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Herbe Verluste an der Wall Street

Den ersten Handelstag der neuen Woche beenden die US-Märkte nahe den Eröffnungsständen der Vorwoche.

NEW YORK. Vor allem Gewinnmitnahmen und die Angst vor einer neuen Flaute an der Wall Street haben die Kurssprünge der vergangenen fünf Handelstage wieder aufgezehrt. Der Dow Jones Index schließt mit einem Verlust von 272 Punkten oder 2,9 Prozent auf einem Stand von nur noch 9273 Punkten. Der technologie-lastige Nasdaq geht bei einem Stand von 1699 aus dem Handel. Der Index der Wachstumswerte ist damit um 69 Punkte oder 3,9 Prozent geschrumpft.

Nach einer fünfwöchigen Rally seit den Kurseinbrüchen nach dem 11. September gab es am Montag Gewinnmitnahmen im großen Stil. Marktbeobachter überraschte dies nicht wirklich, zumal in der vergangenen Woche oft gewarnt wurde, die Märkte würden erneut ihre Tiefststände testen.

Auch die in den nächsten fünf Handelstagen anstehenden Wirtschaftsdaten (Dienstag: Verbrauchervertrauen, Freitag: Arbeitsmarktdaten), die nach Analystenerwartungen sehr schwach ausfallen könnten, hatten nicht eben die Kauflust geschürt.

Zusätzlich hatten nach einer ruhigen Vorwoche erstmals wieder Nachrichten aus dem außerbörslichen Umfeld die Stimmung auf dem Parkett belastet. Im Krieg gegen den Terrorismus haben die US-Streitkräfte nach Informationen vom Wochenende weniger erreicht als erwartet, was die Militär-Aktion verlängern könnte. Außerdem stellt die Regierung nach Untersuchung einiger Anthrax-Proben eine Verbindung der Milzbrand-Attacken mit dem Irak her. Am Montag arbeitete das höchste US-Gericht, der Supreme Court in Washington, wegen Anthrax-Verdachts nicht in den eigenen Räumen. Zwei State Departments waren am Morgen ebenfalls geräumt worden.

Drei Unternehmensmeldungen beherrschten das Marktgeschehen am Montag: Der Rüstungskonzern Lockheed Martin hat einen Auftrag des Verteidigungsministeriums zum Bau neuer Kampfjets an Land gezogen. Mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar ist dies der größte Auftrag in der amerikanischen Rüstungsgeschichte. Die Aktie von Lockheed Martin verlor dennoch zwei Prozent an Wert. Den Dow Jones belasteten die Papiere von Mitbewerber Boeing, der vom Verteidigungsministerium nicht bedacht worden war. Das Unternehmen schraubte umgehend die Gewinnerwartungen für 2002 um eine Milliarde Dollar zurück, und die Aktie brach um mehr als zehn Prozent ein. Auch an Honeywell trauten sich die Investoren nicht. Der Industriegigant kann als Zulieferer von Lockheed Martin mit etwa fünf Milliarden Dollar aus dem Großauftrag rechnen. Der Dow-Titel gibt dennoch ein halbes Prozent Prozent ab.

General Motors hat seine Elektronik-Sparte samt dem Satelliten-TV-Betreiber Hughes Elecronics für 26 Milliarden Dollar an Echostar bestätigt. Die Bemühungen des Medien-Moguls Rupert Murdoch, die News Corp. als globalen Satelliten-TV-Anbieter auszurichten, sind damit ins Leere gelaufen. Doch auch für GM und Echostar ist der Deal noch lange nicht unter Dach und Fach: Die Finanzierung ist unklar, und die Wettbewerbshüter haben noch darüber zu entscheiden, ob und wie die Übernahme von Statten gehen kann. Die Investoren zeigen sich am Montag zurückhaltend, die Papiere von General Motors , Echostar und der News Corp. verlieren.

Zu den ganz wenigen Gewinnern gehörten zum Wochenauftakt die Papiere von United Airlines . Der neue Vorstandsvorsitzende John Creighton macht den Anlegern offenbar wieder Mut. "Ich habe diesen Job als CEO angetreten und nicht als Konkursverwalter", hatte Creighton erklärt und damit Äußerungen seines Vorgängers James Goodwin entkräftet, der vor wenigen Tagen einen nahen Bankrott der zweitgrößten amerikanischen Fluggesellschaft angekündigt hatte. Die Aktie von United Airlines hat seit den Attacken des 11. September 55 Prozent an Wert verloren, konnte zum Wochenauftakt aber trotz des denkbar schwachen Umfelds 1,6 Prozent gutmachen.

An der Nasdaq schlossen sämtliche Sektoren im roten Bereich. Selbst Sun Microsystems, das einzige Unternehmen unter den BigCaps, dass zumindest zeitweise im grünen Terrain notiert hatt, musste Gewinne wieder abgeben. Am Morgen waren die Papiere auf der "Sun One"-Welle fast drei Prozent ins Plus geklettert. "Sun One" ist eine neue Internet-Software, die verschiedene Applikationen unter ein Dach bringt und Branchenprimus Microsoft Marktanteile abgraben soll. Auch Computerhersteller Dell konnte die Börsianer mit einem neuen Computer für Einsteiger letztlich nicht überzeugen. Das Unternehmen bringt einen Desktop für 599 Dollar auf den Markt, um das Computer-Interesse von Erstkunden zu bedienen. Sun Microsystems und Dell verlieren jeweils mehr als fünf Prozent

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Mehr als sechs Prozent verloren die Chip- und Halbleiterwerte, Branchenprimus Intel schloss mit 6,5 Prozent in den Miesen. Die Netzwerktitel und sie Papiere aus dem Hardware- und Softwarebereich gaben um jeweils etwa fünf Prozent nach. Auch die Biotechwerte kamen nicht ungeschoren davon: Drei Prozent gab der Sektor nach. Allein Ariad konnte dem Trend entfliehen. Fast 40 Prozent gewannen die Papiere, nachdem das Unternehmen Erfolge in der Forschung an einem Krebsmedikament bekannt gegeben hatte.

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