mrd. $. Das Unternehmen ist in den USA der Vertriebspartner für Glucophage.

Die deutsche Merck KGaA hält trotz des Gewinneinbruchs an der Jahresprognose fest, nach der sie mit einem um ein Drittel geringeren operativen Gewinn rechnet. Scheuble gab sich zuversichtlich, die Herausforderung durch preisgünstige Konkurrenz meistern zu können. Der Umsatz fiel nach Unternehmensangaben im zweiten Quartal um 3,4 % auf gut 1,88 Mrd. Euro. Darin spiegele sich neben negativen Währungseffekten aus der Dollar-Schwäche der fast vollständig ausgefallene Umsatz des Lizenzpartners Bristol-Myers Squibb wider.

Zuwächse im Bereich Generika

BMS hatte in den USA den Verkauf von Glucophage vor Ende des Patentschutzes am 28. Januar mit Rabatten so stark vorangetrieben, dass die Läger der Großhändler im zweiten Quartal noch zum Bersten gefüllt waren. Ein Merck-Sprecher zeigte sich überzeugt, dass die Glucophage-Umsätze in den USA bald wieder anzögen. Noch immer entfalle die Hälfte der Neuverschreibungen von Mitteln mit dem gleichen Wirkstoff auf Glucophage.

Der gemessen am Umsatz viertgrößte deutsche Pharmakonzern ist nicht nur ein Verlierer des zunehmenden Wettbewerbs durch preisgünstige Nachahmerprodukte. Im Geschäftsbereich Generika, in dem auch Merck KGaA vom Auslaufen des Patentschutzes für Produkte anderer Hersteller profitiert, seien die Umsätze im zweiten Quartal um gut ein Drittel auf 295 Mill. Euro gestiegen. Zudem verzeichnete Merck in der Spezialchemiesparte einen Umsatzplus um 8 % auf 464 Mill. Euro und eine Gewinnsteigerung um 16 % auf 76 Mill. Euro.

Der Aktienmarkt reagierte erleichtert auf die Bekanntgabe der Quartalsergebnisse. Die Aktie der Merck KGaA legte um gut 5 % auf 21,10 Euro zu. Für Wohlwollen sorgte dabei auch die Ankündigung des Sparprogramms. Der Tritt auf die Bremse betrifft auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die im abgelaufenen Quartal um 11 % zurückgingen. Scheuble betonte jedoch, dass die Entwicklung der neuen Produkte gegen Krebs ungebrochen vorangetrieben werden solle. Insgesamt hat Merck 17 Produkte in den Phasen II und III der klinischen Entwicklung, in denen sie am Menschen auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen getestet werden.

Während Konzerne wie Merck KGaA oder BMS deutlich mit der Billigkonkurrenz zu kämpfen haben, stehen Konkurrenten wie Wyeth und Pharmacia gut da - sie sind derzeit und in den nächsten Jahren kaum von Patentausläufen betroffen. Die Geschäftsentwicklung auf dem weltweiten Pharmamarkt klafft deswegen immer stärker auseinander. Wyeth, Nummer sechs auf dem US-Markt steigerte im zweiten Quartal den Gewinn um 26 % auf 600 Mill. $ und den Umsatz um 10 % auf 3,5 Mrd. $. Auch beim Konkurrenten Pharmacia läuft das Geschäft mit verschreibungpflichtigen Medikamenten wie etwa den Arthritismitteln Celebrex und Bextra gut: Der Gewinn stieg im Zeitraum um 23 % auf 910 Mill. $, der Umsatz um 4 % auf 3,6 Mrd. $. Weltmarktführer Pfizer hatte vorige Woche die Übernahme von Pharmacia für annähernd 60 Mrd. $ angekündigt. Wie Pharmacia ist auch Pfizer kaum von Patentausläufen und Billigkonkurrenz betroffen.

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